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Fachverband Ethik Baden Württemberg

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Sterbehilfe und Suicid

Veröffentlichung:1.1.2008

Der Zeitungsartikel „Die Kunst des Sterbens“ von Nina von Hardenberg, erschienen am 5. Juli 2008 in der Süddeutschen Zeitung, beschäftigt sich mit Sterbehilfe, Suizid, Patientenverfügung, Palliativmedizin und der Frage nach einem würdevollen Sterben. Ausgangspunkt ist die historische „Ars moriendi“, die mittelalterliche Kunst der Vorbereitung auf den Tod. Während Menschen früher vor allem Angst vor einem plötzlichen Tod und seinen religiösen Folgen gehabt hätten, fürchteten sie heute nach Darstellung der Autorin insbesondere einen langen Sterbeprozess, den Verlust von Selbstbestimmung sowie eine medizinische Lebensverlängerung gegen den eigenen Willen. Am Beispiel einer 79 Jahre alten Frau, die mit Unterstützung des ehemaligen Hamburger Justizsenators Roger Kusch Suizid beging, setzt sich die Autorin kritisch mit organisierter Suizidhilfe auseinander. Sie argumentiert, dass hinter Sterbewünschen häufig nicht allein körperliche Schmerzen, sondern auch Einsamkeit, die Angst vor Abhängigkeit und der befürchtete Verlust von Würde stehen. Eine gesetzliche Erlaubnis aktiver Sterbehilfe lehnt die Autorin ab. Zugleich betrachtet sie ein ausschließlich strafrechtliches Vorgehen gegen Suizidhilfe als unzureichend. Als Alternativen fordert sie eine stärkere rechtliche Bedeutung der Patientenverfügung, einen Ausbau der Palliativmedizin, eine bessere ärztliche Begleitung am Lebensende sowie eine gesellschaftliche Haltung, die Alter, Krankheit und Hilfsbedürftigkeit nicht mit einem Verlust an Lebenswert gleichsetzt. Im Zentrum des Artikels steht damit die ethische Spannung zwischen Selbstbestimmung und Fürsorge sowie die Frage, wie Menschen ein würdevolles Leben und Sterben ermöglicht werden kann.

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Das Medium eignet sich besonders für den Religionsunterricht in der Jahrgangsstufe 10 im Zusammenhang mit den Themen Sterben und Tod, Menschenwürde, Selbstbestimmung, Nächstenliebe, Verantwortung, Gewissen und christliches Menschenbild. Der Artikel ermöglicht es den Lernenden, Sterbehilfe nicht ausschließlich als medizinische oder rechtliche Frage wahrzunehmen, sondern die dahinterstehenden ethischen, religiösen und gesellschaftlichen Grundfragen zu erschließen. Im Mittelpunkt kann die Frage stehen, was ein menschenwürdiges Leben und ein menschenwürdiges Sterben ausmacht. Dabei begegnen den Lernenden unterschiedliche ethische Prinzipien. Das Recht auf Selbstbestimmung steht der Fürsorge für gefährdete Menschen gegenüber. Individuelle Freiheit trifft auf gesellschaftliche Verantwortung und der Wunsch nach einem selbstbestimmten Tod auf die Verpflichtung, Menschen in schwierigen Lebenssituationen Unterstützung und Begleitung anzubieten.

Für den Einstieg kann die Überschrift „Die Kunst des Sterbens“ verwendet werden. Die Lernenden sammeln zunächst Vorstellungen dazu, was mit einer Kunst des Sterbens gemeint sein könnte. Anschließend kann der historische Begriff „Ars moriendi“ erschlossen werden. Dadurch wird sichtbar, dass Vorstellungen von einem guten Sterben kulturellen und historischen Veränderungen unterliegen. Während der Text für das Mittelalter die Sorge um das Seelenheil hervorhebt, beschreibt er für die Gegenwart vor allem die Angst vor Abhängigkeit, Kontrollverlust, medizinischer Überversorgung und einem als unwürdig empfundenen Sterbeprozess. Die Lernenden können untersuchen, welches Verständnis von Tod und Sterben sich in beiden Vorstellungen zeigt und welche Bedeutung Religion dabei besitzt.

