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Leibniz Theodizee verständlich erklärt

Veröffentlichung:19.9.2025

In diesem Video erkläre ich dir Gottfried Wilhelm Leibniz’ berühmte Theodizee – eines der wichtigsten Werke der Philosophiegeschichte.

Leibniz behauptet: „Dies ist die beste aller möglichen Welten.“

Doch wie kann man das sagen angesichts von Kriegen, Krankheiten und Katastrophen? Kann man Leibniz’ Optimismus heute noch ernst nehmen – oder wirkt er weltfremd?

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„Dies ist die beste aller möglichen Welten!“ – dieser provozierende Satz stammt von Gottfried Wilhelm Leibniz, einem der bedeutendsten Philosophen der Geschichte. Angesichts von Kriegen, Krankheiten und Naturkatastrophen wirkt er fast zynisch, doch Leibniz vertritt ihn mit rationaler Konsequenz. Geboren 1646 in Leipzig in eine Gelehrtenfamilie, verliert er früh seinen Vater und eignet sich aus Neugier bereits mit acht Jahren Latein, Griechisch und Hebräisch an. Mit zwölf beschäftigt er sich mit Logik und träumt von einer universalen mathematischen Zeichensprache. Mit 15 nimmt er sein Studium auf, mit 20 will er promovieren, wird jedoch für zu jung gehalten. Kurz darauf arbeitet er am Mainzer Oberlandesgericht, wird Diplomat in Paris und schließlich Hofrat und Bibliothekar in Hannover. Er gründet die Berliner Akademie der Wissenschaften und forscht in Logik, Mathematik – er entwickelt unabhänging von Newton die Integralrechnung –, Physik, Sprachtheorie, Theologie und Geschichte. Sein Nachlass umfasst rund 100.000 Seiten und gilt heute als Weltdokumentenerbe.

Leibniz’ Denken wurzelt im barocken Weltbild, in dem alle Fragen letztlich auf den Schöpfer bezogen werden. Für ihn sind Logik und Mathematik Ausdruck göttlicher Vernunft; Gott erscheint ihm als der erste Mathematiker, dessen Schöpfung sich berechnen lässt. Besonders das Binärsystem aus 0 und 1 sieht er als Grundstruktur der Welt: „Die Welt entsteht, wenn Gott rechnet.“ Die gesamte Wirklichkeit versteht er als total vernetztes System – ähnlich einem frühen World Wide Web.

Im Zentrum seines Denkens steht die Idee, dass Gott unter allen denkbaren Welten die beste verwirklicht habe. Diese beste Welt ist keine Ansammlung perfekter Einzelteile, denn nicht alles, was isoliert gut erscheint, ist im Ganzen miteinander verträglich. Leibniz nennt diese innere Vereinbarkeit „Kompossibilität“. Gott wählt also nicht einzelne ideale Eigenschaften, sondern die beste Gesamtharmonie. Er handelt dabei nicht willkürlich, sondern gemäß den ewigen Wahrheiten der Vernunft: Widersprüche sind unmöglich, und das gilt auch für die Struktur der Welt. Die Konsequenz lautet: Auch wenn die Welt Übel enthält, ist sie dennoch die bestmögliche Ordnung.

Intensiv beschäftigte Leibniz sich mit dem Problem des Bösen, besonders in Gesprächen mit der preußischen Königin Sophie Charlotte, deren Tod ihn tief traf. Die Frage, wie trotz Übeln eine gute Welt möglich ist, behandelt er ausführlich in seinem Hauptwerk, der 1710 erschienenen Théodicée, seinem einzigen zu Lebzeiten publizierten großen philosophischen Buch. Darin stellt er sich einen rationalen Prozess vor, in dem Gott vor dem Tribunal der Vernunft angeklagt wird und Leibniz als Verteidiger auftritt. Die beste Welt bedeutet für ihn nicht die Abwesenheit von Leid, sondern die beste Kombination aller Elemente, die geringstmögliche Menge an Übeln. Sie sind gewissermaßen eingepreist, weil sie zum größeren Gesamtguten beitragen.

Leibniz unterscheidet drei Formen des Übels: das metaphysische Übel, die grundsätzliche Unvollkommenheit endlicher Wesen; das physische Übel wie Naturkatastrophen und Krankheiten, die ebenfalls aus der Endlichkeit resultieren; und das moralische Übel, das aus der menschlichen Freiheit entspringt. Böses ist für ihn kein eigenes Sein, sondern ein Mangel am Guten. Dennoch haben Übel aus seiner Sicht eine funktionale Rolle: Erst durch sie entsteht eine vollkommenere Gesamtheit, als es eine völlig leidfreie Welt ermöglichen würde. Anschaulich erklärt er dies mit Bildern aus Kunst, Musik und Geschichte: Ein verzerrtes Gemälde ergibt erst aus dem richtigen Blickwinkel Sinn, Dissonanzen machen Harmonie möglich, und Krisen können langfristige Entwicklungen anstoßen.

Sein Optimismus wurde jedoch scharf kritisiert. Pierre Bayle wirft Leibniz ein zu positives Menschenbild vor. Voltaire verspottet ihn in Candide als naiven Schönredner, der alles zum Besten verklärt. Zudem schwebt die Gefahr über seiner Theorie, dass sie jedes Leid zu rechtfertigen scheint – was angesichts realer Katastrophen problematisch erscheint. Auch konnte Leibniz keine wirklich umfassende Antwort darauf geben, wie unerträgliches Leid in die beste aller Welten passen soll. Er war kein Seelsorger, und in schweren Krisen kann seine Perspektive unzugänglich wirken. Dennoch regt seine Philosophie dazu an, die Perspektive zu wechseln und trotz des Übels das übergeordnete Gute der Welt wahrzunehmen.

Was bleibt, ist die Frage: Wirkt Leibniz’ Optimismus überzeugend – oder ist er angesichts des realen Leids weltfremd?

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