Das Medium eignet sich für den Religionsunterricht der Jahrgangsstufe 10 insbesondere zur Beschäftigung mit den Themen Erkenntnis, Wahrheit, Wirklichkeit, Erfahrung, Vernunft, Menschenbild, Glaube und Wissen. Die Grundfrage Lockes ist für Lernende gut zugänglich, da sie unmittelbar an alltägliche Erfahrungen anknüpft: Woher wissen wir eigentlich, was wir zu wissen glauben? Der Text bietet die Möglichkeit, zwischen Wahrnehmung, Denken und Erkenntnis zu unterscheiden und die Entstehung eigener Vorstellungen kritisch zu reflektieren.
Als Einstieg kann den Lernenden die Frage gestellt werden, welche Vorstellungen ein Mensch besitzen könnte, der bestimmte Erfahrungen niemals gemacht hat. Beispielsweise kann gefragt werden, ob jemand wissen kann, wie eine bestimmte Frucht schmeckt, ohne sie jemals probiert zu haben. Ebenso kann darüber nachgedacht werden, ob ein Mensch die Bedeutung von Kälte vollständig verstehen könnte, ohne jemals Kälte empfunden zu haben. Die Beispiele führen unmittelbar zu Lockes Auffassung, dass Erfahrung für die Entstehung vieler Vorstellungen grundlegend ist.
Anschließend kann die Leitfrage des Textes aufgegriffen werden: „Woher hat der Mensch all das Material für seine Vernunft und für seine Erkenntnis?“ Die Lernenden formulieren zunächst eigene Antworten. Diese werden gesammelt und nach der Textarbeit mit Lockes Antwort verglichen. Auf diese Weise wird die philosophische Problemstellung nicht lediglich vorgegeben, sondern aus den eigenen Vorstellungen der Lernenden entwickelt.
Bei der Texterschließung sollte der Schwerpunkt zunächst auf den Begriffen Sensation und Reflexion liegen. Die Lernenden können Aussagen zur Sensation und zur Reflexion unterschiedlich markieren und die von Locke genannten Beispiele zuordnen. Auf der Seite der Sensation stehen Vorstellungen wie gelb, weiß, heiß, kalt, weich, hart, bitter und süß. Auf der Seite der Reflexion stehen geistige Tätigkeiten wie wahrnehmen, denken, zweifeln, glauben, schließen, erkennen und wollen.
Anschließend kann gemeinsam herausgearbeitet werden, dass Locke einen weiten Begriff von Erfahrung verwendet. Erfahrung meint bei ihm nicht ausschließlich das, was Menschen durch ihre äußeren Sinne wahrnehmen. Auch die Beobachtung der eigenen geistigen Vorgänge gehört zur Erfahrung. Der Mensch erfährt die Außenwelt durch Sensation und die Vorgänge seines eigenen Geistes durch Reflexion. Beide Bereiche liefern dem Verstand das Material des Denkens.
Methodisch bietet sich ein kleines Wahrnehmungsexperiment an. Ein Gegenstand kann verdeckt ertastet oder ein unbekanntes Lebensmittel mit geschlossenen Augen probiert werden. Die Lernenden beschreiben ihre Wahrnehmungen zunächst ausschließlich mit Begriffen wie weich, hart, warm, kalt, süß oder bitter. Diese Begriffe werden der Sensation zugeordnet. In einem zweiten Schritt beobachten die Lernenden ihre eigenen geistigen Vorgänge während des Experiments. Sie können beispielsweise feststellen, dass sie vermuten, vergleichen, zweifeln, sich erinnern oder eine Entscheidung treffen. Diese Tätigkeiten werden der Reflexion zugeordnet. Dadurch werden die beiden Erkenntnisquellen Lockes konkret erfahrbar.
Zur Sicherung kann ein einfaches Erkenntnismodell entwickelt werden. Auf der einen Seite stehen äußere materielle Gegenstände. Diese wirken auf die Sinne und führen zur Sensation. Auf der anderen Seite stehen die Vorgänge des eigenen Geistes. Diese werden beobachtet und führen zur Reflexion. Beide Quellen liefern Ideen und Vorstellungen, die das Material des menschlichen Denkens bilden. Die Lernenden können dieses Modell anschließend mit eigenen Beispielen ergänzen.
