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5 Fakten über die Bibel

Veröffentlichung:11.3.2026

Das Video präsentiert fünf Fakten zur Entstehung, Zusammensetzung und Wirkungsgeschichte der Bibel aus historisch-kulturwissenschaftlicher Perspektive. Thematisiert werden: die mündliche Überlieferung und Verschriftlichung des Alten Testaments, die Kanonisierung des Neuen Testaments durch Synoden im 4. Jahrhundert, die Rolle Kaiser Konstantins des Großen bei der Finanzierung und politischen Instrumentalisierung der Bibelzusammenstellung, die Verbreitung der Bibel durch das Römische Reich als Staatsreligion sowie die Frage nach dem historischen Gehalt biblischer Texte. Den Abschluss bildet die These, dass die Bibel gerade wegen ihrer Deutungsoffenheit und Leerstellen bis heute aktuell bleibt.

Das etwa acht Minuten lange Video präsentiert fünf vermeintliche Fakten über die Bibel. Es beginnt mit bekannten Gestalten und Erzählungen wie Adam und Eva, Kain und Abel, Noah, Mose, David und Goliath. Danach hebt es die weltweite Verbreitung der Bibel sowie ihren Einfluss auf Literatur, Musik, Film, Recht und gesellschaftliches Zusammenleben hervor. Weitere Abschnitte behandeln die Entstehung des Alten und Neuen Testaments, die Auswahl der biblischen Schriften, den Einfluss Kaiser Konstantins, die Verbreitung der Bibel im Römischen Reich und das Verhältnis zwischen biblischer Erzählung und historischer Wirklichkeit. Das Video versteht die Bibel als eine von Menschen überlieferte und bearbeitete Sammlung unterschiedlicher Texte, die bis heute religiöse, kulturelle und philosophische Bedeutung besitzt. Mehrere historische Aussagen sind jedoch sachlich falsch oder stark vereinfachend. Besonders die Behauptungen, das Konzil von Nizäa habe die Zusammensetzung der Bibel festgelegt und Kaiser Konstantin habe Kirchenvertreter für diese Entscheidung bezahlt, entsprechen nicht dem Stand der Forschung.

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Das Video kann im Religionsunterricht der Sekundarstufe I und II verwendet werden, allerdings nicht als verlässliche Einführung ohne fachliche Kommentierung. Sein besonderer didaktischer Wert liegt in der kritischen Überprüfung medial vermittelter Wissensbehauptungen. Es eignet sich deshalb für Unterrichtsreihen zur Entstehung der Bibel, zur Kanonbildung, zur historisch kritischen Exegese, zum Verhältnis von Glaube und Geschichte sowie zur Bewertung religiöser Inhalte in digitalen Medien.

Vor der Betrachtung können die Lernenden notieren, was sie über die Entstehung der Bibel wissen oder vermuten. Mögliche Aussagen lauten: „Die Bibel wurde von einer Person geschrieben“, „Die Bibel ist vom Himmel gefallen“, „Ein Konzil hat alle Bücher ausgewählt“ oder „Die Texte entstanden über viele Jahrhunderte“. Diese Aussagen werden zunächst nicht bewertet. Nach der Arbeit mit dem Video und zusätzlichen Quellen kehren die Lernenden zu ihren Vermutungen zurück und korrigieren oder präzisieren sie.

Während der Betrachtung empfiehlt sich ein Faktenprotokoll. Die Lernenden halten jede historische Aussage fest und kennzeichnen sie zunächst als nachvollziehbar, fraglich oder überprüfungsbedürftig. Eine Gruppe untersucht die Entstehung des Alten Testaments, eine weitere das Neue Testament, eine dritte die Kanonbildung, eine vierte die Rolle Konstantins und eine fünfte das Verhältnis von Erzählung und Geschichte. Danach recherchieren die Gruppen mithilfe wissenschaftlich verantworteter Quellen. So wird das Video selbst zum Gegenstand einer medienkritischen Untersuchung.

