Das Material eignet sich besonders für den Religionsunterricht in der Grundschule und kann in konfessionell gemischten Lerngruppen eingesetzt werden. Es bietet einen anschaulichen Zugang zu evangelischen und katholischen Kirchenräumen und verbindet Sachwissen mit Wahrnehmung, persönlicher Deutung und kreativem Gestalten. Die konkreten Kirchen in Bobingen bilden den Ausgangspunkt. Viele Inhalte lassen sich jedoch auf Kirchen an anderen Orten übertragen. Vor dem Einsatz sollte die Lehrkraft prüfen, welche Aussagen nur für die dargestellten Kirchen gelten und welche Merkmale allgemeiner beschrieben werden können.
Als Einstieg können die Lernenden erzählen, welche Kirchen sie bereits kennen und was sie mit einem Kirchengebäude verbinden. Dabei sollte berücksichtigt werden, dass manche Lernende regelmäßig eine Kirche besuchen, andere nur bei besonderen Anlässen dort waren und wieder andere keine eigenen Erfahrungen besitzen. Auch Lernende, die einer anderen Religion oder keiner Religion angehören, sollen ihre Beobachtungen und Fragen einbringen können. Die persönliche religiöse Zugehörigkeit darf nicht zum Gegenstand einer verpflichtenden Auskunft werden.
Die Titelfrage „Katholisch oder evangelisch?“ kann zunächst als offene Forscherfrage behandelt werden. Die Lernenden sammeln Vermutungen zu Gemeinsamkeiten und Unterschieden. Diese werden auf einem Plakat festgehalten und nach der Arbeit mit dem Material überprüft. Dabei sollte deutlich werden, dass evangelische und katholische Kirchen viele gemeinsame Grundlagen besitzen. Dazu gehören der Glaube an Jesus Christus, die Bibel, die Taufe, das Gebet und die Feier des Gottesdienstes. Unterschiede zeigen sich unter anderem in der Gestaltung von Kirchenräumen, in einzelnen Glaubensvorstellungen und in religiösen Ausdrucksformen.
Die Seiten zur evangelischen Dreifaltigkeitskirche können als Vorbereitung auf eine reale Kirchenerkundung verwendet werden. Die Lernenden erhalten Beobachtungsaufträge zu Glockenturm, Sitzplätzen, Altar, Taufstein, Orgel und Kirchenfenster. Schätzfragen zu Gewicht, Anzahl und Größe fördern genaues Hinsehen und mathematisches Denken. Entscheidend ist nicht nur die richtige Lösung, sondern auch die Begründung einer Vermutung. Die Lernenden können erklären, woran sie ihre Schätzung festmachen und wie sie ihre Annahme überprüfen würden.
Bei einer Erkundung vor Ort empfiehlt sich eine Arbeit in kleinen Gruppen. Jede Gruppe übernimmt einen Bereich des Kirchenraums und dokumentiert ihre Entdeckungen mit Notizen, Zeichnungen oder Fotos, sofern das Fotografieren erlaubt ist. Mögliche Aufträge lauten: Beschreibt den Gegenstand. Untersucht Material, Farbe und Form. Überlegt, wozu er gebraucht wird. Findet heraus, welche religiöse Bedeutung er besitzt. Formuliert eine Frage, die ihr einer kirchlichen Fachperson stellen möchtet. Nach der Erkundung präsentieren die Gruppen ihre Ergebnisse.
Die Glocken können über ihre unterschiedlichen Aufgaben erschlossen werden. Sie rufen zum Gottesdienst, begleiten besondere Lebensereignisse und erinnern zu bestimmten Tageszeiten an das Gebet. Nach Möglichkeit kann ein Glockenklang gehört und beschrieben werden. Die Lernenden können überlegen, wie Klänge eine Gemeinschaft erreichen, Gefühle hervorrufen und den Alltag unterbrechen. Eine kreative Vertiefung besteht darin, einen eigenen Ruf oder Klang für einen wichtigen Anlass zu entwickeln.