Für eine vertiefende Erarbeitung bietet sich ein Vergleich mit René Descartes an. Beide Philosophen beschäftigen sich mit der Frage nach menschlicher Erkenntnis, gelangen jedoch zu unterschiedlichen Ausgangspunkten. Descartes betrachtet die Sinneswahrnehmung zunächst kritisch, weil die Sinne täuschen können. Seine Suche nach sicherer Erkenntnis führt ihn zum denkenden Ich. Locke betont dagegen die grundlegende Bedeutung der Erfahrung und betrachtet die Sinneswahrnehmung als eine zentrale Quelle unserer Vorstellungen. An dieser Gegenüberstellung können die Lernenden grundlegende Unterschiede zwischen rationalistischen und empiristischen Zugängen zur Erkenntnis erarbeiten.
Dabei sollte jedoch deutlich gemacht werden, dass Locke nicht einfach behauptet, jede Sinneswahrnehmung sei automatisch wahr. Seine zentrale Frage lautet zunächst, woher unsere Vorstellungen stammen. Die Frage nach dem Ursprung einer Vorstellung muss von der Frage nach ihrer Wahrheit unterschieden werden. Diese Differenzierung eignet sich besonders zur Förderung philosophischer Urteilsfähigkeit.
Im Religionsunterricht kann anschließend die Frage gestellt werden, wie religiöse Vorstellungen entstehen. Die Lernenden können untersuchen, ob Vorstellungen von Gott, Transzendenz, Hoffnung oder einem Leben nach dem Tod vollständig aus Sensation und Reflexion erklärt werden können. Hier bietet sich eine Unterscheidung zwischen persönlicher Erfahrung und der Deutung einer Erfahrung an. Ein Mensch kann beispielsweise eine außergewöhnliche Erfahrung machen und diese religiös deuten. Ein anderer Mensch könnte dieselbe Erfahrung anders interpretieren. Dadurch wird die Frage eröffnet, in welchem Verhältnis Erfahrung und religiöse Wahrheit zueinander stehen.
Auch das Verhältnis von Glaube und Vernunft kann anhand des Mediums thematisiert werden. Wenn Locke menschliche Erkenntnis an Erfahrung bindet, stellt sich die Frage, welche Bedeutung Aussagen besitzen, deren Gegenstände nicht unmittelbar sinnlich wahrgenommen werden können. Die Lernenden können prüfen, ob religiöse Aussagen deshalb grundsätzlich außerhalb menschlicher Erkenntnis liegen oder ob Reflexion, religiöse Erfahrung, Tradition und Offenbarung weitere Zugänge eröffnen können.
Ein aktueller Lebensweltbezug ergibt sich aus dem Umgang mit digitalen Medien. Bilder, Videos und Tonaufnahmen vermitteln scheinbar unmittelbare Erfahrungen, können jedoch verändert oder künstlich erzeugt worden sein. Die Lernenden können untersuchen, ob Sehen und Hören allein ausreichen, um eine Behauptung für wahr zu halten. Dadurch kann Lockes Ansatz mit der Frage verbunden werden, wie aus Wahrnehmungen begründetes Wissen entsteht.
Zur Ergebnissicherung können die Lernenden die Aussage „Alle Erkenntnis beginnt mit Erfahrung“ erläutern und anschließend an selbst gewählten Beispielen überprüfen. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, einen kurzen Dialog zwischen Locke und Descartes zu verfassen, in dem beide ihre unterschiedlichen Auffassungen über die Bedeutung der Sinneswahrnehmung vertreten. Dadurch werden Textverständnis, Perspektivübernahme und philosophische Argumentationsfähigkeit miteinander verbunden.
Prüfungsfragen für eine Klausur der Jahrgangsstufe 10 mit Musterantworten
Aufgabe 1: Beschreiben Sie Lockes Auffassung vom Ursprung menschlicher Ideen und Erkenntnisse.
Operator: Beschreiben
Musterantwort:
Locke vertritt die Auffassung, dass die menschlichen Ideen und Erkenntnisse ihren Ausgang in der Erfahrung nehmen. Der Verstand erhält sein Material aus zwei Quellen. Die erste Quelle ist die Wahrnehmung äußerer Gegenstände durch die Sinne. Locke bezeichnet sie als Sensation. Die zweite Quelle besteht in der Beobachtung der Tätigkeiten des eigenen Geistes. Diese bezeichnet Locke als Reflexion. Beide Formen der Erfahrung liefern dem Verstand die Vorstellungen, mit denen er denken und Erkenntnisse gewinnen kann.