Die grundlegende Aussage, dass die Bibel kein einzelnes Buch, sondern eine Sammlung vieler Schriften ist, trifft zu. Das griechische Wort biblia bedeutet Bücher. Evangelische Bibelausgaben enthalten 39 Schriften des Alten Testaments und 27 Schriften des Neuen Testaments. Katholische Bibeln zählen aufgrund der zusätzlichen Schriften 46 Bücher im Alten Testament und insgesamt 73 Bücher. Die genaue Zahl hängt somit von der jeweiligen konfessionellen Tradition ab. Fachinformationen zur Bibel

Die Darstellung des Alten Testaments als Sammlung von vier Buchgruppen kann als Ausgangspunkt dienen, muss aber konfessionell und fachlich präzisiert werden. In der christlichen Tradition wird häufig zwischen den fünf Büchern Mose, den Geschichtsbüchern, den Lehrbüchern und Weisheitsschriften sowie den prophetischen Büchern unterschieden. Die jüdische Bibel besitzt mit Tora, Propheten und Schriften eine andere Gliederung. Dieser Vergleich ist religionspädagogisch wichtig, weil das Alte Testament zugleich eine wesentliche Grundlage des jüdischen Glaubens darstellt und nicht lediglich als Vorbereitung auf das Christentum behandelt werden darf.

Die Behauptung, nomadische Gruppen hätten sämtliche Erzählungen über Jahrhunderte mündlich weitergegeben und erst nach ihrer Sesshaftwerdung aufgeschrieben, ist zu pauschal. Die Entstehung der alttestamentlichen Schriften war ein langer und vielschichtiger Prozess. Mündliche Überlieferungen, ältere schriftliche Quellen, redaktionelle Bearbeitungen, neue Deutungen und gesellschaftliche Krisenerfahrungen wirkten zusammen. Einzelne Texte entstanden zu sehr unterschiedlichen Zeiten. Die wissenschaftliche Bibelauslegung zeigt, dass biblische Bücher häufig mehrere Entstehungsstufen besitzen. Entstehung und Auslegung biblischer Überlieferungen

Problematisch ist die Aussage, Christen hätten das Neue Testament geschrieben, um sich vom Judentum abzugrenzen. Jesus, seine ersten Anhänger und die Verfasser der meisten neutestamentlichen Schriften standen selbst in jüdischen Traditionen. Die Trennung zwischen Judentum und Christentum vollzog sich über einen langen, regional unterschiedlichen und konfliktreichen Prozess. Das Neue Testament ist daher kein einfaches Abgrenzungsprogramm. Es bezeugt vielmehr innerjüdische Diskussionen, die Verkündigung Jesu, den Glauben an seine Auferstehung, die Entstehung christlicher Gemeinden und die Öffnung für Menschen aus anderen Völkern.

Auch die Bezeichnung des Neuen Testaments als „Parteienprogramm“ ist unangemessen. Sie kann zwar die identitätsstiftende Funktion von Texten anschaulich machen, verengt aber deren religiösen und literarischen Charakter. Die neutestamentlichen Bücher gehören unterschiedlichen Gattungen an. Es finden sich Evangelien, Briefe, eine Apostelgeschichte und eine apokalyptische Schrift. Sie wurden nicht gemeinsam als Programm verfasst, sondern entstanden in verschiedenen Gemeinden, Situationen und theologischen Auseinandersetzungen.

Die Behauptung, die Zehn Gebote hätten den Grundstein des gesamten westlichen Rechts gelegt, sollte ebenfalls differenziert werden. Biblische Traditionen haben europäische Vorstellungen von Menschenbild, Verantwortung und Gerechtigkeit stark beeinflusst. Das heutige Recht entstand jedoch ebenso unter dem Einfluss des römischen Rechts, der griechischen Philosophie, der Aufklärung, politischer Kämpfe und moderner Menschenrechtsdiskurse. Lernende können einzelne Gebote mit gegenwärtigen Rechtsnormen vergleichen und dabei zwischen religiösem Gebot, ethischem Wert und staatlichem Gesetz unterscheiden.

Den wichtigsten Anlass zur Quellenkritik bieten die Aussagen über das Konzil von Nizäa. Das Konzil des Jahres 325 legte nicht die Bücher des Neuen Testaments fest. Im Zentrum standen vor allem die Auseinandersetzung um das Verhältnis Jesu Christi zu Gott dem Vater, das Glaubensbekenntnis, die Osterterminfrage und kirchliche Ordnungsfragen. Die Kanonbildung hatte bereits lange zuvor begonnen und dauerte über das Konzil hinaus an. Gegen Ende des zweiten und zu Beginn des dritten Jahrhunderts besaß der neutestamentliche Kanon bereits deutliche Konturen. Im Jahr 367 nannte Athanasius erstmals genau die 27 neutestamentlichen Bücher, die heute zum Neuen Testament gehören.

