Das Video eignet sich für den Religionsunterricht insbesondere zur Beschäftigung mit den Themen Gut und Böse, Menschenbild, Schuld, Sünde, Freiheit, Verantwortung, Gewissen und ethische Urteilsbildung. Seine besondere didaktische Stärke liegt darin, dass es keine einzelne Definition des Bösen als verbindliche Antwort präsentiert, sondern unterschiedliche philosophische Deutungen gegenüberstellt. Dadurch kann den Lernenden deutlich werden, dass die Frage nach dem Bösen eng mit grundlegenden Vorstellungen vom Menschen, seiner Freiheit und seiner Verantwortung verbunden ist.
Als Einstieg in eine Unterrichtssequenz kann zunächst lediglich die Frage „Was ist böse?“ an die Lerngruppe gestellt werden. Die Lernenden sammeln spontan Begriffe, Situationen oder Handlungen, die sie mit dem Bösen verbinden. Die Ergebnisse können anschließend geordnet werden. Dabei lässt sich beispielsweise unterscheiden, ob die Lernenden konkrete Handlungen, bestimmte Personen, menschliche Eigenschaften, gesellschaftliche Strukturen oder religiöse Vorstellungen nennen. Eine weiterführende Frage lautet, ob eine Handlung an sich böse sein kann oder erst die Absicht eines Menschen eine Handlung moralisch böse macht.
Vor der Betrachtung des Videos können die Lernenden zudem eine eigene Definition formulieren: „Böse ist für mich …“. Diese Aussagen sollten zunächst nicht bewertet werden. Nach der Betrachtung des Videos werden sie erneut aufgegriffen und mit den dort vorgestellten philosophischen Positionen verglichen. Auf diese Weise wird sichtbar, ob das Video die ursprünglichen Vorstellungen bestätigt, erweitert oder infrage stellt.
Da innerhalb kurzer Zeit zahlreiche philosophische Positionen angesprochen werden, empfiehlt sich eine abschnittsweise Betrachtung. Die Lernenden können den Auftrag erhalten, zu jeder vorgestellten Position die zentrale Aussage über das Böse in eigenen Worten festzuhalten. Anschließend werden die Positionen gemeinsam verglichen. Dabei sollte weniger das Auswendiglernen philosophischer Namen im Mittelpunkt stehen als das Verständnis der unterschiedlichen Erklärungsmodelle. Zentral ist die Frage, ob das Böse aus dem Menschen selbst hervorgeht, durch gesellschaftliche Einflüsse entsteht, von menschlicher Freiheit abhängig ist oder überhaupt erst durch moralische Wertungen als böse bezeichnet wird.
Besonders produktiv ist die im Video angesprochene Gegenüberstellung verschiedener Menschenbilder. Die Lernenden können beispielsweise diskutieren, ob Menschen von Natur aus gut sind, ob sie eine Neigung zum Bösen besitzen oder ob gesellschaftliche Bedingungen entscheidend dafür sind, wie sie handeln. Dazu kann im Raum eine Positionslinie eingerichtet werden. An einem Ende steht die Aussage „Der Mensch ist von Natur aus gut“, am anderen Ende „Der Mensch ist von Natur aus böse“. Die Lernenden positionieren sich und begründen ihre Entscheidung. Nach der Beschäftigung mit den philosophischen Positionen kann die Positionierung wiederholt werden. Veränderungen werden anschließend begründet.
Für den Religionsunterricht bietet sich besonders eine Vertiefung der Frage nach dem Verhältnis von Gott und dem Bösen an. Die im Video angesprochenen philosophischen Vorstellungen können mit religiösen Deutungen von Schuld, Sünde, Versuchung und menschlicher Freiheit in Beziehung gesetzt werden. Hier können biblische Erzählungen einbezogen werden, in denen Menschen vor Entscheidungen zwischen unterschiedlichen Handlungsmöglichkeiten stehen. Die Lernenden können untersuchen, welches Menschenbild die Texte erkennen lassen und welche Bedeutung Freiheit und Verantwortung besitzen. Auch die Frage, ob das Böse als eigenständige Macht verstanden werden muss oder aus menschlichem Handeln entsteht, eröffnet eine Verbindung zwischen philosophischem und religiösem Lernen.
Die von Leibniz vorgenommene Unterscheidung verschiedener Formen des Übels bietet einen weiteren Ansatzpunkt. Lernende können Beispiele wie Krankheit, Naturkatastrophen, Einsamkeit, Lüge, Gewalt oder Diebstahl den im Video genannten Kategorien zuordnen. Anschließend kann diskutiert werden, ob jede Form von Leid tatsächlich als böse bezeichnet werden sollte. Dadurch lässt sich eine wichtige begriffliche Differenzierung zwischen Leid, Unglück und moralisch verantwortetem Bösen erarbeiten.
Für eine handlungsorientierte Vertiefung können kurze Fallbeispiele eingesetzt werden. Die Lernenden entscheiden jeweils, ob sie darin etwas Böses erkennen und wer Verantwortung trägt. Besonders geeignet sind Situationen, bei denen die Beurteilung nicht eindeutig ist. So wird deutlich, dass moralische Urteile begründet werden müssen. In Partnerarbeit können anschließend Argumente ausgetauscht und unterschiedliche Perspektiven auf dieselbe Situation entwickelt werden.