Aufgabe 2: Erläutern Sie Lockes Begriff der Sensation anhand geeigneter Beispiele aus dem Text.
Operator: Erläutern
Musterantwort:
Unter Sensation versteht Locke die Wahrnehmung äußerer Gegenstände durch die Sinne. Gegenstände wirken auf unsere Sinne ein und erzeugen dadurch bestimmte Vorstellungen. Locke nennt beispielsweise die Vorstellungen von gelb, weiß, heiß, kalt, weich, hart, bitter und süß. Wenn ein Mensch beispielsweise einen heißen Gegenstand berührt, entsteht durch diese sinnliche Erfahrung die Vorstellung von Hitze. Sensation ist somit diejenige Erkenntnisquelle, durch die der Mensch Vorstellungen von Eigenschaften der Außenwelt erhält.
Aufgabe 3: Erläutern Sie Lockes Begriff der Reflexion und grenzen Sie ihn von der Sensation ab.
Operator: Erläutern
Musterantwort:
Reflexion bezeichnet bei Locke die Wahrnehmung der Tätigkeiten des eigenen Geistes. Der Mensch kann beobachten, dass er denkt, zweifelt, glaubt, erkennt oder etwas will. Dadurch entstehen Vorstellungen von geistigen Vorgängen. Der Unterschied zur Sensation besteht im Gegenstand der Wahrnehmung. Sensation richtet sich auf die Außenwelt und ihre Eigenschaften. Reflexion richtet sich auf das Innere des Menschen und die Tätigkeiten seines Geistes. Gemeinsam bilden Sensation und Reflexion die beiden grundlegenden Quellen menschlicher Vorstellungen.
Aufgabe 4: Arbeiten Sie aus dem Text heraus, weshalb Locke Sensation und Reflexion als die beiden Quellen menschlicher Erkenntnis bezeichnet.
Operator: Herausarbeiten
Musterantwort:
Locke geht davon aus, dass der menschliche Verstand sein gesamtes Material aus Erfahrung erhält. Diese Erfahrung besitzt zwei Richtungen. Durch die Sensation nimmt der Mensch äußere Gegenstände und deren Eigenschaften wahr. Dadurch entstehen Vorstellungen wie heiß, kalt, weich oder bitter. Durch die Reflexion beobachtet der Mensch dagegen die Tätigkeiten seines eigenen Geistes. So entstehen Vorstellungen vom Denken, Zweifeln, Glauben, Erkennen oder Wollen. Da Locke alle Vorstellungen auf äußere oder innere Erfahrung zurückführt, bezeichnet er Sensation und Reflexion als die grundlegenden Quellen menschlicher Erkenntnis.
Aufgabe 5: Analysieren Sie den Aufbau von Lockes Argumentation zum Ursprung der Ideen.
Operator: Analysieren
Musterantwort:
Locke beginnt mit der grundlegenden Frage, woher der menschliche Verstand sein Material für Denken und Erkenntnis erhält. Darauf gibt er zunächst die allgemeine Antwort, dass dieses Material aus der Erfahrung stammt. Anschließend differenziert er den Begriff der Erfahrung. Zuerst beschreibt er die Sensation als Wahrnehmung äußerer Gegenstände durch die Sinne und nennt konkrete Beispiele für die daraus entstehenden Vorstellungen. Danach führt er die Reflexion als zweite Quelle ein. Sie besteht in der Beobachtung der eigenen geistigen Tätigkeiten. Abschließend fasst Locke beide Bereiche zusammen und erklärt äußere materielle Dinge und innere geistige Vorgänge zu den beiden Ausgangspunkten menschlicher Erkenntnis. Seine Argumentation führt somit von einer allgemeinen These über eine Unterscheidung zweier Erfahrungsformen zu einer zusammenfassenden Aussage über den Ursprung menschlicher Erkenntnis.
Aufgabe 6: Stellen Sie Lockes Modell der Erkenntnis in eigenen Worten dar.