In der Texterschließung bietet sich eine Gliederung in Sinnabschnitte an. Die Lernenden können jedem Abschnitt eine Überschrift geben und die jeweilige Kernaussage formulieren. Anschließend werden die Argumente der Autorin herausgearbeitet und geordnet. Dabei sollte deutlich zwischen der Wiedergabe der Position der Autorin und einer eigenen ethischen Bewertung unterschieden werden. Eine mögliche Strukturierung erfolgt anhand der Begriffe Selbstbestimmung, Fürsorge, Menschenwürde, Lebensschutz und gesellschaftliche Verantwortung.

Eine besondere didaktische Bedeutung besitzt der Konflikt zwischen Selbstbestimmung und Fürsorge. Die Autorin kritisiert eine Vorstellung von Selbstbestimmung, die den individuellen Willen als nahezu einziges Kriterium betrachtet. Die Lernenden können untersuchen, ob Selbstbestimmung tatsächlich bedeutet, dass eine Entscheidung unabhängig von der Gemeinschaft getroffen werden kann. Dabei können sie fragen, welchen Einfluss Einsamkeit, Angst vor Pflegebedürftigkeit, gesellschaftliche Vorstellungen von Leistungsfähigkeit und fehlende Unterstützung auf einen Sterbewunsch haben können. Auf diese Weise erkennen die Lernenden, dass ethische Entscheidungen immer auch in sozialen Zusammenhängen stehen.

Für eine vertiefende Erarbeitung eignet sich eine Gegenüberstellung der ethischen Prinzipien Autonomie und Fürsorge. Eine Gruppe untersucht die Bedeutung der Selbstbestimmung, eine weitere Gruppe beschäftigt sich mit der Fürsorgepflicht, eine dritte mit dem Schutz des Lebens und eine vierte mit der Menschenwürde. Anschließend wenden die Gruppen ihre jeweiligen Kriterien auf den im Artikel beschriebenen Fall an. Im gemeinsamen Unterrichtsgespräch kann herausgearbeitet werden, dass dieselbe Situation aus unterschiedlichen ethischen Perspektiven verschieden beurteilt werden kann. Ziel ist nicht eine vorgegebene Meinung, sondern die Fähigkeit, ethische Argumente zu erkennen, gegeneinander abzuwägen und ein begründetes eigenes Urteil zu entwickeln.

Für den Religionsunterricht bietet sich insbesondere eine Verbindung mit dem christlichen Menschenbild an. Die Lernenden können untersuchen, welche Konsequenzen sich aus der Vorstellung ergeben, dass die Würde eines Menschen nicht von Gesundheit, Jugend, Selbstständigkeit oder Leistungsfähigkeit abhängig ist. Der im Artikel verwendete Begriff der Nächstenliebe kann mit Fürsorge und Verantwortung verbunden werden. Gleichzeitig sollte die Bedeutung menschlicher Freiheit berücksichtigt werden. Dadurch entsteht eine anspruchsvolle ethische Auseinandersetzung mit der Frage, ob Selbstbestimmung und Fürsorge Gegensätze sein müssen oder miteinander verbunden werden können.

Auch die Patientenverfügung und die Palliativmedizin bieten Möglichkeiten zur Vertiefung. Die Lernenden können erarbeiten, dass die ethische Diskussion über das Lebensende nicht auf die Alternative zwischen Lebensverlängerung und Suizid reduziert werden sollte. Palliative Versorgung, Schmerztherapie, psychosoziale Begleitung und Hospizarbeit eröffnen weitere Handlungsmöglichkeiten. Dadurch kann der Unterricht den Blick auf die Frage richten, welche Bedingungen Menschen benötigen, um auch angesichts von Krankheit und Sterben Würde, Fürsorge und Selbstbestimmung erfahren zu können.

Methodisch eignet sich außerdem eine strukturierte Fallanalyse. Die Lernenden erhalten einen fiktiven Fall eines schwer erkrankten oder pflegebedürftigen Menschen und untersuchen diesen anhand festgelegter Kriterien. Dazu können Selbstbestimmung, Menschenwürde, Fürsorge, Lebensschutz, Leid, Verantwortung und mögliche Hilfsangebote gehören. Eine anschließende Diskussion kann zeigen, dass ethische Urteile begründet werden müssen und unterschiedliche Argumente berücksichtigt werden sollten.

