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Leibniz Institut | Georg Eckert Institut | Zwischentöne

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In der Fremde

Migration und Integration in Medien und Kultur der 1960er- bis 1980er-Jahre

Veröffentlichung:1.1.1970

Die Unterrichtseinheit „In der Fremde. Migration und Integration in Medien und Kultur der 1960er- bis 1980er-Jahre“ mit 34 Seiten ist mit fünf Unterrichtsstunden à 45 Minuten konzipiert. Ziel der Einheit ist es, Lernenden anhand historischer Medien- und Kulturquellen für die Darstellung, Wahrnehmung und Selbstwahrnehmung von Arbeitsmigrantinnen in der Bundesrepublik Deutschland und der DDR zu sensibilisieren. Im Mittelpunkt stehen dabei Fragen nach Fremd- und Selbstbildern, nach ökonomischen Interessen, gesellschaftlichen Deutungen sowie nach Integrations- und Ausgrenzungserfahrungen.

Das Medium „In der Fremde. Migration und Integration in Medien und Kultur der 1960er bis 1980er Jahre“ ist eine Unterrichtseinheit für die Jahrgangsstufen 9 und 10 der Sekundarstufe I. Sie umfasst fünf Unterrichtsstunden und beschäftigt sich mit der Wahrnehmung und Darstellung von Arbeitsmigration in der Bundesrepublik Deutschland und in der Deutschen Demokratischen Republik. Anhand journalistischer Texte, Fotografien, eines Liedes, eines Gedichts, einer Karikatur, biografischer Aussagen und weiterer Textquellen untersuchen die Lernenden, wie sogenannte Gastarbeiter und Vertragsarbeiter in Medien und Kultur dargestellt wurden und wie Arbeitsmigrantinnen und Arbeitsmigranten ihre Lebenssituation selbst wahrnahmen. Im Mittelpunkt stehen Fremdwahrnehmungen und Selbstwahrnehmungen, wirtschaftliche Interessen, gesellschaftliche Ausgrenzung, Rassismus, fehlende soziale Teilhabe und unterschiedliche Vorstellungen von Integration. Zu den Materialien gehören unter anderem ein Artikel aus dem Magazin Der Spiegel, Fotografien aus der Arbeitswelt, das Lied „Es kamen Menschen an“ von Cem Karaca, das Gedicht „Mein Name ist Ausländer“ von Semra Ertan und eine Karikatur von Nabil El Solami. Zum Abschluss verfassen die Lernenden einen eigenen Zeitungskommentar zur Frage, wie über Arbeitsmigration berichtet werden sollte.



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Das Medium eignet sich besonders für einen fächerverbindenden Religionsunterricht, der historische Bildung mit ethischer Urteilsbildung, Medienbildung und interreligiösem Lernen verbindet. Religiöse und ethische Zugänge ergeben sich vor allem über die Themen Menschenwürde, Fremdsein, Zugehörigkeit, Nächstenliebe, Gerechtigkeit, Anerkennung und gesellschaftliche Verantwortung. Die Erfahrungen der Arbeitsmigrantinnen und Arbeitsmigranten können mit biblischen Erzählungen über Flucht, Migration und das Leben in der Fremde in Beziehung gesetzt werden. Geeignet sind beispielsweise die Berufung Abrahams, der Exodus, das babylonische Exil, das Buch Rut, die Flucht der Heiligen Familie sowie biblische Gebote zum Schutz von Fremden. Dabei sollte die Lehrkraft darauf achten, historische Erfahrungen nicht vorschnell mit biblischen Texten gleichzusetzen. Die biblischen Bezüge dienen vielmehr als Deutungshorizont, durch den Fragen nach einem gerechten und menschenwürdigen Zusammenleben vertieft werden können.

Als Einstieg bietet sich das Titelbild des Spiegel an. Die Lernenden können zunächst beschreiben, welche Personen sichtbar sind, wie diese angeordnet werden und welche Wirkung die Darstellung erzeugt. Anschließend formulieren sie verschiedene Bildunterschriften aus der Perspektive der Redaktion und aus der Perspektive der dargestellten Menschen. Diese Aufgabe macht deutlich, dass Bilder keine neutralen Abbilder der Wirklichkeit sind, sondern Wahrnehmungen lenken und gesellschaftliche Vorstellungen prägen. Die Lehrkraft sollte zwischen Beobachtung, Deutung und Bewertung unterscheiden lassen. Dadurch wird verhindert, dass erste Eindrücke vorschnell als gesicherte Aussagen behandelt werden.

Bei der Arbeit mit dem Pressebericht empfiehlt sich eine arbeitsteilige Analyse. Einzelne Gruppen können untersuchen, welche Bezeichnungen verwendet werden, welche Eigenschaften den Arbeitsmigrantinnen und Arbeitsmigranten zugeschrieben werden, welche Wanderungsmotive genannt werden und welche Interessen die Aufnahmegesellschaft verfolgt. Eine weitere Gruppe kann prüfen, welche Stimmen nicht vorkommen. Die Ergebnisse können in einer Tabelle mit den Kategorien Sprache, Perspektive, Menschenbild, Interessen und Auslassungen gesichert werden. Besonders wichtig ist die Frage, ob die dargestellten Menschen als individuelle Persönlichkeiten mit Hoffnungen, Beziehungen, Ängsten und religiösen Überzeugungen erscheinen oder vor allem als wirtschaftlich nutzbare Arbeitskräfte wahrgenommen werden.