Operator: Darstellen
Musterantwort:
Nach Locke beginnt menschliche Erkenntnis mit Erfahrung. Der Mensch nimmt einerseits durch seine Sinne die Außenwelt wahr. Daraus entstehen Vorstellungen von sinnlich erfahrbaren Eigenschaften. Diesen Vorgang bezeichnet Locke als Sensation. Andererseits kann der Mensch seine eigenen geistigen Tätigkeiten beobachten. Er bemerkt beispielsweise, dass er denkt, zweifelt oder etwas will. Dies bezeichnet Locke als Reflexion. Sensation und Reflexion liefern dem Verstand das Material, das er für weiteres Denken und Erkennen benötigt.
Aufgabe 7: Vergleichen Sie Lockes Auffassung von der Sinneswahrnehmung mit Descartes’ methodischem Zweifel.
Operator: Vergleichen
Musterantwort:
Locke und Descartes beschäftigen sich beide mit den Grundlagen menschlicher Erkenntnis. Locke misst der Sinneswahrnehmung eine grundlegende Bedeutung zu. Durch Sensation erhält der Mensch einen großen Teil seiner Vorstellungen. Descartes beginnt dagegen mit einem Zweifel an den Sinnen. Weil die Sinne Menschen gelegentlich täuschen, können sie für ihn zunächst keine Grundlage absolut sicherer Erkenntnis bilden. Ein wichtiger Unterschied besteht allerdings in der jeweiligen Fragestellung. Locke fragt vor allem nach dem Ursprung menschlicher Vorstellungen. Descartes sucht dagegen nach einer Erkenntnis, die vollkommen unbezweifelbar ist. Eine Gemeinsamkeit besteht darin, dass beide Philosophen auch die inneren Vorgänge des Menschen berücksichtigen. Bei Locke geschieht dies durch die Reflexion, bei Descartes führt die Betrachtung des eigenen Denkens zur Gewissheit des denkenden Ichs.
Aufgabe 8: Vergleichen Sie Lockes Begriffe Sensation und Reflexion.
Operator: Vergleichen
Musterantwort:
Sensation und Reflexion sind für Locke Formen der Erfahrung und Quellen menschlicher Vorstellungen. Die Sensation richtet sich auf äußere materielle Gegenstände. Der Mensch nimmt durch seine Sinne beispielsweise Farben, Temperaturen oder Geschmacksrichtungen wahr. Die Reflexion richtet sich dagegen auf die inneren Tätigkeiten des eigenen Geistes. Dazu gehören Denken, Zweifeln, Glauben, Erkennen und Wollen. Gemeinsam ist beiden, dass sie dem menschlichen Verstand Material für das Denken liefern. Sie unterscheiden sich vor allem durch den Gegenstand der jeweiligen Wahrnehmung.
Aufgabe 9: Beurteilen Sie die Aussage: „Ohne Erfahrung gibt es keine Erkenntnis.“ Beziehen Sie Lockes Position in Ihre Begründung ein.
Operator: Beurteilen
Musterantwort:
Lockes Position spricht für die Aussage, weil viele Vorstellungen offensichtlich auf Erfahrungen beruhen. Ein Mensch kann beispielsweise nur durch entsprechende Erfahrungen Vorstellungen von bestimmten Farben, Geschmacksrichtungen oder Temperaturen entwickeln. Locke berücksichtigt außerdem mit der Reflexion auch die Erfahrung eigener geistiger Tätigkeiten. Dennoch kann gefragt werden, ob sämtliche Erkenntnisse vollständig aus Erfahrungen erklärt werden können. Mathematische und logische Zusammenhänge scheinen beispielsweise auch durch vernünftiges Denken erschlossen werden zu können. Erfahrung besitzt daher eine grundlegende Bedeutung für menschliche Erkenntnis. Ob sie jedoch die alleinige Grundlage jeder Form von Erkenntnis darstellt, bleibt eine philosophisch diskutierbare Frage.
Aufgabe 10: Erörtern Sie, ob Lockes Auffassung vom Ursprung der Erkenntnis auch auf religiöse Vorstellungen angewendet werden kann.
