Das Heft ist didaktisch klar aufgebaut und folgt einem konsequent handlungsorientierten Partizipationsverständnis. Ausgangspunkt ist die Einsicht, dass Kinder nicht Objekte pädagogischer Maßnahmen, sondern kompetente Subjekte und Expert:innen ihrer eigenen Lebenswelt sind (Einleitung, S. 4–9). Demokratie wird nicht nur erklärt, sondern durch konkrete Erfahrung erlernbar gemacht.
Inhaltlich gliedert sich das Material in drei aufeinander aufbauende Lernbereiche:
1. „Meine Rechte“
Die Schülerinnen und Schüler setzen sich mit den Kinderrechten der Vereinten Nationen auseinander, insbesondere mit dem Recht auf Mitbestimmung (Art. 12). Anhand alltagsnaher Beispiele reflektieren sie, in welchen Bereichen sie entscheiden dürfen, wo Mitbestimmung begrenzt ist und warum Schutz- und Beteiligungsrechte mitunter in Spannung stehen. Diese Auseinandersetzung fördert ein realistisches, zugleich kritisches Verständnis von Rechten und Verantwortung.
→ Im katholischen Religionsunterricht lässt sich dieser Zugang unmittelbar mit der christlichen Anthropologie verbinden: der Würde jedes Menschen, der Option für das Kind sowie der biblischen Vorstellung vom Menschen als verantwortlichem Gegenüber Gottes.
2. „Meine Demokratiewerkzeuge“
In einem zweiten Schritt lernen die Kinder unterschiedliche Wege politischer Beteiligung kennen: Wahlen, Gespräche, Medien, Demonstrationen, Unterschriftenaktionen oder digitale Beteiligungsformen. Besonders hervorzuheben ist die explizite Einbindung von Medienbildung, da demokratische Teilhabe heute wesentlich medial vermittelt ist. Die Schüler:innen reflektieren, welche Werkzeuge ihnen – trotz altersbedingter Einschränkungen – zur Verfügung stehen und wie sie diese sinnvoll nutzen können.
→ Religionspädagogisch eröffnet sich hier ein Raum zur ethischen Medienreflexion, zur Frage nach verantwortlicher Meinungsäußerung, Wahrheit, Solidarität und digitaler Zivilcourage.
3. „Unser Problem“ – Partizipation durch reales Handeln
Der umfangreichste Teil des Heftes führt die Klasse in ein echtes Beteiligungsprojekt. Ausgehend von konkreten Problemen im Nahbereich (Schule, Nachbarschaft, Freizeit) entwickeln die Kinder eigene Fragestellungen, recherchieren, führen Interviews, formulieren Forderungen, planen Aktionen und reflektieren Erfolge wie Grenzen ihres Engagements. Dieser Prozess stärkt Selbstwirksamkeit, Empathie, Perspektivenvielfalt und Verantwortungsbewusstsein (S. 18–22).
→ Für den katholischen Religionsunterricht ist dieser Ansatz besonders wertvoll, da er die Verbindung von Glaube und Handeln („Glaube, der in der Liebe wirksam ist“) konkret erfahrbar macht. Themen wie Gerechtigkeit, Solidarität, Bewahrung der Schöpfung oder Einsatz für andere lassen sich unmittelbar lebensweltlich verankern.
Methodisch arbeitet das Material mit vielfältigen Sozialformen (Einzel-, Partner-, Gruppenarbeit, Stuhlkreis, Projektarbeit) und fördert demokratische Kommunikationsformen. Wichtig ist der explizite Hinweis auf Transparenz, realistische Beteiligungsräume und die Reflexion von Frustrationserfahrungen – ein zentraler Aspekt gelingender Demokratiebildung.
Insgesamt eignet sich das Heft hervorragend für eine projektorientierte, fächerverbindende Arbeit, insbesondere in der Verbindung von Religionsunterricht, Sachunterricht und sozialem Lernen. Es unterstützt Lehrkräfte darin, Demokratie als Haltung einzuüben und Kinder zu aktiver Mitgestaltung ihres Umfeldes zu befähigen.