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Bistum Speyer

Bistum Speyer

Schüler erkunden den Kaiserdom zu Speyer (SekI)

Veröffentlichung:1.1.2006

Die didaktische Handreichung „Himmel auf Erden. Lernende erkunden den Kaiserdom zu Speyer. Heft 2“ mit 114 Seiten des Bischöflichen Ordinariats Speyer richtet sich an den Religionsunterricht der Sekundarstufe I und erschließt den Speyerer Dom als religiösen Raum, bedeutendes Denkmal romanischer Baukunst und Zeugnis mittelalterlicher Glaubenswelt. Das umfangreiche Medium verbindet theologische, historische, kulturgeschichtliche und architektonische Perspektiven. Die Unterrichtsmaterialien behandeln die Entstehung des romanischen Kirchenbaus, die Gründung des Domes, die Salier und ihr Herrschaftsverständnis, den Konflikt zwischen Kaiser und Papst, die Baugeschichte, die Symbolsprache der Romanik, die Vorstellung vom Himmlischen Jerusalem, mittelalterliche Wallfahrt und Frömmigkeit sowie die Bedeutung des Domes für Stadt und Bistum. Hinzu kommen Themen wie Domschule, Grabkronen, Glocken, Ölberg und Kirchenmusik sowie eine umfangreiche Projektarbeit zu Bauform und Symbolik der Romanik. Dabei erscheint der Dom nicht allein als historisches Gebäude, sondern als Ort der Kultur, des Gebets, des Glaubens, des Feierns und der Begegnung. Bilder, mittelalterliche Quellen, Grundrisse, Karten, Rätsel, Texte, kreative Aufgaben und Projektvorschläge ermöglichen unterschiedliche Zugänge und machen den Dom zu einem anschaulichen Lerngegenstand, an dem sich das Verhältnis von Religion, Gesellschaft, Politik, Kunst und Alltagsleben im Mittelalter untersuchen lässt.

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Das Medium bietet für den Religionsunterricht der Sekundarstufe I vielfältige Möglichkeiten, historisches Lernen mit religiöser Wahrnehmung und theologischer Deutung zu verbinden. Die einzelnen Materialien können als umfassende Unterrichtsreihe verwendet oder entsprechend der jeweiligen Lerngruppe und Unterrichtsthematik ausgewählt werden. Ein sinnvoller Einstieg ist die Begegnung mit dem Dom als sichtbarem Bauwerk. Fotografien, Grundrisse und Darstellungen ermöglichen es den Lernenden, zunächst ohne umfangreiches Vorwissen Beobachtungen zu sammeln, Vermutungen zu formulieren und Fragen an das Gebäude zu entwickeln. Das Material selbst beginnt mit einer visuellen Aufgabe, bei der die Lernenden anhand eines Puzzles typische Bestandteile des Domes erkennen und von Elementen anderer Kirchen unterscheiden sollen. Dieser Zugang lässt sich zu einer vergleichenden Bildarbeit erweitern. Lernende können Merkmale verschiedener Kirchenbauten sammeln, ordnen und anschließend Kriterien entwickeln, anhand derer der Speyerer Dom als romanisches Bauwerk erkannt werden kann.

Für die weitere Erarbeitung bietet sich eine Verbindung von Architektur und Theologie an. Besonders geeignet ist der Vergleich zwischen römischer Basilika, frühchristlicher Basilika und romanischem Kirchenbau. Die Lernenden können untersuchen, wie eine ursprünglich weltlich genutzte Bauform für christliche Gottesdienste verändert wurde und welche theologischen Vorstellungen sich in der Gestaltung des Kirchenraums ausdrücken. Die Kreuzform des Grundrisses erhält dabei beispielsweise eine religiöse Bedeutung als Zeichen der Erlösung. Durch Zeichnungen, Beschriftungen und Vergleiche können architektonische Fachbegriffe gesichert werden. Anschließend sollte die Frage in den Mittelpunkt treten, weshalb Menschen Kirchen überhaupt auf eine bestimmte Weise gestalten und welche Glaubensvorstellungen dadurch sichtbar werden. So wird Architektur nicht nur als kunstgeschichtliches Wissen behandelt, sondern als Ausdruck religiöser Weltdeutung.

