Norbert Wolf macht deutlich, dass die Rede von der Dreifaltigkeit Gottes in der Grundschule weder über katechismushafte Merksätze noch über begriffliche Erklärungen gelingen kann. Solche Zugänge verfehlen das kindliche Verstehen und produzieren häufig Leerformeln, die späteren Glaubensverlust eher begünstigen als verhindern. Stattdessen schlägt der Autor einen didaktisch-theologisch reflektierten Perspektivwechsel vor: Nicht die Frage, wie Gott in sich ist, steht im Mittelpunkt, sondern wie Gott den Menschen begegnet. Damit rückt die Erfahrungsdimension des Glaubens in den Vordergrund.
Didaktisch zentral ist der Gedanke, dass Kinder Gott zunächst immer nur bildhaft und symbolisch verstehen können. Diese Bilder sind notwendig, zugleich aber vorläufig. Der Religionsunterricht hat daher die Aufgabe, vorhandene kindliche Gottesbilder ernst zu nehmen, sie nicht vorschnell zu korrigieren, aber auch nicht zu verabsolutieren. In einem lernstrukturierten, spiralförmigen Prozess sollen Kinder entdecken, dass ihre Bilder an Grenzen stoßen und neue Deutungen brauchen. So wird religiöses Lernen als offener Suchprozess erfahrbar.
Für die trinitarische Gottesrede schlägt Wolf eine symbolische Bündelung von Gotteserfahrungen vor, die sich an drei großen Bildfeldern orientiert: Gott als Schöpfer (Vater/Mutter), Gott mit uns im Menschen Jesus (Sohn) und Gott als lebendige Kraft in der Welt (Geist/Geistin). Diese drei Symbole stehen nicht für drei Götter, sondern für unterschiedliche Weisen der Begegnung mit dem einen Gott. Kinder lernen so, dass Gott größer ist als jedes einzelne Bild und zugleich in vielen Lebenssituationen erfahrbar wird.
Methodisch empfiehlt sich ein korrelativer Ansatz, der die Alltagserfahrungen der Kinder – Geborgenheit, Vertrauen, Freude, Angst, Scheitern, Neuanfang, Gemeinschaft – mit biblischen Erzählungen ins Gespräch bringt. Themen wie Schöpfung, Befreiung, Heilung, Vergebung, Gemeinschaft und Hoffnung werden nicht isoliert behandelt, sondern als Ausdruck der einen göttlichen Wirklichkeit gedeutet. Besonders wichtig ist dabei, Jesus nicht vorschnell mit hoheitlichen Titeln zu überfrachten, sondern ihn als menschlich zugewandte Gestalt Gottes erfahrbar zu machen, in der Gottes Liebe konkret sichtbar wird.
Der Heilige Geist wird didaktisch nicht als abstrakte „dritte Person“ eingeführt, sondern als dynamische Kraft Gottes, die tröstet, ermutigt, bewegt und Leben ermöglicht. Erfahrungen von Mut, Solidarität, Versöhnung oder innerer Stärke können so als Spuren des Geistes gedeutet werden. Auf diese Weise entsteht ein trinitarisches Gottesverständnis, das lebensnah, anschlussfähig und theologisch verantwortet ist.
Für den katholischen Religionsunterricht bedeutet dies: Trinitarisches Lernen ist kein Einzelthema, sondern ein langfristiger Lernprozess über alle vier Grundschuljahre, der bewusst geplant, abgestimmt und reflektiert werden muss. Rituale wie das Kreuzzeichen oder trinitarische Sprachformen erhalten so ihren Sinn nicht durch Wiederholung, sondern durch verstehende Einbettung. Der Artikel liefert dafür eine tragfähige didaktische Grundlegung, die sowohl den Rahmenplan als auch die religiöse Entwicklung von Kindern ernst nimmt.