Der Artikel eignet sich sehr gut zur Vorbereitung auf schriftliche Leistungsüberprüfungen. Aufgaben aus dem ersten Anforderungsbereich können zentrale Aussagen wiedergeben und Begriffe beschreiben lassen. Im zweiten Anforderungsbereich können die Lernenden die Argumentation analysieren, ethische Prinzipien erläutern oder Positionen vergleichen. Im dritten Anforderungsbereich können sie begründet Stellung nehmen, Aussagen beurteilen oder ethische Konflikte erörtern. Wegen der persönlichen und emotionalen Dimension des Themas sollte der Unterricht eine sachliche Distanz ermöglichen. Lernende sollten nicht aufgefordert werden, persönliche Erfahrungen mit Suizid oder Sterbewünschen offenzulegen.


Prüfungsfragen für eine Klausur in Klasse 10 mit Musterantworten


Aufgabe 1: Fassen Sie die zentralen Aussagen des Artikels „Die Kunst des Sterbens“ zusammen.

Musterantwort:

Nina von Hardenberg beschreibt einen Wandel im Umgang mit Tod und Sterben. Während Menschen im Mittelalter nach Darstellung der Autorin vor allem Angst vor den religiösen Folgen eines plötzlichen Todes hatten, fürchten sich Menschen heute besonders vor einem langen Sterbeprozess, Abhängigkeit und medizinischer Lebensverlängerung gegen ihren Willen. Die Autorin kritisiert aktive Sterbehilfe und eine Vorstellung von Selbstbestimmung, bei der der individuelle Sterbewunsch über alle anderen ethischen Gesichtspunkte gestellt wird. Sie fordert stattdessen eine neue Kunst des Sterbens. Dazu gehören eine stärkere Patientenverfügung, eine bessere Palliativmedizin, ärztliche Sterbebegleitung und eine Gesellschaft, die alten, kranken und hilfsbedürftigen Menschen vermittelt, dass ihr Leben weiterhin Würde und Wert besitzt.


Aufgabe 2: Erläutern Sie, was die Autorin unter einer neuen „Kunst des Sterbens“ versteht.

Musterantwort:

Die neue Kunst des Sterbens bedeutet für die Autorin nicht, Menschen eine Möglichkeit zum Suizid zur Verfügung zu stellen. Vielmehr sollen Bedingungen geschaffen werden, unter denen Menschen ihre letzte Lebensphase möglichst würdevoll erleben können. Dazu gehören eine gute palliative Versorgung, die Linderung von Schmerzen, eine verlässliche Patientenverfügung, eine stärkere Beachtung des Willens eines sterbenden Menschen und eine bessere ärztliche Begleitung. Gleichzeitig fordert die Autorin eine gesellschaftliche Veränderung. Alter, Krankheit und Hilfsbedürftigkeit sollen nicht als Zeichen eines wertlosen Lebens betrachtet werden. Menschen sollen erfahren können, dass ihre Würde auch dann bestehen bleibt, wenn sie auf Unterstützung angewiesen sind.


Aufgabe 3: Analysieren Sie das Verhältnis von Selbstbestimmung und Fürsorge im Artikel.

Musterantwort:

Selbstbestimmung und Fürsorge bilden einen zentralen ethischen Konflikt des Artikels. Selbstbestimmung bedeutet, dass ein Mensch Entscheidungen über sein eigenes Leben und medizinische Behandlungen treffen kann. Die Autorin hält Selbstbestimmung grundsätzlich für wichtig. Dies zeigt sich beispielsweise an ihrer Forderung nach einer stärkeren Verbindlichkeit von Patientenverfügungen.

Gleichzeitig kritisiert sie eine Vorstellung von Selbstbestimmung, die den individuellen Willen zum einzigen Maßstab macht. Am Beispiel der alten Frau argumentiert sie, dass zusätzlich gefragt werden müsse, warum ein Mensch sterben möchte und welche Unterstützung ihm angeboten werden könnte. Fürsorge bedeutet in diesem Zusammenhang, Menschen in schwierigen Lebenssituationen nicht allein zu lassen und ihnen Alternativen aufzuzeigen. Die Autorin versucht somit, Selbstbestimmung und Fürsorge miteinander zu verbinden. Der Wille eines Menschen soll respektiert werden, gleichzeitig trägt die Gemeinschaft Verantwortung dafür, Unterstützung und Begleitung anzubieten.


Aufgabe 4: Vergleichen Sie die im Artikel dargestellte mittelalterliche „Ars moriendi“ mit der von der Autorin geforderten modernen Kunst des Sterbens.

