Didaktisch ist die Reihe stark kompetenzorientiert und eignet sich besonders, um religiöse Sprache mit Lebenswelt und politischer Urteilskraft zu verbinden. Ich würde sie als Sequenz einsetzen, die bewusst vom Erleben zum Deuten führt. Methodisch beginnt sie niedrigschwellig mit Ich Sätzen und persönlichen Sprechimpulsen, die die Sprachfähigkeit fördern und die Frage nach Grenzen des Schweigens eröffnen. Wichtig ist hier eine sensible Gesprächsleitung, damit persönliche Erfahrungen nicht ausgestellt werden und zugleich echte Betroffenheit Raum erhält. Die anschließende Recherche zu Missständen bringt Gegenwartsbezug und Medienkompetenz hinein. Damit die Stunde nicht in reiner Problembenennung stecken bleibt, braucht es klare Kriterien für seriöse Quellen und eine Struktur, wie Kurzvorträge wertschätzend und zugleich kritisch rückgemeldet werden. Sehr tragfähig ist der induktive Zugriff, den Begriff Prophet zunächst nicht einzuführen, sondern erst die Funktionen zu erarbeiten. Die vorbereiteten Prophetenreden der Lernenden sind eine hervorragende Übung zu Rhetorik, Perspektivübernahme und moralischer Argumentation. Ich würde dafür Rollenprofile anbieten, damit nicht nur Meinung geäußert wird, sondern echte Adressatenorientierung entsteht, zum Beispiel Gemeinderat Schulleitung Unternehmen Elternschaft oder Social Media Öffentlichkeit. Bei der Tempelreinigung ist die didaktische Verfremdung durch das Tilgen des Namens Jesus hilfreich, weil sie die Szene zunächst als Protesthandlung lesen lässt und erst danach christologisch erschlossen wird. Das Interview oder das Nachspielen der Szene ermöglicht eine vertiefte Auseinandersetzung mit Motiven, Konflikten und Konsequenzen. Zentral ist die anschließende Deutung als Zeichenhandlung. Hier sollte der Lehrer die Spannung zwischen Gewaltfreiheit und drastischer Symbolik sowie zwischen Kultkritik und Gottesbild thematisieren, damit die Szene nicht moralistisch verkürzt wird. Eine gute Methode ist die Arbeit mit Standbild und innerem Monolog, weil dadurch Emotionen und Absichten differenziert werden, etwa die Perspektive eines Kindes, eines Händlers, eines Priesters, einer Pilgerin. In der Phase der Systematisierung mit Halbfas ist es wichtig, die Ergebnisse nicht nur als Fakten zu sichern, sondern als Kriterienraster für prophetisches Handeln. Geeignet sind Tafelbild oder Heftseite mit Leitfragen, zum Beispiel Wer spricht In wessen Auftrag Für wen Gegen wen Mit welchen Mitteln Mit welchem Risiko und woran erkennt man Missbrauch. Die Aufgabe zu Micha, die falsche Propheten kritisiert, hilft eine theologische Kernfrage zu klären, nämlich die Unterscheidung der Geister und die Gefahr religiöser Instrumentalisierung. Damit dies nicht abstrakt bleibt, würde ich aktuelle Beispiele aus Werbung Esoterik Social Media Gurus oder religiöser Selbstinszenierung heranziehen und gemeinsam Kriterien für Glaubwürdigkeit erarbeiten. Die Steckbriefe zu Elija Amos Jeremia eignen sich gut für Gruppenarbeit mit arbeitsteiliger Rollenverteilung und anschließender Gallery Walk Präsentation. Für leistungsgemischte Gruppen können die Steckbriefe in Basis und Erweiterungsaufgaben differenziert werden, etwa Kernbotschaft Konfliktpartner Gottesbild Sprachform Zeichenhandlung. Die Pfingstperikope als Basistext eröffnet eine andere Dimension von Prophetie, nämlich Geistgabe, Mut zum öffentlichen Zeugnis und Verständigung über Sprachgrenzen hinweg. Hier passt ein Standbild oder kurzes szenisches Spiel, aber auch eine kreative Schreibaufgabe wie das Streitgespräch zweier Zeugen, weil dabei Kriterien erneut angewandt werden müssen. Für die Abschlussdebatte über prophetische Personen heute würde ich ein klares Bewertungsraster einführen, damit nicht Sympathie entscheidet. Kriterien können sein Einsatz für Menschenwürde, Bereitschaft zum Risiko, Orientierung an Gerechtigkeit und Barmherzigkeit, Wahrheitstreue, Kritik an Machtmissbrauch, nicht Profitinteresse. Gleichzeitig muss im katholischen Religionsunterricht transparent bleiben, dass christliche Prophetie nicht einfach Aktivismus ist, sondern aus Gottesbeziehung und Evangelium kommt. Daher ist eine Schlussrunde sinnvoll, in der die Lernenden prophetisches Handeln als Verbindung von Gotteserkenntnis, Gewissen und konkreter Praxis formulieren und einen kleinen persönlichen Vorsatz ableiten, etwa eine Stimme erheben, solidarisch handeln, fair sprechen, hinschauen und nicht wegsehen.