RU-digitalRU-digital-logo
1 Bild
Religionspädagogische BeiträgeBernd Schröder

Religionspädagogische Beiträge,

Bernd Schröder

Religionspädagogik in ökumenischer Weite

Veröffentlichung:1.5.2019

Der Artikel behandelt die Neuausrichtung der Religionspädagogik im Kontext der ökumenischen Bewegung. Schröder argumentiert, dass Konfessionalität als konstituierendes Merkmal kirchlichen Handelns an Bedeutung verliert und dass religionspädagogische Arbeit sich zunehmend auf eine ökumenische Perspektive ausrichten muss, ohne dabei konfessionelle Besonderheiten zu vernachlässigen.

Products

Bernd Schröder analysiert in diesem Artikel die grundlegende Transformation der Religionspädagogik im Kontext gegenwärtiger gesellschaftlicher und kirchlicher Entwicklungen. Seine zentrale These lautet, dass die Ökumenizität der Religionspädagogik nicht primär durch theologische und kirchliche Vereinbarungen, sondern durch religionssoziologisch beschreibbare Prozesse bestimmt wird – insbesondere durch den Bedeutungsverlust konfessionell verfasster Kirchen in der Multioptionsgesellschaft. Während Konfessionalität für immer weniger Menschen eine identitätsstiftende Kategorie darstellt, treten biografische und kontextuelle Stimmigkeit an deren Stelle. Schröder unterscheidet zwischen wissenschaftstheoretischer Ebene (wo es bereits keine konfessionellen Unterschiede mehr gibt) und historisch-gewachsenen Differenzen (Institutionen, personale Netzwerke, theologische Wissensbestände). Er dokumentiert einen hermeneutischen Paradigmenwechsel seit den 1960er-Jahren: Konfessionelle Unterschiede werden nicht mehr als unüberwindbare Trennwände, sondern als Bereicherungspotentiale verstanden. Diese Entwicklung wird etwa durch die Leuenberger Konkordie (1973) und den Versöhnungsgottesdienst von 2017 belegt. Der Autor plädiert für ein „inklusives Christentumsverständnis", in dem konfessionelle Eigenarten als Spielarten innerhalb des einen Christentums fungieren. Dabei betont er die Rolle der Kirchen als Anker tradierter Konfessionalität durch Kirchenrecht, warnt aber gleichzeitig vor kirchentrennendem Eigensinn. Er erweitert die ökumenische Perspektive über das evangelisch-katholische Verhältnis hinaus und bezieht unter Bezug auf Karl Barth das Verhältnis zum Judentum als „eine tatsächlich große ökumenische Frage" ein. Abschließend formuliert Schröder konkrete fachspezifische Aufgaben der Religionspädagogik: empirische Erhebung von Verständigungsprozessen, vergleichende internationale Perspektiven, historische Aufarbeitung, Einbeziehung ökumenischer Theologien und handlungsorientierte Förderung konfessioneller Kooperation. Religionspädagoginnen und -pädagogen sollen sich als kirchenbezogene Theologen zur Konfessions- und Ökumenefrage positionieren und disziplinspezifische Einsichten in die Transformation des Christentums einbringen.

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell, während andere uns helfen, diese Website und Ihre Erfahrung zu verbessern Datenschutz.