Der Artikel verfolgt die Frage, wie ethisches Lernen in religionspädagogischer Fachliteratur an außerschulischen Lernorten behandelt wird. Angela Kaupp konstatiert zunächst, dass trotz vorhandener Literatur-Datenbanken eine systematische Recherche zum Thema „ethisches Lernen" schwierig ist. Sie bezieht sich auf Stefan Meyer-Ahlens Dissertation, die vier Kategorien ethischen Lernens unterscheidet: formalisiertes ethisches Lernen, psychologisch-psychoanalytische Zugänge, inhaltsorientiert-narratives ethisches Lernen und ethisches Lernen als Enkulturation. Die Untersuchung konzentriert sich auf vier Bereiche: (1) Erwachsenenbildung: Zwei Forschungsprojekte der Katholischen Bundesarbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung zeigen, dass internetbasierte Lernarrangements ethische Diskurse fördern und die Argumentations- sowie Urteilsfähigkeit erhöhen. (2) Jugendarbeit: Shell-Jugendstudien und der Freiwilligensurvey belegen zwar gestiegene Engagement-Bereitschaft, aber auch strukturelle Hürden. Eine Diskussion zwischen diakonisch und ästhetisch orientiertem Ansatz wird dokumentiert. (3) Katechese und Firmung: Während Katechese-Literatur primär interkulturelle Aspekte behandelt, werden ethische Dimensionen nur implizit thematisiert. Firmkatechese-Modelle integrieren teilweise diakonische Projekte. (4) Schulpastoral: Mehrere wissenschaftliche Arbeiten betonen die diakonische Dimension, aber umfassendere ethische Aspekte einer Schulkultur werden nicht expliziert. Fazit: Eine systematische, explizite Beschäftigung mit ethischem Lernen an außerschulischen Lernorten ist nachrangig. Umfassendere Überlegungen zu moralischen Entscheidungen in Konfliktsituationen erfolgen eher beiläufig. Der Artikel fordert eine stärkere Vernetzung der Theorieentwicklung zwischen schulischem und außerschulischem Lernen.