Einen besonderen Schwerpunkt kann die Symbolsprache des romanischen Kirchenbaus bilden. Der Speyerer Dom verdeutlicht nach der theologischen Einführung des Mediums zentrale christliche Glaubensinhalte durch seine architektonische Gestalt. Kreuzform, Ausrichtung nach Osten, aufgehende Sonne, Kuppel, Altar und die Zahl der Pfeiler werden mit Erlösung, Auferstehung, Himmel und Aposteln in Verbindung gebracht. Methodisch empfiehlt sich hier eine arbeitsteilige Erschließung. Kleingruppen können jeweils ein architektonisches oder bildliches Symbol untersuchen und ihre Ergebnisse anschließend präsentieren. Dabei sollte konsequent zwischen Wahrnehmung, Beschreibung und religiöser Deutung unterschieden werden. Leitfragen wie „Was sehe ich?“, „Welche Wirkung hat dieses Element?“, „Welche religiöse Bedeutung wird damit verbunden?“ und „Welche Vorstellung von Gott und Mensch kommt darin zum Ausdruck?“ unterstützen eine zunehmend selbstständige Interpretation. Das Material verfolgt ausdrücklich das Ziel, religiöse Zeichen und Symbole zu erkennen, religiöse Räume zu deuten, theologische Fachbegriffe anzuwenden und künstlerische Zeugnisse zu erschließen.

Für den Religionsunterricht besonders ergiebig ist außerdem die Auseinandersetzung mit dem mittelalterlichen Verhältnis von Religion und Herrschaft. Die Materialien zu Kaiser, Papst und Investiturstreit ermöglichen es, die für heutige Lernende zunächst fremde Verbindung von politischer Macht und religiöser Legitimation zu erschließen. Mittelalterliche Miniaturen und Reliefs können dabei als historische Quellen gelesen werden. Die Lernenden untersuchen Körperhaltung, Größenverhältnisse, Symbole, Kleidung und räumliche Anordnung der dargestellten Personen und entwickeln daraus Aussagen über Kaiseridee, Papsttum und Bischofsamt. Die Handreichung sieht Bildinterpretation ausdrücklich als Zugang zum mittelalterlichen Herrscherverständnis vor und verbindet dieses mit der Auseinandersetzung um die Einsetzung der Bischöfe und dem Gang Heinrichs IV. nach Canossa. Methodisch lässt sich dies durch Perspektivwechsel ergänzen. Lernende können einen Konflikt aus Sicht eines Kaisers, eines Papstes, eines Bischofs oder eines einfachen Menschen formulieren und anschließend diskutieren, wie politische Interessen und religiöse Überzeugungen miteinander verbunden waren.

Ein weiterer religionspädagogisch bedeutsamer Zugang ergibt sich aus der mittelalterlichen Frömmigkeit. Das Medium behandelt Wallfahrt, Reliquienverehrung und das Himmlische Jerusalem und ermöglicht damit die Auseinandersetzung mit religiösen Vorstellungen, die heutigen Lernenden zunächst fremd erscheinen können. Am Beispiel zweier fiktiver Pilger wird der Zusammenhang von Wallfahrt, Reliquienverehrung und Hoffnung auf ewiges Heil erschlossen. Eine Karte des Jakobsweges unterstützt zudem die Beschäftigung mit Wegstrecken, Belastungen und Beweggründen mittelalterlicher Pilger. Methodisch können Tagebucheinträge, fiktive Briefe, Wegkarten oder Rollenbiografien eingesetzt werden. Wichtig ist dabei, mittelalterliche Frömmigkeit nicht vorschnell mit heutigen religiösen Vorstellungen zu bewerten. Die Lernenden sollten zunächst versuchen, religiöse Vorstellungen aus ihrem historischen Zusammenhang heraus zu verstehen. Danach kann ein Gegenwartsbezug hergestellt werden, indem nach heutigen Formen des Pilgerns, nach religiösen Sehnsuchtsorten oder nach persönlichen Vorstellungen von Hoffnung und Lebensziel gefragt wird.

