Der Text setzt bei der Grundthese von Hans Jonas an, dass moderne Hochtechnologien Handlungsfolgen erzeugen, die zeitlich, räumlich und in ihrer Tragweite weit über die traditionelle Ethik hinausreichen. Die klassische Ethik – exemplarisch mit Kant verbunden – greife zu kurz, weil sie häufig anthropozentrisch bleibt, von relativer Konstanz menschlicher Verhältnisse ausgeht, nahe Folgen betrachtet und für moralische Urteile kaum naturwissenschaftlich-technisches Wissen voraussetzt. Jonas dagegen formuliert Verantwortung als Zukunftsethik: Maßstab ist die Verträglichkeit der Handlungsfolgen mit dem Fortbestand echten Lebens. Daraus ergibt sich sein neuer Imperativ: so handeln, dass die Wirkungen mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden vereinbar sind – bei Jonas ausdrücklich mit Ausweitung der Verantwortung über den Menschen hinaus auf alles Leben.
Didaktisch stark ist die Einbettung in zwei weitere Kernmotive: die „Pflicht zum Wissen“ (ethische Urteile benötigen Sachkenntnis über Technik, Nebenfolgen, Risiken) und die „Heuristik der Furcht“ (im Zweifel ist der schlechteren Prognose Vorrang zu geben: in dubio pro malo). Beides passt sehr gut zu einer Unterrichtssituation, in der Schüler*innen erleben, dass Entscheiden unter Unsicherheit keine Schwäche, sondern ein ethisches Problem ist. Gleichzeitig wird der Ansatz nicht unkritisch gesetzt: Der Artikel skizziert Gegenpositionen (z. B. Verantwortung als mehr Technik- und Wissensentwicklung statt Selbstbescheidung; Skepsis, ob Menschen ihr Verhalten wirklich ändern). So wird Jonas als relevanter, aber diskussionswürdiger ethischer Zugang profiliert.
Das Planspiel selbst ist als praxisnahes, rollengebundenes Verfahren angelegt: Ausgangspunkt ist ein realitätsnaher Konflikt um Lithiumabbau und Verarbeitung vor Ort – zentral für Batterien und damit für Verkehrswende, zugleich mit Befürchtungen zu Eingriffen in ein sensibles Ökosystem. Die Lernenden übernehmen Rollen (z. B. Unternehmen, kommunale Politik, Umweltverbände, Rohstoffagentur, kirchliche Gemeindevertretung). Dadurch werden Wertekonflikte konkret: globale Verantwortung (Klimaschutz, Energiewende) vs. lokale Verantwortung (Naturschutz, Lebensqualität, regionale Zukunft); außerdem Konflikte zwischen ökonomischen Interessen, politischer Steuerung, ökologischem Risiko, sozialer Akzeptanz und ethischen Maßstäben. Als besonderes religionspädagogisches Element wird eine Gruppe mit christlicher Perspektive (Bewahrung der Schöpfung) eingebunden, wodurch religiöse Argumentationsformen in eine öffentliche Debatte übersetzt werden.
Methodisch empfiehlt der Text, ethische Modelle im Vorfeld zu klären (Kant vs. Jonas) und das Planspiel dann als Anwendung zu nutzen. Praktisch wichtig sind: ein klar sichtbarer Ablaufplan, Zeitmanagement, strukturierte Aufgaben pro Runde und eine Vorlage zur schriftlichen Stellungnahme. Ein sinnvoller Baustein ist außerdem das bewusste Ein- und Aussteigen aus der Rolle (symbolische Geste), um Rollendruck zu reduzieren und Reflexionsfähigkeit zu stärken. Nach dem Planspiel liegt der Schwerpunkt auf Ergebnissicherung (Argumente der Gruppen, explizite Anwendung des Jonas-Imperativs) und auf einer doppelten Reflexion: inhaltlich (Welche Lösung erscheint verantwortbar? Welche Risiken wiegen wie schwer?) und metareflexiv (Welche Dynamiken, Kommunikationsmuster, Interessenlagen wurden sichtbar?). Genau hier entsteht Lerngewinn: Schüler*innen erfahren, dass ethische Urteile oft nicht eindeutig sind, aber begründet, transparent und verantwortungsbewusst getroffen werden müssen.