Musterantwort:

Die mittelalterliche „Ars moriendi“ war nach Darstellung des Artikels vor allem religiös ausgerichtet. Menschen sollten sich auf den Tod vorbereiten und ihr Seelenheil sichern. Die Angst richtete sich insbesondere auf Hölle und Fegefeuer. Die Schriften zur Kunst des Sterbens sollten den Menschen helfen, sich auch ohne unmittelbare Begleitung eines Priesters auf den Tod vorzubereiten.

Die moderne Kunst des Sterbens richtet sich dagegen stärker auf die Bedingungen des Sterbeprozesses. Im Mittelpunkt stehen Ängste vor Schmerzen, Abhängigkeit, medizinischer Fremdbestimmung und dem Verlust von Würde. Gemeinsam ist beiden Vorstellungen, dass Menschen Unterstützung im Umgang mit Sterben und Tod benötigen. Der entscheidende Unterschied besteht darin, dass die mittelalterliche Vorstellung stärker auf das Leben nach dem Tod ausgerichtet ist, während die moderne Vorstellung vor allem die Gestaltung der letzten Lebensphase betrachtet.


Aufgabe 5: Arbeiten Sie heraus, welche Bedeutung die Patientenverfügung und die Palliativmedizin für die Argumentation der Autorin besitzen.

Musterantwort:

Patientenverfügung und Palliativmedizin stellen für die Autorin wichtige Alternativen zu einer einfachen Gegenüberstellung von Lebensverlängerung und Sterbehilfe dar. Eine Patientenverfügung soll gewährleisten, dass der Wille eines Menschen auch dann berücksichtigt wird, wenn dieser sich nicht mehr selbst äußern kann. Dadurch wird die Selbstbestimmung am Lebensende gestärkt.

Die Palliativmedizin konzentriert sich darauf, Beschwerden zu lindern und Menschen in der letzten Lebensphase zu begleiten. Die Autorin sieht darin einen wichtigen Bestandteil eines würdevollen Sterbens. Beide Ansätze sollen dazu beitragen, Ängste vor einem medizinisch bestimmten und unnötig verlängerten Sterbeprozess zu verringern.


Aufgabe 6: Erörtern Sie die Aussage: „Eine Gesellschaft muss wieder lernen, dass das Leben nicht allein deshalb sinnlos wird, weil man Hilfe annehmen muss.“

Musterantwort:

Für die Aussage spricht die Vorstellung, dass Menschenwürde nicht von Selbstständigkeit und Leistungsfähigkeit abhängig ist. Jeder Mensch kann im Verlauf seines Lebens auf Unterstützung angewiesen sein. Krankheit, Alter oder Behinderung führen daher nicht automatisch dazu, dass ein Leben seinen Sinn oder seine Würde verliert. Aus christlicher Perspektive kann zusätzlich darauf verwiesen werden, dass jedem Menschen unabhängig von seiner Leistungsfähigkeit Würde zukommt und Nächstenliebe gerade die Unterstützung hilfsbedürftiger Menschen einschließt.

Gleichzeitig muss berücksichtigt werden, dass Abhängigkeit von anderen für einen Menschen als erhebliche Belastung erlebt werden kann. Selbstbestimmung und persönliche Vorstellungen von Lebensqualität dürfen deshalb nicht einfach ignoriert werden.

Die Aussage macht somit auf eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe aufmerksam. Eine Gesellschaft sollte Bedingungen schaffen, unter denen Menschen Hilfe annehmen können, ohne sich als Belastung oder als weniger wertvoll wahrzunehmen. Zugleich müssen ihre persönlichen Wünsche und ihre Selbstbestimmung ernst genommen werden.


Aufgabe 7: Beurteilen Sie die Kritik der Autorin an einer Vorstellung von Selbstbestimmung, die andere ethische Prinzipien wie Fürsorge und Nächstenliebe nicht ausreichend berücksichtigt.

Musterantwort:

Die Kritik der Autorin lässt sich damit begründen, dass menschliche Entscheidungen nicht unabhängig von sozialen Beziehungen getroffen werden. Ein Sterbewunsch kann beispielsweise mit Einsamkeit, Angst vor Abhängigkeit oder dem Gefühl verbunden sein, anderen Menschen zur Last zu fallen. Fürsorge verlangt daher, nach den Ursachen eines solchen Wunsches zu fragen und mögliche Hilfen anzubieten.