Auch sozialgeschichtliche Fragestellungen lassen sich gewinnbringend in den Religionsunterricht integrieren. Die Materialien verdeutlichen, welche wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung der Dombau für das mittelalterliche Speyer besaß und wie stark das Leben von Handwerkern und ihren Familien vom Baugeschehen abhängig sein konnte. Ein fiktives Einzelschicksal thematisiert beispielsweise die existenziellen Folgen eines Unfalls auf der Dombaustelle. Solche Materialien eignen sich für Perspektivwechsel und ethische Fragestellungen. Lernende können überlegen, welche Verantwortung eine Gemeinschaft gegenüber Menschen trägt, die durch Arbeit, Krankheit oder Unfall in Not geraten. Dadurch entstehen Verbindungsmöglichkeiten zu gegenwärtigen Themen wie soziale Verantwortung, Solidarität, Menschenwürde und gerechte Arbeitsbedingungen.

Besonders zu empfehlen sind die projektorientierten Angebote des Mediums. Die Lernenden können geometrische Grundformen des Domes zeichnen, einen Domgrundriss gestalten, Werkzeuge und Arbeitsweisen mittelalterlicher Handwerker untersuchen, ein vereinfachtes Modell eines romanischen Domes herstellen, romanische Ornamente gestalten, Grabkronen anfertigen oder Berichte aus der Perspektive eines Baumeisters beziehungsweise eines Augenzeugen der Domeinweihung verfassen. Dadurch werden kognitive, kreative und praktische Lernwege miteinander verbunden. Eine arbeitsteilige Projektarbeit kann mit einer gemeinsamen Ausstellung abgeschlossen werden, in der Modelle, Zeichnungen, Quellentexte, Symbole und selbst verfasste Texte präsentiert werden. Besonders sinnvoll ist eine Zusammenarbeit mit Geschichte und Kunst.

Wenn organisatorisch möglich, sollte die Arbeit mit der Handreichung durch eine reale Erkundung des Speyerer Domes ergänzt werden. Die zuvor im Unterricht behandelten Themen erhalten am authentischen Ort eine neue Qualität. Lernende können romanische Bauelemente suchen, religiöse Symbole dokumentieren, unterschiedliche Raumwirkungen beschreiben und Orte auswählen, die sie besonders ansprechen oder irritieren. Neben sachorientierten Arbeitsaufträgen sollten bewusst Phasen stiller Wahrnehmung vorgesehen werden. Geräusche, Licht, Raumhöhe, Materialien und Bewegungsrichtungen können dazu beitragen, einen Kirchenraum als besonderen religiösen Raum zu erfahren. In der Nachbereitung können Wahrnehmungen und Deutungen miteinander verglichen werden. Entscheidend ist dabei eine religionspädagogisch offene Gestaltung. Christliche Deutungen werden sachgerecht erschlossen, ohne von Lernenden eine persönliche Zustimmung oder ein eigenes Glaubensbekenntnis zu erwarten. So ermöglicht das Medium einen Religionsunterricht, in dem historische Fremdheit, religiöse Tradition und gegenwärtige Fragen produktiv miteinander ins Gespräch gebracht werden.

Hessen

Hessen

Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 5

5G.4 Gemeinsam Kirche sein. Frühe Kirche und Gemeinde heute.

Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfalz

Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 5

5.3 In Gemeinschaft leben: Das Volk Gottes.

Beispielhafte Lernsequenzen

  • Kirche als heiliger Raum

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