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Rel Päd plus

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Bartimäus

Veröffentlichung:18.12.2025

Der religionspädagogische Beitrag entfaltet die biblische Erzählung von der Heilung des blinden Bartimäus (Mk 10,46–52) als vielschichtiges Lernarrangement, das Schülerinnen und Schülern einen existenziellen, emotionalen und theologischen Zugang zur Jesusgeschichte eröffnet und deren bleibende Relevanz für heutige Lebenssituationen sichtbar macht. Die Geschichte wird dabei nicht als fernes Wundergeschehen erzählt, sondern als Erfahrungsraum, in dem Fragen nach Ausgrenzung, Mut, Hoffnung, Heil und Gemeinschaft verhandelt werden, die Kinder und Jugendliche aus ihrer eigenen Lebenswelt kennen.

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Der Artikel aus dem Bereich „Stundenentwürfe, Theorie und Praxis“ stellt eine didaktisch reflektierte Unterrichtskonzeption vor, die auf mehreren aufeinanderfolgenden Unterrichtsstunden angelegt ist und ausdrücklich an eine zuvor geleistete Bibelerschließung anknüpft. Die Bartimäuserzählung wird in einer sensibel gestalteten Lehrererzählung entfaltet, die sich in drei zentrale Sinnabschnitte gliedert: „Dunkel vor Augen – dunkel im Herzen“, „Hab Mut, steh auf“ und „Hell vor Augen – hell im Herzen“. Diese Dreiteilung ermöglicht es, die äußere Blindheit des Bartimäus, seine innere Notlage und Ausgrenzung, seinen Mut zum Rufen sowie die Erfahrung von Heil und neuer Gemeinschaft schrittweise zu erschließen und mit der Erfahrungswelt der Lernenden zu verbinden. Theologisch wird dabei deutlich, dass die Heilung nicht isoliert als Wunderhandlung verstanden wird, sondern als Beziehungsgeschehen, das Würde wiederherstellt und neue Perspektiven eröffnet.

Im ersten Abschnitt steht die Erfahrung von Dunkelheit im Mittelpunkt. Die äußere Blindheit des Bartimäus wird mit innerer Dunkelheit verknüpft, die aus Armut, Einsamkeit und gesellschaftlicher Abwertung entsteht. Methodisch-didaktisch greifen die vorgeschlagenen Zugänge diese Dimension auf, indem die Schülerinnen und Schüler in Stationenarbeiten und Nachspürübungen eigene Wahrnehmungserfahrungen ohne Augenlicht machen. Dabei geht es nicht um eine Simulation von Behinderung, sondern um ein empathisches Annähern an die Einschränkungen und Herausforderungen blinder Menschen. Die Arbeit mit dem Braille-Alphabet eröffnet zudem einen sachlichen und wertschätzenden Zugang zu Unterstützungsformen und fördert ein inklusives Bewusstsein. Ergänzend dazu richtet sich der Blick auf die „Dunkelheit im Herzen“: Gefühle von Angst, Traurigkeit, Einsamkeit oder Ausgeschlossenheit werden durch das Sammeln von Dunkelwörtern, das Schreiben persönlicher Dunkelgeschichten und kreative Gestaltungsaufgaben sprachfähig gemacht. Auf diese Weise entsteht ein geschützter Raum, in dem Kinder ihre eigenen Erfahrungen ernst genommen wissen und mit der biblischen Figur des Bartimäus in Beziehung setzen können.

Der zweite Abschnitt „Hab Mut, steh auf“ rückt den Wendepunkt der Erzählung in den Fokus. Bartimäus wird nicht als passives Opfer dargestellt, sondern als handelndes Subjekt, das trotz Widerständen seine Stimme erhebt. Didaktisch wird dieser Aspekt genutzt, um das Thema Mut in seiner Vielschichtigkeit zu erschließen. In Gesprächen, Fallbeispielen und philosophischen Impulsen reflektieren die Schülerinnen und Schüler, was Mut für sie bedeutet, wann Mut notwendig ist und wie Mut und Angst zusammengehören können. Theologisch wird deutlich, dass Bartimäus’ Ruf Ausdruck von Vertrauen und Hoffnung ist und dass Jesus auf diesen Ruf reagiert, indem er stehen bleibt und sich dem Ausgegrenzten zuwendet. Damit eröffnet der Text einen wichtigen Zugang zum Gottesbild Jesu: Gott zeigt sich als einer, der hört, anhält und den Menschen ernst nimmt. Gleichzeitig wird die Rolle der Menge thematisiert, die zunächst abweist und später ermutigt, wodurch Fragen nach Verantwortung, Zivilcourage und Haltungen in Gemeinschaften angestoßen werden.

Im dritten Abschnitt „Hell vor Augen – hell im Herzen“ steht die Erfahrung von Heil, Annahme und neuer Orientierung im Zentrum. Die Wiedererlangung des Sehens wird dabei bewusst doppeldeutig gedeutet: als körperliche Heilung und als innere Wandlung. Methodisch greifen die vorgeschlagenen Aufgaben diese Perspektive auf, indem Wahrnehmungsübungen zum Sehen, Nachspüren von Licht und Gespräche über Helligkeit und Wärme eingesetzt werden. Die Kinder erfahren Licht als sinnlich erfahrbares Symbol für Hoffnung, Freude und Leben. In der Auseinandersetzung mit der Frage, wer in der Geschichte wirklich blind und wer sehend ist, wird eine vertiefte ethisch-theologische Reflexion angeregt, die durch das Gedicht von Hubertus Halbfas unterstützt wird. Das Sammeln von Lichtwörtern und das Schreiben von Lichtgeschichten ermöglichen es den Schülerinnen und Schülern, eigene Quellen von Hoffnung, Gemeinschaft und Lebensfreude zu benennen und mit der biblischen Botschaft zu verbinden. Die Nachfolge des Bartimäus am Ende der Erzählung wird so als Ausdruck einer neuen Lebensrichtung verstanden, die aus der Erfahrung von Angenommensein erwächst.

Insgesamt zeichnet sich der Beitrag durch eine hohe didaktische Sensibilität, eine klare Kompetenzorientierung und eine lebensweltnahe theologische Erschließung aus. Er eignet sich besonders für den Religionsunterricht in der Grundschule, ist jedoch auch für heterogene und inklusive Lerngruppen anschlussfähig. Durch die Verbindung von biblischer Erzählung, erfahrungsorientierten Methoden, emotionaler Bildung und theologischer Reflexion eröffnet der Artikel vielfältige Lernwege, die Kindern helfen, zentrale christliche Deutungsmuster von Leid, Hoffnung, Mut und Heil in Beziehung zu ihrem eigenen Leben zu setzen.

Bild, Text

urheberrechtlich geschützt

18.12.2025

konfessionelle Kooperation

Sequenz

Bibel & Tradition ,Jesus Christus

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