Die Einheit ist auf etwa vier Unterrichtsstunden angelegt und folgt einem klar strukturierten Fünfschritt. Didaktisch leitend ist die Überzeugung, dass theologische Tiefendimensionen nicht nur in klassischen religiösen Texten vorkommen, sondern auch in zeitgenössischer Popmusik. Entscheidend ist dabei, Popsongs nicht bloß als motivierenden Einstieg zu instrumentalisieren, sondern sie ernsthaft als Deutungsangebote zu würdigen.
1. Persönlicher Zugang („Meine Zukunft“ – Talkbox)
Der Einstieg erfolgt über offene Impulsfragen zur eigenen Zukunft (Think–Pair–Share). Die Schüler*innen reflektieren individuelle Hoffnungen, Ängste und Erwartungen – zunächst für sich, dann im Austausch, schließlich im Plenum. Die gesammelten Stichworte bleiben sichtbar und bilden die Grundlage für den weiteren Verlauf. Dieser Schritt stärkt Selbstreflexion und zeigt, dass Zukunftsthemen alle betreffen.
2. Ein uralter Hopesong – Jesaja 65
Im Anschluss wird Jesaja 65 als „uraltes Hoffnungslied“ gelesen. Die Vision eines neuen Himmels und einer neuen Erde wird inhaltlich erschlossen: Gerechtigkeit, Frieden, erfülltes Leben, Sinnhaftigkeit von Arbeit, heile Gottesbeziehung. Wichtig ist, die Bildhaftigkeit des Textes zu würdigen und zugleich seinen historischen Kontext (Heilsverzögerung nach dem Exil) anzudeuten. Die prophetische Hoffnung wird nicht als jenseitige Vertröstung, sondern als Vision veränderter irdischer Wirklichkeit verstanden. Eine Mindmap strukturiert die zentralen Motive.
3. Moderne Popsongs – Texttheater
Nun treten ausgewählte Songs (z. B. von Adel Tawil, Silbermond, Bosse u. a.) in Dialog mit dem Bibeltext. In Kleingruppen analysieren die Schüler*innen einen Songtext und verbinden ihn mit ausgewählten Jesaja-Versen in Form eines Texttheaters. Diese Methode erlaubt kreative Verdichtung: Wiederholungen, Betonungen, Umstellungen sind möglich, jedoch ohne Hinzufügung fremder Wörter. So entsteht ein inszenierter Dialog zwischen antikem Prophetentext und moderner Musik.
Didaktisch besonders wertvoll ist die Gleichwertigkeit der Textbehandlung: Der Popsong wird ebenso ernsthaft interpretiert wie der Bibeltext. Dadurch erleben die Schüler*innen, dass religiöse Hoffnung nicht nur kirchliche Sprache kennt, sondern auch in Popkultur Resonanz findet.
4. Präsentation und Auswertung
Die Gruppen präsentieren ihr Texttheater. Vorab wird jeweils das Originalvideo gemeinsam betrachtet, um Kontext und Atmosphäre wahrzunehmen. Die Verknüpfungen zwischen Song und Jesaja überraschen häufig: Sehnsucht nach Heimat, Sicherheit, Gerechtigkeit oder Gemeinschaft spiegeln Motive des prophetischen Textes wider. Die Präsentationsphase bietet zugleich Gelegenheit, Feedbackkultur zu üben.
5. Offener Ausblick
Abschließend wird die Frage diskutiert, warum Visionen wie die Jesajas auch nach 2500 Jahren aktuell sind. Die Einheit endet bewusst offen: Gehört Hoffnung konstitutiv zum Menschsein? Würde ein Mensch ohne Sehnsucht überhaupt glücklich sein? So wird Zukunft nicht als abgeschlossene Antwort, sondern als bleibender Horizont thematisiert.
Religionspädagogisch überzeugt das Konzept durch seine Subjektorientierung, kulturelle Anschlussfähigkeit und dialogische Struktur. Es fördert Textkompetenz, ästhetische Wahrnehmung, theologische Urteilsfähigkeit und die Fähigkeit, religiöse Sprache im eigenen Lebenskontext zu entdecken.