Das Lied, das Gedicht und die Karikatur ermöglichen einen gezielten Perspektivwechsel. Sie sollten in Gruppen bearbeitet und anschließend in einem Austauschverfahren vorgestellt werden. Jede Gruppe untersucht Stimmung, Sprache, zentrale Symbole, Erfahrungen von Ausgrenzung und formulierte Erwartungen an die Gesellschaft. Beim Gedicht von Semra Ertan ist ein behutsamer Umgang erforderlich, da biografische Hintergründe und Erfahrungen mit Rassismus emotional belastend sein können. Die Lehrkraft sollte diskriminierende Begriffe historisch einordnen, klare Gesprächsregeln vereinbaren und deutlich machen, dass Lernende keine persönlichen Erfahrungen offenlegen müssen. Lernende mit eigener Migrationsgeschichte dürfen nicht als stellvertretende Stimmen einer vermeintlich einheitlichen Gruppe angesprochen werden.

Für den Religionsunterricht bietet sich anschließend eine ethische Vertiefung an. Die Lernenden können die Darstellungen anhand von Kriterien wie Menschenwürde, Gerechtigkeit, Teilhabe, Verantwortung, Empathie und Anerkennung beurteilen. Denkbar ist eine Gegenüberstellung ausgewählter Aussagen aus den Materialien mit biblischen Texten zum Umgang mit Fremden. In einem Schreibgespräch können die Lernenden erläutern, welche Verpflichtungen sich daraus für Einzelne, Religionsgemeinschaften, Medien, Politik und Gesellschaft ergeben. Auch christliche Stellungnahmen zu Migration oder Beispiele aus der Arbeit von Kirchengemeinden können ergänzend einbezogen werden. Dabei sollte jedoch vermieden werden, Migration ausschließlich als Hilfsbedürftigkeit zu behandeln. Die Selbstzeugnisse des Mediums ermöglichen es, migrantische Menschen als handelnde, urteilende und kulturell schöpferische Personen wahrzunehmen.

Methodisch sinnvoll ist eine Verbindung von Einzelarbeit, Partnerarbeit, Gruppenarbeit und Unterrichtsgespräch. Hilfekarten mit Analysefragen, Worterklärungen und Satzanfängen können Lernende mit unterschiedlichen sprachlichen Voraussetzungen unterstützen. Leistungsstärkere Lernende können zusätzlich die historische Reichweite und die Grenzen der Quellen prüfen. Für eine digitale Umsetzung können Ergebnisse auf einer gemeinsamen Pinnwand gesammelt oder als kurze Audiobeiträge präsentiert werden. Eine kreative Alternative besteht darin, einen inneren Monolog, einen Antwortbrief, eine neue Bildunterschrift oder einen kurzen Kommentar aus einer klar gekennzeichneten Perspektive zu verfassen.

Den Abschluss sollte eine urteilsorientierte Aufgabe bilden. Der vorgeschlagene Zeitungskommentar verlangt von den Lernenden, historische Erkenntnisse auf gegenwärtige Fragen der Medienethik zu übertragen. Vor dem Schreiben sollten Merkmale eines Kommentars sowie Kriterien einer verantwortlichen Berichterstattung gemeinsam erarbeitet werden. Dazu gehören Mehrperspektivität, sachliche Genauigkeit, die Wahrung der Menschenwürde, die Vermeidung pauschaler Zuschreibungen und die Einbeziehung migrantischer Stimmen. In einer Rückmeldephase prüfen die Lernenden ihre Texte gegenseitig auf argumentative Klarheit, Quellenbezug, sprachliche Angemessenheit und ethische Urteilsfähigkeit. Abschließend kann diskutiert werden, welche Darstellungsweisen fortbestehen, welche sich verändert haben und welche Verantwortung Medien für das gesellschaftliche Zusammenleben tragen.


Didaktisch verbindet die Einheit historische Analyse mit Medien- und Urteilskompetenz. Ausgangspunkt ist ein Pressebericht aus dem Spiegel von 1964 („Per Moneta“), der gemeinsam mit zeitgenössischen Fotografien untersucht wird, um dominante Narrative über sogenannte „Gastarbeiter“ herauszuarbeiten. Darauf aufbauend erfolgt ein Perspektivwechsel hin zu migrantischen Selbstzeugnissen aus Musik, Lyrik und Karikatur der frühen 1980er-Jahre, die Erfahrungen von Entfremdung, Ausgrenzung und fehlender sozialer Anerkennung thematisieren. In den abschließenden Stunden setzen sich die Lernenden mit biografischen Aussagen und (fiktiven) Leserbriefen auseinander und formulieren schließlich ein eigenes Werturteil, indem sie einen Zeitungskommentar zur angemessenen Berichterstattung über Arbeitsmigration verfassen.

Die Einheit fördert insbesondere Mehrperspektivität, historische Urteilsbildung, Reflexionsfähigkeit sowie einen kritischen Umgang mit Medien und Sprache. Sie leistet damit einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der deutschen Migrationsgeschichte und zur Einordnung aktueller Debatten über Migration, Integration und Vielfalt. Das PDF umfasst 34 Seiten und enthält insgesamt 10 Materialien, die Texte, Bilder, Arbeitsblätter sowie kulturelle Quellen aus unterschiedlichen Genres beinhalten.

Hessen

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Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 9

9G.4 Arbeiten müssen – arbeiten dürfen. Herausforderung für die katholische Soziallehre.

Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfalz

Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 9

9.2 Nach Gerechtigkeit streben: Gleiche Lebensbedingungen für alle.

Beispielhafte Lernsequenzen

  • Soziale Fragen im 19. Jh. und heute

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