Auch die Schlussaussage des Videos bietet einen geeigneten Ausgangspunkt für eine philosophische Diskussion. Die These, dass Menschen das Böse als Gegenpol zum Guten benötigen, kann als Impuls in die Mitte des Raumes gestellt werden. Die Lernenden entwickeln Argumente dafür und dagegen. Dabei kann gefragt werden, ob wir überhaupt wissen könnten, was gut ist, wenn es nichts Böses gäbe. Ebenso lässt sich diskutieren, ob die Existenz einer Vorstellung vom Bösen bedeutet, dass das Böse selbst notwendig ist. Auf diese Weise können begriffliches Denken und ethische Argumentationsfähigkeit miteinander verbunden werden.
Als Ergebnissicherung können die Lernenden abschließend ihre zu Beginn formulierte Definition von „böse“ überarbeiten. Dabei sollen sie mindestens eine philosophische Position aus dem Video berücksichtigen und ihre eigene Auffassung begründen. Alternativ können sie eine kurze Stellungnahme zur Frage „Ist der Mensch von Natur aus gut oder böse?“ oder „Brauchen wir das Böse, um das Gute erkennen zu können?“ verfassen. Das Video eignet sich damit sowohl als Einstieg in eine Unterrichtsreihe über Gut und Böse als auch zur Vertiefung der Themen Menschenbild, Freiheit, Verantwortung und ethische Urteilsbildung.
Fragestellungen zum Video mit Antworten
Was versteht das Video grundsätzlich unter dem Bösen?
Das Böse wird zunächst als Inbegriff des moralisch Falschen beschrieben. Zugleich macht das Video deutlich, dass es keine einzige allgemein gültige Definition gibt. Was als böse verstanden wird, hängt von philosophischen, ethischen und religiösen Vorstellungen ab.
Wer bestimmt, was moralisch falsch ist?
Das Video beantwortet diese Frage nicht mit einer einzelnen Instanz. Vielmehr zeigt es anhand verschiedener philosophischer Positionen, dass die Beurteilung des moralisch Falschen davon abhängt, welches Verständnis vom Menschen, von Moral und von Gut und Böse zugrunde gelegt wird.
Welche grundlegende Frage über den Menschen stellt das Video?
Eine zentrale Frage lautet, ob Menschen von Natur aus gut oder böse sind oder ob sie erst durch gesellschaftliche Einflüsse zu bestimmten Verhaltensweisen gelangen. Damit verbindet das Video die Frage nach dem Bösen unmittelbar mit unterschiedlichen Menschenbildern.
Welche Bedeutung hat die Gesellschaft für die Entstehung des Bösen?
Anhand der im Video dargestellten Position Rousseaus wird die Auffassung thematisiert, dass der Mensch ursprünglich gut sei und erst das Leben in der Gemeinschaft beziehungsweise gesellschaftliche Einflüsse ihn verändern und zum Bösen führen könnten.
Welche drei Formen des Übels werden bei Leibniz unterschieden?
Das Video unterscheidet physisches, metaphysisches und moralisches Übel. Zum physischen Übel gehören beispielsweise Schmerz, Verlust, Einsamkeit und Armut. Das metaphysische Übel bezieht sich auf die Unvollkommenheit des Menschen. Das moralische Übel entsteht dort, wo Menschen selbst moralisch falsch handeln und sich von Gott abwenden.
Wie beschreibt Karl Jaspers das Böse im Menschen?
Das Video nennt drei Stufen. Die erste besteht in der Triebhaftigkeit des Menschen. Die zweite ist durch einen fehlenden Willen zum Guten gekennzeichnet. Die dritte besteht im ausdrücklichen Willen zum Bösen.
Welche Handlungen nennt das Video als Beispiele für das Böse?
Genannt werden unter anderem Töten, Stehlen und Lügen. Diese Handlungen werden als schädlich für einzelne Menschen und für die Gesellschaft beschrieben.
Sind Menschen nach dem Video von Geburt an böse?
Das Video gibt darauf bewusst keine eindeutige Antwort. Es stellt unterschiedliche philosophische Auffassungen vor. Gerade der Vergleich dieser Positionen zeigt, dass die Frage nach dem Ursprung des Bösen unterschiedlich beantwortet werden kann.
Welche Rolle spielt die menschliche Freiheit bei der Frage nach dem Bösen?
Die menschliche Freiheit ist bedeutsam, weil moralisches Handeln voraussetzt, dass Menschen zwischen Handlungsmöglichkeiten entscheiden können. Besonders bei der Vorstellung des moralischen Übels wird deutlich, dass das Böse mit menschlichen Entscheidungen und damit auch mit Verantwortung verbunden werden kann.
Ist alles, was Leid verursacht, automatisch moralisch böse?
Nein. Die im Video vorgestellte Unterscheidung von Leibniz ermöglicht gerade eine Differenzierung. Schmerz, Verlust oder Armut können als Übel erfahren werden, ohne dass dahinter zwangsläufig eine moralisch böse Handlung eines Menschen stehen muss.
Warum stellt das Video Gut und Böse einander gegenüber?
Gut und Böse werden als Gegenpole dargestellt. Die Schlussüberlegung lautet, dass Menschen möglicherweise die Vorstellung des Bösen benötigen, um das Gute bestimmen und sich innerhalb einer ethischen Ordnung orientieren zu können.
Brauchen Menschen das Böse, um zu wissen, was gut ist?
Das Video stellt diese Überlegung als These zur Diskussion. Eine mögliche Antwort lautet, dass Gegensätze dabei helfen können, moralische Begriffe voneinander abzugrenzen. Daraus folgt jedoch nicht zwingend, dass böse Handlungen tatsächlich notwendig oder wünschenswert sind. Die Frage eignet sich deshalb besonders für eine weiterführende Diskussion im Religionsunterricht.