Operator: Erörtern
Musterantwort:
Für eine Anwendung spricht, dass auch religiöse Vorstellungen mit Erfahrungen verbunden sein können. Menschen erleben religiöse Rituale, hören religiöse Erzählungen oder machen persönliche Erfahrungen, die sie als religiös bedeutsam verstehen. Auch innere Vorgänge wie Hoffnung, Vertrauen oder Zweifel können im Sinne Lockes durch Reflexion wahrgenommen werden. Problematisch ist jedoch die Frage, ob aus einer religiösen Erfahrung unmittelbar auf die Wahrheit einer religiösen Aussage geschlossen werden kann. Eine Person kann ein Erlebnis als Erfahrung Gottes deuten, während eine andere Person dasselbe Erlebnis anders erklärt. Zudem spielen in Religionen Tradition und Offenbarung eine wichtige Rolle. Lockes Ansatz kann daher einen Beitrag zur Erklärung der Entstehung religiöser Vorstellungen leisten. Die Frage nach deren Wahrheit ist damit jedoch noch nicht abschließend beantwortet.
Aufgabe 11: Beurteilen Sie die Aussage: „Was ich selbst gesehen habe, muss wahr sein.“ Beziehen Sie Lockes Erkenntnistheorie ein.
Operator: Beurteilen
Musterantwort:
Die Aussage ist nur eingeschränkt überzeugend. Locke zeigt zwar, dass Sinneswahrnehmungen eine wichtige Quelle unserer Vorstellungen sind. Wenn ein Mensch etwas sieht, erhält er dadurch eine Vorstellung von einem Gegenstand oder einer Eigenschaft. Daraus folgt jedoch nicht, dass jede Deutung dieser Wahrnehmung richtig sein muss. Menschen können sich täuschen oder eine Wahrnehmung falsch interpretieren. Besonders bei digitalen Bildern kann zusätzlich eine technische Veränderung vorliegen. Lockes Theorie verdeutlicht daher die Bedeutung der Sinneserfahrung für die Entstehung von Vorstellungen. Die Wahrheit einer Behauptung muss jedoch zusätzlich geprüft und begründet werden.
Aufgabe 12: Erörtern Sie die Bedeutung von Lockes Erkenntnistheorie für den Umgang mit digitalen Medien.
Operator: Erörtern
Musterantwort:
Lockes Erkenntnistheorie ist für digitale Medien relevant, weil ein großer Teil der dort aufgenommenen Informationen zunächst über die Sinne vermittelt wird. Menschen sehen Bilder, lesen Texte und hören Stimmen. Solche Wahrnehmungen beeinflussen ihre Vorstellungen von der Welt. Für Locke wären sie damit Teil des Materials, das der Verstand verarbeitet. Digitale Medien zeigen jedoch zugleich, dass eine Wahrnehmung nicht automatisch eine zuverlässige Darstellung der Wirklichkeit sein muss. Bilder, Stimmen und Videos können verändert oder künstlich erzeugt werden. Deshalb ist zusätzlich Reflexion erforderlich. Informationen müssen geprüft, mit anderen Quellen verglichen und kritisch beurteilt werden. Lockes Unterscheidung von äußerer Wahrnehmung und innerer geistiger Verarbeitung kann somit als Ausgangspunkt für eine reflektierte Mediennutzung dienen.
Aufgabe 13: Nehmen Sie begründet Stellung zu der Frage, ob religiöser Glaube auf Erfahrung angewiesen ist.
Operator: Stellung nehmen
Musterantwort:
Religiöser Glaube kann in vielfältiger Weise mit Erfahrung verbunden sein. Menschen lernen Religion beispielsweise durch Familie, Gemeinschaft, Gottesdienste, religiöse Texte und persönliche Erlebnisse kennen. Auch innere Erfahrungen von Vertrauen, Hoffnung oder Zweifel können für den Glauben bedeutsam sein. In diesem Sinne lässt sich Lockes Betonung der Erfahrung auf religiöse Vorstellungen beziehen. Religiöser Glaube kann jedoch zusätzlich auf Tradition, Offenbarung und dem Vertrauen in Aussagen beruhen, die nicht unmittelbar selbst erfahren wurden. Deshalb lässt sich religiöser Glaube nicht ohne Weiteres auf Sinneserfahrungen reduzieren. Erfahrung kann eine wichtige Grundlage des Glaubens sein, stellt aber nicht zwingend seine einzige Grundlage dar.