Der Altar sollte nicht nur als besonderer Tisch benannt werden. Seine Bedeutung für Gebet, Segen, Abendmahl und Eucharistie ist ebenfalls zu erklären. Die Lernenden können untersuchen, welche Gegenstände auf dem Altar stehen und wie seine Gestaltung die Aufmerksamkeit lenkt. Ein Vergleich der Altäre in einer evangelischen und einer katholischen Kirche zeigt Gemeinsamkeiten und mögliche Unterschiede. Dabei ist zu vermeiden, aus der Ausstattung zweier einzelner Kirchen starre Regeln für alle Kirchen abzuleiten.
Der Taufstein eröffnet einen Zugang zur Taufe als Zeichen der Aufnahme in die christliche Gemeinschaft. Die Aussage des Materials, dass ein neugeborenes Kind getauft werde, sollte erweitert werden. Auch ältere Kinder, Jugendliche und Erwachsene können die Taufe empfangen. Die Lernenden können die Bedeutung von Wasser sammeln und dabei Reinigung, Leben, Erfrischung, Gefahr und Neubeginn unterscheiden. Anschließend wird untersucht, welche dieser Bedeutungen für die Taufe wichtig sind. Der Satz auf dem Taufstein kann gemeinsam entziffert, sprachlich geklärt und auf seine Bedeutung hin befragt werden.
Die Orgel ermöglicht musikalisches und wahrnehmungsbezogenes Lernen. Ein Hörbeispiel kann die Bandbreite hoher, tiefer, leiser und kräftiger Töne erfahrbar machen. Die Lernenden beschreiben ihre Eindrücke mit Adjektiven, Farben oder Bewegungen. Sie können erforschen, wie Luft durch Orgelpfeifen in Klang verwandelt wird. Bei einem Kirchenbesuch kann eine Person aus der Gemeinde oder aus dem kirchenmusikalischen Bereich das Instrument vorstellen.
Das Kirchenfenster lädt zur Bildbetrachtung ein. Die Lernenden beschreiben zunächst nur, was sie sehen, bevor sie eine religiöse Deutung versuchen. Diese Trennung von Beobachtung und Interpretation fördert einen sorgfältigen Umgang mit Bildern. Wenn ein Lamm oder Schaf zu erkennen ist, können Bezüge zu biblischen Texten hergestellt werden. Geeignet sind das Gleichnis vom verlorenen Schaf, Psalm 23 oder die Bezeichnung Jesu als Lamm Gottes. Mehrere Deutungen dürfen nebeneinanderstehen, sofern sie begründet werden.
Bei der katholischen Kirche kann zunächst die Bedeutung des Namens Sankt Felizitas untersucht werden. Die Lernenden recherchieren das Leben der Heiligen und fragen, weshalb Kirchen nach Heiligen benannt werden. Dabei ist zwischen historisch gesicherten Informationen, Legenden und religiöser Verehrung zu unterscheiden. Ein Vergleich mit den Namen evangelischer Kirchen kann zeigen, dass diese beispielsweise nach biblischen Begriffen, Personen oder Glaubensaussagen benannt sein können.
Das Weihwasserbecken bietet einen handlungsbezogenen Zugang zur Erinnerung an die Taufe. Die vorgeschlagene Erfahrung mit dem Waschen der Hände kann vorbereitet und ausgewertet werden. Es sollte deutlich werden, dass Weihwasser nicht einfach der körperlichen Reinigung dient. Es ist ein religiöses Zeichen, das katholische Gläubige an Taufe und Zugehörigkeit zur christlichen Gemeinschaft erinnert. Lernende können diese Ausdrucksform beobachten und erklären, müssen sie aber nicht selbst ausführen.
Die Apostelfiguren führen zum Thema Nachfolge und Zeugnis. Die Namen der Apostel können biblischen Geschichten zugeordnet werden. Die Lernenden wählen eine Person aus und erstellen eine kurze Vorstellung. Die Aussage, in jeder katholischen Kirche befänden sich zwölf Apostelfiguren, sollte als Merkmal der konkret dargestellten Kirche behandelt werden. Nicht jede katholische Kirche besitzt eine solche Gruppe von Figuren. Diese Korrektur bietet eine gute Gelegenheit, zwischen einer Einzelbeobachtung und einer allgemeinen Aussage zu unterscheiden.
