Didaktisch eignet sich das Medium in besonderer Weise für einen kompetenzorientierten Religionsunterricht, der Urteilsbildung Medienethik und Wahrheitsfragen miteinander verbindet. Die Lernenden können ausgehend von ihren eigenen Medienerfahrungen aktiviert werden, etwa durch Einstiegsfragen zu Vertrauen Wahrheit und Täuschung. Methodisch bietet sich ein problemorientierter Zugang an, indem ein konkreter Fall von Desinformation oder ein Deepfake analysiert wird. In kooperativen Lernformen wie Partner oder Gruppenarbeit können Lernende Kriterien zur Bewertung von Quellen entwickeln und diese auf neue Beispiele anwenden. Besonders gewinnbringend ist die Verbindung mit ethischen Fragestellungen etwa zur Verantwortung im Umgang mit Wahrheit oder zur Bedeutung von Vertrauen in gesellschaftlichen und religiösen Kontexten. Auch performative Methoden wie Rollenspiele sind denkbar, in denen Lernende die Perspektive von Journalistinnen Politikern oder Nutzerinnen digitaler Medien einnehmen. Die Arbeit mit KI kann zudem reflektiert eingesetzt werden, indem Lernende eigene Prompts formulieren und die Ergebnisse kritisch überprüfen. Eine Sicherung kann durch gemeinsame Kriterienkataloge oder Diskussionsformate erfolgen, die nachhaltige Urteilskompetenz fördern.
Das vorliegende Medium „Quelle: Künstliche Intelligenz?“ bietet mehrere aufeinander abgestimmte Arbeitsblätter und Materialien, die systematisch zur Förderung von Quellenkritik und Medienkompetenz beitragen. Im Folgenden werden die einzelnen Materialien beschrieben und ihre Verwendung im Unterricht erläutert.
Das Arbeitsblatt 01 „Was ist eine zuverlässige Quelle in der digitalen Welt?“ führt Lernende zunächst über eine alltagsnahe Situation in das Thema ein. Ein Messenger Szenario mit einem vermeintlich authentischen Bild dient als motivierender Einstieg, der die Lernenden dazu anregt, eigene Erfahrungen mit digitalen Medien einzubringen. Im weiteren Verlauf entwickeln die Lernenden anhand von Rechercheaufgaben eigene Kriterien zur Bewertung von Quellen. Sie analysieren Präsentationsfolien, vergleichen unterschiedliche Darstellungsweisen und reflektieren den Einsatz von Bildern und Texten. Besonders zentral ist die Einführung der drei Ebenen Dokumentenwirklichkeit Medienwirklichkeit und Reflexionswirklichkeit, die als heuristisches Modell zur Einordnung von Quellen dienen . Im Unterricht kann dieses Arbeitsblatt gut in einer Doppelstunde eingesetzt werden, wobei sich ein Wechsel aus individueller Recherche Partnerarbeit und Plenumsdiskussion anbietet. Ziel ist es, Lernende zu einer reflektierten und eigenständigen Urteilsbildung zu befähigen.
Das Arbeitsblatt 02 „KI als Quelle?“ vertieft die zuvor erarbeiteten Kompetenzen und richtet den Fokus auf den Umgang mit KI Anwendungen. Lernende setzen sich mit der Funktionsweise von KI Chatbots auseinander und diskutieren deren Chancen und Grenzen als Informationsquelle. Durch eigene Aufgaben wie das Erstellen eines KI generierten Pressetextes werden sie aktiv in den Umgang mit KI einbezogen und lernen, deren Ergebnisse kritisch zu hinterfragen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Analyse von Deepfakes, bei der Lernende Kriterien zur Erkennung manipulierten Materials entwickeln und deren gesellschaftliche Auswirkungen reflektieren . Dieses Arbeitsblatt eignet sich besonders für projektorientierte Unterrichtsphasen oder fächerübergreifende Settings, etwa in Verbindung mit Ethik oder Religionsunterricht, da hier Fragen nach Wahrheit Verantwortung und Täuschung vertieft werden können.
Ergänzend enthalten die Materialien ausführliche didaktische Hinweise für Lehrkräfte. Diese geben konkrete Vorschläge zur methodischen Umsetzung, etwa zur Arbeit mit Fallbeispielen zur Förderung von Diskussionen oder zur Differenzierung durch unterschiedliche Zugänge. Zudem werden Möglichkeiten aufgezeigt, wie emotionale Reaktionen der Lernenden produktiv aufgegriffen und in analytische Lernprozesse überführt werden können. Die Materialien sind flexibel einsetzbar, sowohl analog als auch digital, und können an die jeweilige Lerngruppe angepasst werden .
Insgesamt ermöglichen die Materialien eine handlungsorientierte und lebensweltnahe Auseinandersetzung mit digitalen Quellen und KI. Sie fördern nicht nur fachliche Kompetenzen, sondern auch ethische Reflexion und gesellschaftliche Verantwortung, wodurch sie besonders anschlussfähig für den Religionsunterricht sind.