Aus christlicher Perspektive besitzt Nächstenliebe eine besondere Bedeutung. Sie fordert dazu auf, Menschen in schwierigen Lebenssituationen zu begleiten und ihre Würde unabhängig von Gesundheit und Leistungsfähigkeit anzuerkennen. Daraus kann eine Verantwortung entstehen, einem Menschen Unterstützung anzubieten und ihn nicht allein mit seiner Situation zu lassen.

Auf der anderen Seite darf Fürsorge nicht dazu führen, die Selbstbestimmung eines Menschen vollständig zu übergehen. Gerade Entscheidungen über medizinische Behandlungen betreffen die persönliche Freiheit und Würde. Ethisch erscheint daher eine Verbindung beider Prinzipien wichtig. Selbstbestimmung muss ernst genommen werden, während Fürsorge sicherstellen soll, dass Menschen Unterstützung, Begleitung und mögliche Alternativen erhalten.


Aufgabe 8: Nehmen Sie begründet Stellung zu der Frage, ob Menschenwürde von Gesundheit, Selbstständigkeit und Leistungsfähigkeit abhängig sein darf. Beziehen Sie das christliche Menschenbild ein.

Musterantwort:

Aus christlicher Perspektive ist Menschenwürde grundsätzlich nicht von Gesundheit, Selbstständigkeit oder Leistungsfähigkeit abhängig. Der Mensch besitzt Würde als Mensch und wird im christlichen Verständnis als Geschöpf und Ebenbild Gottes betrachtet. Diese Würde bleibt auch bei Krankheit, Behinderung, Pflegebedürftigkeit und im Sterben bestehen.

Würde ausschließlich mit Leistungsfähigkeit verbunden, könnten alte, kranke oder pflegebedürftige Menschen den Eindruck gewinnen, weniger wert zu sein. Eine solche Vorstellung widerspricht einem Menschenbild, das jedem Menschen einen grundlegenden und nicht von Leistung abhängigen Wert zuspricht.

Gleichzeitig gehört zur Menschenwürde auch die Achtung der Selbstbestimmung. Menschen sollten deshalb bei Entscheidungen über medizinische Behandlung und die Gestaltung ihrer letzten Lebensphase ernst genommen werden. Menschenwürde umfasst somit sowohl die Anerkennung persönlicher Freiheit als auch den Anspruch auf Schutz, Fürsorge und Begleitung.


Aufgabe 9: Entwickeln Sie auf der Grundlage des Artikels und des christlichen Menschenbildes Kriterien für ein menschenwürdiges Sterben.

Musterantwort:

Zu einem menschenwürdigen Sterben können mehrere Kriterien gehören. Der Wille des betroffenen Menschen sollte ernst genommen werden. Medizinische Maßnahmen sollten nicht ausschließlich deshalb durchgeführt werden, weil sie technisch möglich sind. Schmerzen und andere Beschwerden sollten durch palliative Versorgung möglichst gelindert werden. Sterbende Menschen sollten menschliche Zuwendung und Begleitung erfahren und nicht aufgrund ihres Alters oder ihrer Krankheit gesellschaftlich ausgegrenzt werden.

Aus christlicher Perspektive kommen Fürsorge, Nächstenliebe und die unverlierbare Würde jedes Menschen hinzu. Ein menschenwürdiges Sterben bedeutet deshalb nicht nur Selbstbestimmung, sondern auch verlässliche Begleitung. Menschen sollten weder gegen ihren Willen unnötigen medizinischen Maßnahmen ausgesetzt noch aufgrund von Krankheit oder Hilfsbedürftigkeit mit dem Gefühl allein gelassen werden, ihr Leben habe keinen Wert mehr. Die Kunst des Sterbens besteht damit in einer Verbindung von Selbstbestimmung, Fürsorge, Schmerzlinderung, menschlicher Nähe und Achtung der Menschenwürde.

Hessen

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Sekundarstufe II | Q3 Ethik – die Frage nach Gut und Böse

Q3.4 Herausforderungen für Kirche und Ethik durch neue Erkenntnisse in Biologie und Medizin.

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Rheinland-Pfalz

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Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 10

10.3 Das Leben verantworten: Grundfragen medizinischer Ethik.

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