Ebenso unbelegt ist die Behauptung, Konstantin habe Kirchenvertreter bezahlt, damit sie sich auf bestimmte Schriften einigten. Konstantin beauftragte Eusebius von Cäsarea zwar mit der Herstellung von fünfzig Abschriften heiliger Schriften für Kirchen in Konstantinopel. Daraus folgt aber weder, dass der Kaiser den Kanon festlegte, noch dass er Teilnehmer des Konzils für eine bestimmte Buchauswahl bezahlte. Diese Behauptung sollte im Unterricht ausdrücklich als nicht belegte Erzählung gekennzeichnet werden.

Die Aussage, das Christentum sei im Jahr 380 Staatsreligion geworden, benötigt ebenfalls eine Präzisierung. Kaiser Konstantin förderte das Christentum und beendete seine Verfolgung, erklärte es aber nicht selbst zur alleinigen Staatsreligion. Die entscheidende Regelung erfolgte unter Kaiser Theodosius im Jahr 380. Das Video verbindet unterschiedliche Entwicklungen zeitlich und ursächlich zu eng miteinander.

Auch die Aussage, Papst Damasus habe Rom zur heiligen Stadt erklärt und damit die Verbreitung der Bibel ermöglicht, ist stark verkürzt. Für die Ausbreitung des Christentums waren zahlreiche Faktoren bedeutsam: die Verkehrswege des Römischen Reiches, die griechische Verkehrssprache, städtische Gemeinden, persönliche Missionsarbeit, soziale Netzwerke, Übersetzungen und später auch politische Förderung. Eine einzelne Person oder Entscheidung erklärt diese Entwicklung nicht.

Für die Auseinandersetzung mit biblischen Erzählungen ist die Unterscheidung zwischen historischer Frage und theologischer Aussage zentral. Die Frage, ob Adam und Eva als historische Einzelpersonen gelebt haben, ist nicht identisch mit der Frage, was die Erzählung über Menschsein, Freiheit, Verantwortung, Schuld und Gottesbeziehung aussagt. Ebenso ist eine Wundererzählung nicht nur danach zu beurteilen, ob sich ihr Geschehen naturwissenschaftlich rekonstruieren lässt. Sie bringt Glaubenserfahrungen und theologische Deutungen zum Ausdruck.

Die abschließende Behauptung, der Inhalt der Bibel halte historisch kritischen Prüfungen insgesamt nicht stand, ist unangemessen pauschal. Die Bibel enthält unterschiedliche Gattungen wie Mythos, Sage, Gebet, Gesetz, Weisheit, Gleichnis, Brief, Geschichtserzählung und Evangelium. Diese Texte stellen verschiedene Wahrheitsansprüche. Ein Psalm ist kein Tatsachenbericht, ein Gleichnis keine Reportage und eine Schöpfungserzählung keine naturwissenschaftliche Abhandlung. Die historisch kritische Exegese widerlegt die Bibel daher nicht, sondern untersucht Entstehung, Sprache, Quellen, Bearbeitung und historische Zusammenhänge.

Methodisch eignet sich eine Gegenüberstellung von Videoaussage, Forschungsergebnis und notwendiger Korrektur. Die Lernenden können beispielsweise die Behauptung „Das Konzil von Nizäa stellte die Bibel zusammen“ prüfen und ihr gegenüberstellen: „Die Kanonbildung war ein langer Prozess, der vor Nizäa begann und danach weiterging.“ Diese Form der Korrektur fördert die Fähigkeit, nicht nur Fehler zu erkennen, sondern sachlich angemessene Alternativen zu formulieren.

Eine weitere Möglichkeit ist die Erstellung eines verbesserten Erklärvideos. Gruppen übernehmen jeweils einen Themenbereich und verfassen ein kurzes, fachlich geprüftes Manuskript. Es kann die Entstehung des Alten Testaments, die Entstehung des Neuen Testaments, die Kanonbildung, die Rolle Konstantins oder das Verhältnis von historischer und theologischer Wahrheit behandeln. Jede Gruppe muss ihre Aussagen durch geeignete Quellen belegen.

