Für den Religionsunterricht eignet sich das Medium besonders zur Erschließung anthropologischer und theologischer Grundfragen. Lernende können über eigene Erfahrungen mit Spiegeln, Fotos, Selfies und Videokonferenzen ins Thema einsteigen und anschließend reflektieren, wie Selbstbild und Fremdbild auseinanderfallen. Methodisch bieten sich Bildimpulse mit Portraits und Selbstportraits, Schreibaufgaben zum eigenen Gesicht, Partnergespräche über Wahrnehmung und Identität sowie eine Textarbeit zu zentralen Begriffen wie Angesicht, Ebenbild Gottes und Gottesbildverbot an. Besonders fruchtbar ist die Verbindung von Alltagswelt und Religion, weil Lernende aus vertrauten Medienpraktiken heraus zu biblischen und theologischen Fragestellungen geführt werden. Die Auseinandersetzung mit Dürers Christusähnlichkeit eröffnet einen Zugang zur christlichen Vorstellung der Menschwerdung Gottes, während die Mose Texte zeigen, dass Gottes Nähe zugleich Begegnung und Entzogenheit bedeutet. Im Unterricht sollte sensibel darauf geachtet werden, dass Fragen nach Aussehen, Selbstkritik und Körperwahrnehmung für Lernende persönlich belastend sein können. Deshalb empfiehlt sich eine Atmosphäre der Wertschätzung, in der nicht das Bewerten von Gesichtern, sondern das Nachdenken über Würde, Beziehung und Identität im Mittelpunkt steht. Ziel ist es, Lernende zu befähigen, die eigene Selbstwahrnehmung kritisch zu reflektieren, die Bedeutung des Gegenübers für die eigene Identität zu erkennen und religiöse Deutungen des Menschen als Ebenbild Gottes mit heutigen Formen der Selbstdarstellung ins Gespräch zu bringen.