In der Bibel ist das Schaf ein häufig verwendetes Symbol für den Menschen in seiner Bedürftigkeit und Abhängigkeit von Gott. Besonders deutlich wird dieser Zusammenhang im Gleichnis vom verlorenen Schaf (Lk 15,3–7), in dem Gott als der Hirte beschrieben wird, der das einzelne, verlorene Tier sucht und ihm nachgeht. Auch Psalm 23 („Der Herr ist mein Hirte“) erhält vor diesem Bild eine neue Tiefe: Die Erfahrung von Mangel, Dunkelheit und Gefahr gehört zum Leben dazu, steht jedoch unter der Zusage göttlicher Begleitung. Im Johannesevangelium (Joh 10,1–18) beschreibt sich Jesus selbst als der gute Hirte, der seine Schafe kennt und für sie sorgt. Das Bild des alleinstehenden Schafes macht damit existenzielle menschliche Erfahrungen sichtbar, die in den biblischen Texten ernst genommen und zugleich von Hoffnung durchzogen sind.
Das Bild eignet sich besonders als Einstiegs- oder Impulsbild, da es starke Emotionen anspricht und Raum für Identifikation bietet. Schülerinnen und Schüler können zunächst beschreiben, was sie sehen und welche Stimmung sie wahrnehmen. Leitfragen wie „Wie fühlt sich das Schaf?“, „Warum ist es allein?“ oder „Was könnte als Nächstes passieren?“ eröffnen den Zugang zu eigenen Erfahrungen von Alleinsein, Angst oder Orientierungslosigkeit. Im Anschluss kann die biblische Perspektive eingebracht werden, etwa durch das Erzählen oder Lesen des Gleichnisses vom verlorenen Schaf oder durch ausgewählte Verse aus Psalm 23. Methodisch bieten sich kreative Zugänge an: innere Monologe aus der Sicht des Schafes, Standbilder, Gebete oder Bildfortsetzungen. Das Bild kann helfen, zentrale Kompetenzen religiöser Bildung zu fördern, etwa das Deuten von Symbolen, den Ausdruck eigener Gefühle sowie die Auseinandersetzung mit Gottesbildern, die Trost, Suche und Nähe betonen.