Zur theologischen Vertiefung kann die Frage behandelt werden, wie göttliche Offenbarung und menschliche Verfasserschaft zusammenpassen. Christlicher Glaube versteht die Bibel als Wort Gottes in menschlichen Worten. Damit wird weder eine unmittelbare Niederschrift durch Gott noch eine rein beliebige menschliche Textsammlung behauptet. Die Texte entstanden in konkreten geschichtlichen Situationen und werden zugleich als Zeugnisse menschlicher Erfahrungen mit Gott gelesen.

Bei der Leistungsbewertung sollten die genaue Wiedergabe von Quellen, die Unterscheidung zwischen Fakt und Deutung, die Kenntnis des langen Entstehungsprozesses, die Wahrnehmung verschiedener Textgattungen und eine respektvolle Sprache gegenüber Judentum und Christentum berücksichtigt werden. Persönliche Aussagen darüber, ob Lernende die Bibel für heilig halten, dürfen nicht bewertet werden.


Fragestellungen zum Video mit Antworten

Warum wird die Bibel als Buch der Bücher bezeichnet? Die Bibel ist eine Sammlung vieler Bücher, die über einen langen Zeitraum entstanden sind. Sie besitzt eine außergewöhnliche religiöse, kulturelle und geschichtliche Wirkung.

Ist die Bibel ein einziges Buch? Nein. Sie ist eher mit einer Bibliothek vergleichbar. Sie enthält Texte verschiedener Zeiten, Verfasser, Sprachen und Gattungen.

In welchen Sprachen wurde die Bibel ursprünglich verfasst? Das Alte Testament wurde überwiegend auf Hebräisch und in kleineren Teilen auf Aramäisch verfasst. Das Neue Testament wurde auf Griechisch geschrieben.

Wie entstand das Alte Testament? Es entstand über viele Jahrhunderte. Mündliche Überlieferungen, schriftliche Quellen, Sammlungen und redaktionelle Bearbeitungen wurden miteinander verbunden und immer wieder neu gedeutet.

Welche Teile besitzt die jüdische Bibel? Die jüdische Bibel gliedert sich in Tora, Propheten und Schriften. Diese Ordnung unterscheidet sich von der christlichen Gliederung des Alten Testaments.

Warum ist die Bezeichnung Altes Testament erklärungsbedürftig? Für das Judentum handelt es sich nicht um ein durch ein Neues Testament überholtes Buch, sondern um die eigene Heilige Schrift. Im Unterricht muss deshalb eine abwertende Gegenüberstellung vermieden werden.

Worum geht es im Neuen Testament? Es erzählt von Jesus Christus, seinem Wirken, seinem Tod und dem Glauben an seine Auferstehung. Außerdem berichtet es von der Entstehung christlicher Gemeinden und enthält Briefe sowie die Offenbarung des Johannes.

Wurde das Neue Testament geschrieben, um sich vom Judentum abzugrenzen? Nein, jedenfalls nicht in dieser vereinfachten Form. Die ersten christlichen Gemeinden entstanden innerhalb jüdischer Lebenswelten. Die Trennung entwickelte sich erst allmählich.

Wer hat die Bibel geschrieben? Die Bibel besitzt viele Verfasser und Bearbeiter. Manche sind namentlich bekannt, andere nicht. Einige Schriften wurden über längere Zeit erweitert und redigiert.

Hat Gott die Bibel unmittelbar diktiert? Nach verbreitetem christlichem Verständnis ist die Bibel Wort Gottes in menschlichen Worten. Sie entstand durch menschliche Verfasser in geschichtlichen Situationen und wird zugleich als Zeugnis göttlicher Offenbarung verstanden.

Was bedeutet Kanon? Kanon bezeichnet die anerkannte Sammlung heiliger Schriften, die für Glauben und Leben einer Religionsgemeinschaft maßgeblich ist.

Hat das Konzil von Nizäa die Bibel zusammengestellt? Nein. Das Konzil von Nizäa entschied im Jahr 325 nicht über die Bücher des biblischen Kanons. Die Kanonbildung war ein längerer Prozess, der bereits vorher begonnen hatte und danach weiterging.

