Der Artikel adressiert die religionspädagogische Herausforderung, mit heterogenen und indifferenten Einstellungen von Schüler*innen im Unterricht sensibel umzugehen. Die Autorin diagnostiziert ein Defizit in Lehrplänen und Schulbüchern: Während klassische Religionskritik und religionsfeindlicher Atheismus (z.B. Dawkins) präsent sind, fehlen Materialien, die konfessionslose Weltsichten angemessen reflektieren und Übergänge zwischen religiösen und nichtreligiösen Deutungsweisen aufzeigen. Dies begünstigt eine schematische Trennung von Glaube und Unglauben, die den Perspektiven religiös indifferenter Schüler*innen nicht gerecht wird. Als Lösung schlägt die Autorin vor, Textauszüge aus Ronald Dworkins Werk „Religion ohne Gott" in den Unterricht einzuspielen. Dworkin unterscheidet zwischen zwei „Lagern": einem mit Gott (klassischer Theismus und Pantheismus) und einem ohne Gott (religiöser Atheismus). Entgegen der gängigen Dichotomie zeigt Dworkin, dass die entscheidende Grenzlinie nicht zwischen Religion und Atheismus verläuft, sondern zwischen dem Glauben an die objektive Realität von Werten (geteilt von religiösen Atheisten und Theisten) und einer atheistisch-naturalistischen Haltung. Der religiöse Atheist glaubt nicht an einen Schöpfergott, ist aber erfasst von Ehrfurcht vor der Natur und ihrem inhärenten Wert. Dworkin illustriert dies anhand von Beispielen wie dem Schutz bedrohter Tierarten und dem Grand-Canyon-Gedankenexperiment: Die Schönheit des Grand Canyon beruht nicht auf menschlicher Gestaltung, sondern auf natürlichen Schöpfungsprozessen – dies macht seinen Zauber aus. Die Autorin diskutiert sodann Probleme und Chancen dieser Perspektive im Religionsunterricht. Positiv hervorzuheben ist, dass Dworkins Ansatz konfessionslosen Schüler*innen eine Sprache verleiht und sie zur Partizipation einladen kann. Problematisch sind jedoch inflationäre Verwendungen des Wertbegriffs, die Gefahr esoterischer Vereinnahmungen und die mögliche ideologische Instrumentalisierung durch rechtsextreme Naturschutzrhetorik. Zudem wird Dworkins Marginalisierung der Gottesfrage kritisiert, da sie einer asymmetrischen Begünstigung des Atheismus gleichkommt und theologisch-ethische Verflechtungen übersieht. Die Autorin schlussfolgert, dass Dworkins Perspektive trotz dieser Grenzen wertvoll ist: Sie fördert differenzierte theologische und philosophische Urteilskraft von Schüler*innen unterschiedlicher Weltsichten und eröffnet Anknüpfungspunkte zu Albert Schweitzer, biblischen Schöpfungspsalmen und aktuellen ästhetischen Phänomenen. Sie funktioniert als bereicherndes Bildungsangebot, das Übergänge zwischen religiösen und nichtreligiösen Weltsichten produktiv thematisieren kann.