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Bernward Schmidt

Rezension: Hermann Josef Sieben: Kleines Lexikon zur Geschichte der Konzilsidee

Veröffentlichung:19.2.2018

Rezension der Veröffentlichung Kleines Lexikon zur Geschichte der Konzilsidee von Hermann Josef Sieben, erschienen im Eulenfisch Literatur Magazin.

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Die Geschichte der Konzilsidee darf getrost als ein großes Lebensthema des Frankfurter Jesuiten Hermann Josef Sieben bezeichnet werden. In zahlreichen Publikationen hat er das Thema in seinen vielen Schattierungen behandelt und untersucht, wie der Begriff „Konzil“ verstanden wurde. Das schließt das Selbstverständnis der Konzilsväter ebenso ein wie die Bestimmung des Verhältnisses zu anderen Konzilien, dem Papsttum oder weltlichen Autoritäten. Auch die theologische und kirchenrechtliche Reflexion auf die Institution Konzil gehört in diesen Bereich. Das vorliegende „kleine Lexikon“ enthält eine stattliche Anzahl von Lemmata zur Geschichte der Konzilsidee, wie sie Sieben maßgeblich geprägt hat. Personen stehen dabei naturgemäß nicht im Vordergrund, häufig wird von einem Personennamen auf Sachartikel verwiesen. Diese Gruppe umfasst v.a. Einträge zur theologischen Deutung von Konzilien, Verfahrensfragen, Geltung und dogmatischen Gewichtung von Konzilsbeschlüssen und zum Verhältnis zwischen Konzilien und Papsttum. Behandelt werden selbstverständlich Autoren, die einen besonderen Beitrag zur Entwicklung und Diskussion von Konzilsideen geleistet haben. Inhaltlich ist Siebens Lexikon über jeden Zweifel erhaben, speist es sich doch aus der reichen Erfahrung jahrzehntelanger intensiver Forschung zum Thema. Regelmäßig wird daher auch auf Siebens Publikationen verwiesen, auf die sich das Buch maßgeblich stützt. Zusätzlich wird weitere ausgewählte Literatur erwähnt bzw. in einem Anhang „Literaturnachträge“ aufgelistet, wobei meist mehrere Titel unter einer Nummer zusammengefasst werden. So ergibt sich bedauerlicherweise keine übersichtliche Auswahlbibliographie, denn auch die Reihenfolge der Nummern erschließt sich nicht auf Anhieb. Nach 2010 erschienene Publikationen wurden zudem nur noch in kleiner Auswahl aufgenommen; so vermisst man etwa im Artikel „Hermeneutik“, der sich unter anderem mit der Diskussion um die Hermeneutik des Zweiten Vatikanischen Konzils befasst, die grundlegenden Beiträge von Massimo Faggioli. Auch Lemmata, die den in neueren Forschungen untersuchten Zusammenhang zwischen Liturgie, Verfahren und Konzilsidee thematisieren, fehlen. Ein zweiter Anhang mit Rezensionen des Verfassers und mit Rezensionen über seine Werke dürfte eher der bibliographischen „Ergebnissicherung“ seiner Forschungstätigkeit dienen als dem genuinen Ziel eines Lexikons. Deshalb stellen sich zwei Fragen: Wer benutzt ein solches Werk und wie kann man es benutzen? Das vorliegende Lexikon ist keine Einführung in das Thema, es setzt bereits solide Grundkenntnisse in der Konziliengeschichte und ein Interesse an dem doch recht speziellen Thema „Konzilsidee“ voraus. Als Nachschlagewerk eignet es sich vor allem, um erste Orientierung zu gewinnen oder um weitere Publikationen (v.a. des Verfassers) zu finden. Daher wird das Werk all denen gute Dienste leisten, die einen Schlüssel zu den zahlreichen Publikationen des Verfassers suchen. Es finden sich Artikel, die kaum jemand suchen oder erwarten dürfte, z.B. „Bilanz“, wo vergleichsweise ausführlich über zeitgenössische Deutungen des Basler Konzils berichtet wird, oder „Liberales Element in der Kirchenverfassung“, wo es um Konzilsdeutungen im Licht des Zweiten Vatikanischen Konzils geht. Über das reine sachlich-bibliographische Nachschlagewerk hinaus ist Siebens „Kleines Lexikon“ somit ein Werk, in dem es sich lohnt, einfach zu blättern und sich durch die Verweise in die verschiedenen Winkel der Geschichte der Konzilsidee führen zu lassen. Relevant sind diese Aspekte aber nicht nur für eine konzilshistorische Perspektive; gerade auch für das ökumenische Gespräch ist die Frage nach der Autorität und Verbindlichkeit von Konzilsbeschlüssen – und mithin der „Konzilsidee“ unserer Tage – von großem Interesse. utb 8715 Paderborn: Ferdinand Schöningh Verlag. 2017 229 Seiten 39,99 € ISBN 978-3-8252-8715-3

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