Welche Themen behandelte das Konzil von Nizäa? Im Mittelpunkt standen die Frage nach dem Verhältnis Jesu Christi zu Gott dem Vater, die Formulierung eines Glaubensbekenntnisses, der Ostertermin und kirchliche Ordnungsfragen.

Welche Bedeutung besitzt der Osterbrief des Athanasius aus dem Jahr 367? Er enthält die früheste erhaltene Liste, die genau jene 27 Schriften nennt, die heute zum Neuen Testament gehören.

Hat Kaiser Konstantin die Auswahl der biblischen Bücher bezahlt? Dafür gibt es keine belastbaren historischen Belege. Konstantin gab zwar Abschriften heiliger Schriften in Auftrag, entschied aber nicht beim Konzil von Nizäa über die Zusammensetzung des Neuen Testaments.

Warum gab Konstantin Bibelabschriften in Auftrag? In Konstantinopel entstanden neue Kirchen, die Schriften für Gottesdienst und Lehre benötigten. Die Herstellung von Büchern war damals aufwendig und teuer.

Wann wurde das Christentum im Römischen Reich zur maßgeblichen Staatsreligion? Die entscheidende Entwicklung erfolgte im Jahr 380 unter Kaiser Theodosius. Konstantin hatte das Christentum zuvor anerkannt und gefördert.

Sind alle biblischen Texte historische Berichte? Nein. Die Bibel enthält zahlreiche Textgattungen. Dazu gehören Erzählungen, Mythen, Gebete, Lieder, Gesetze, Weisheitstexte, Gleichnisse, Briefe und apokalyptische Visionen.

Haben Adam und Eva historisch gelebt? Die Erzählungen von Adam und Eva werden in der Bibelwissenschaft nicht als moderne historische Berichte gelesen. Sie behandeln grundlegende Fragen nach Menschsein, Freiheit, Beziehung, Schuld und Verantwortung.

Sind Wundererzählungen historische Tatsachenberichte? Sie dürfen nicht einfach wie moderne Reportagen gelesen werden. Wundererzählungen bringen den Glauben zum Ausdruck, dass Menschen in Jesus Gottes rettende und heilende Nähe erfahren.

Widerlegt die historisch kritische Forschung die Bibel? Nein. Sie untersucht die Texte mit wissenschaftlichen Methoden und hilft, ihre Entstehung, Sprache, Bearbeitung und ursprünglichen Zusammenhänge besser zu verstehen.

Warum bleibt die Bibel aktuell? Sie behandelt grundlegende Erfahrungen wie Liebe, Schuld, Hoffnung, Gewalt, Gerechtigkeit, Flucht, Befreiung, Vertrauen und Tod. Diese Themen beschäftigen Menschen auch heute.

Welche zentrale Schwäche besitzt das Video? Es verbindet richtige Grundgedanken mit unbelegten oder falschen historischen Behauptungen. Besonders die Aussagen über Nizäa, Konstantin und die angebliche Bezahlung der Kanonentscheidung müssen korrigiert werden.

Wie sollte man mit solchen Videos umgehen? Aussagen sollten mit wissenschaftlich verantworteten Quellen verglichen werden. Ein ansprechender Stil oder eine selbstbewusste Darstellung beweist noch nicht, dass die Inhalte richtig sind.


Zielgruppe / Klassenstufe: Klassen 8–10 (Sek I) sowie Einführungsphase Sek II; für jüngere Jahrgänge (Kl. 6–7) mit gezielter Vorstrukturierung durch die Lehrkraft ebenfalls einsetzbar.

Curriculare Einbettung im Religionsunterricht:

Das Video eignet sich für Unterrichtseinheiten zur Bibelkunde, Entstehung und Kanonisierung der Schrift sowie zur historisch-kritischen Bibelauslegung. Es berührt zudem Fragen nach dem Verhältnis von Glaube und Geschichte sowie nach der kulturellen Wirkungsgeschichte der Bibel – beides zentrale Themenfelder im katholischen RU der Mittelstufe und Oberstufe. Die im Video explizit formulierte These, die Bibel sei kein direktes Gotteswort, sondern ein „sorgfältig editiertes literarisches Gesamtkunstwerk", bietet einen produktiven Kontrast zur theologischen Rede von Inspiration und Offenbarung und regt zur vertiefenden Auseinandersetzung an.

Stärken des Mediums:

Das Video stammt aus dem öffentlich-rechtlichen ZDF-Bereich (Terra X History) und bietet damit eine journalistisch-wissenschaftlich orientierte Perspektive mit hoher Glaubwürdigkeit. Die Struktur in fünf klar benannte Fakten erleichtert die Gliederung und didaktische Portionierung. Komplexe historische Sachverhalte (Synoden, Kanon, Konstantinische Wende) werden verständlich und ohne übermäßige Vereinfachung dargestellt. Das Video ist sachlich im Ton und gut geeignet, um einen kritisch-reflektierten Umgang mit der Bibel anzubahnen, ohne religiöse Sensibilitäten unnötig zu verletzen.

Grenzen des Mediums:

Die theologische Perspektive fehlt vollständig: Begriffe wie Inspiration, Offenbarung oder der Kanon als Glaubensentscheidung der Kirche kommen nicht vor. Die Aussage, Jesus sei „nie wirklich übers Wasser gelaufen", ist zwar historisch-kritisch korrekt gemeint, aber ohne Einbettung in die Gattungsfrage (Wundererzählung, Glaubensaussage) potenziell missverständlich für Lernende. Die Lehrkraft muss diese Stellen kommentieren und in einen theologisch-hermeneutischen Rahmen einbetten. Das Video ist zudem älter (2018) und verweist auf keine aktuellen Forschungspositionen.

Einsatzszenarien und methodische Vorschläge:

Einstieg / Vorwissensaktivierung:

Vor dem Sehen können SuS notieren: „Was weißt du über die Entstehung der Bibel?" Die Antworten werden nach dem Sehen mit den Videoinhalten verglichen und ggf. korrigiert oder ergänzt. Alternativ: SuS formulieren vor dem Sehen eigene Fragen an die Bibel – das Video wird dann als erster Antwortversuch betrachtet.

Strukturiertes Sehen:

SuS erhalten ein Arbeitsblatt mit den fünf Fakten als Überschriften und tragen während des Sehens Stichpunkte ein. Anschließend vergleichen sie im Tandem und klären Unklarheiten.

Vertiefung: Kanon und Kriterien:

Die drei Aufnahmekriterien für das Neue Testament (Augenzeugenschaft, Entstehung im 1. Jh., Übereinstimmung mit anerkannten Schriften) können vertieft werden: Was wurde dadurch ausgeschlossen? (Apokryphen, Thomasevangelium u. a.) Wer hatte die Entscheidungsmacht? Dies öffnet Fragen nach kirchlicher Autorität und Lehramt – theologisch weiterführend und für Sek II besonders geeignet.

Historisch-kritische Bibelauslegung:

Das Video kann als Einstieg in eine Unterrichtssequenz zur historisch-kritischen Methode dienen. Im Anschluss können SuS an einem konkreten Text (z. B. Schöpfungsbericht, Sintfluterzählung) zwischen historischem Gehalt, literarischer Form und theologischer Aussageabsicht unterscheiden lernen. Hilfreich: die Metapher des „Museums ohne Beschriftung" (Bibelforscher Ernst Axel Knauf) als Gesprächsanker.

Kontroverse und theologische Gegenperspektive:

Die Aussage, die Bibel sei „kein direktes Wort Gottes", kann gezielt als Diskussionsimpuls eingesetzt werden. Die Lehrkraft ergänzt die theologische Perspektive: Was meint die Kirche, wenn sie von „Inspiration" spricht? Inspiration bedeutet nicht Diktat – wie lässt sich beides verbinden? Texte aus Dei Verbum (Zweites Vatikanisches Konzil) können hier gewinnbringend herangezogen werden.

Anwendung auf aktuelle Fragen:

Warum lesen Menschen heute noch die Bibel? SuS sammeln Antworten und vergleichen diese mit der These des Videos (Deutungsoffenheit, Aktualität durch Leerstellen). Ein abschließendes Schreibgespräch oder eine kurze Stellungnahme kann den Transfer sichern.

Technische Hinweise:

Das Video ist dauerhaft frei auf YouTube verfügbar. Die Produktionsqualität (ZDF/Terra X) ist hoch, Bildsprache und Kommentar sind klar getrennt. Das Video kann problemlos auch auszugsweise gezeigt werden – die Kapitelstruktur im Transkript erlaubt eine gezielte Auswahl einzelner Fakten.

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