Die Osterkerze kann über eine Erfahrung von Dunkelheit und Licht erschlossen werden. In einem abgedunkelten Raum wird eine Kerze entzündet und das Licht vorsichtig weitergegeben. Dabei sind alle geltenden Sicherheitsregeln zu beachten. Alternativ können elektrische Lichter verwendet werden. Die Lernenden beschreiben, wie sich Wahrnehmung und Stimmung verändern. Danach wird die Osterkerze als Zeichen für Jesus Christus, Auferstehung, Hoffnung und den Sieg des Lebens über den Tod gedeutet. Ein Vergleich mit Lichtsymbolen anderer Religionen kann den Blick erweitern.
Das Tabernakel sollte im Zusammenhang mit dem katholischen Verständnis der Eucharistie erklärt werden. Es enthält die konsekrierten Hostien, die nach katholischem Glauben in besonderer Weise mit der Gegenwart Christi verbunden sind. Das Material verwendet teilweise den Begriff Abendmahl. Für einen konfessionssensiblen Unterricht empfiehlt es sich, die Begriffe Abendmahl und Eucharistie zu unterscheiden und zugleich ihre gemeinsame biblische Grundlage im letzten Mahl Jesu zu erläutern. Die Frage nach einem Schatz im Herzen ermöglicht eine persönliche Übertragung. Antworten sollten freiwillig bleiben und wertschätzend behandelt werden.
Die Abschlussaufgabe zur Wunschkirche eignet sich für eine kreative Sicherung. Vor dem Zeichnen können die Lernenden Kriterien für einen einladenden Kirchenraum sammeln. Sie überlegen, welche Gegenstände, Farben, Räume, Klänge und Möglichkeiten der Begegnung ihnen wichtig sind. In der Zeichnung sollen nicht nur Möbel und religiöse Zeichen erscheinen. Auch Barrierefreiheit, Rückzugsmöglichkeiten, Gemeinschaft, Gastfreundschaft, Musik, Natur und Angebote für unterschiedliche Altersgruppen können berücksichtigt werden. Anschließend stellen die Lernenden ihre Entwürfe vor und begründen ihre Entscheidungen.
Als anspruchsvollere Variante planen Gruppen eine gemeinsame Kirche für evangelische und katholische Gläubige. Sie entscheiden, welche Elemente beiden Traditionen wichtig sind und wie konfessionelle Besonderheiten respektiert werden können. Dadurch wird die ökumenische Dimension des Materials vertieft. Eine Ausstellung der Entwürfe bietet einen wertschätzenden Abschluss. Vor einer Veröffentlichung von Arbeiten müssen Einwilligungen und Datenschutz beachtet werden.
Zur Differenzierung können Bildkarten, Wortkarten und Satzanfänge bereitgestellt werden. Lernende mit sprachlichem Unterstützungsbedarf ordnen Begriffe und Bilder einander zu. Andere verfassen ausführliche Erklärungen, recherchieren biblische Bezüge oder entwickeln eigene Erkundungsfragen. Wahrnehmungsbezogene Zugänge über Klang, Licht, Wasser, Farben und Materialien ermöglichen eine Beteiligung auch dann, wenn das Lesen längerer Texte schwerfällt. Die Ergebnisse können mündlich, schriftlich, zeichnerisch oder als Modell präsentiert werden.
Vor dem Unterrichtseinsatz sollten die im Material genannten Internetangebote, Kontaktangaben und lokalen Informationen auf Aktualität geprüft werden. Für Lerngruppen außerhalb Bobingens können die Kontaktdaten und Abgabehinweise ausgelassen und durch örtliche Informationen ersetzt werden. Die Lösungsseite sollte erst nach einer eigenen Erkundung zugänglich gemacht werden. So bleibt der Charakter einer Entdeckungstour erhalten.
Die Tour beginnt in der evangelischen Dreifaltigkeitskirche, deren Glockenturm und die Bedeutung der Kirchenglocken vorgestellt werden. Im Inneren der Kirche entdecken die Lernenden den großen, schlichten Kirchenraum, dessen Sitzplätze, den Altar als zentralen Tisch des Gottesdienstes sowie den Taufstein, auf dem ein prägnanter Satz eingraviert ist. Auch die Orgel mit ihren vielen Pfeifen wird thematisiert, ebenso wie das große bunte Glasfenster hinter ihr, das ein Lamm zeigt und damit Motive biblischer Geschichten aufgreift. Die Erkundung lädt dazu ein, Fragen zu stellen und sich online weitere Kirchenräume anzusehen.
Anschließend führt das Material in die katholische Kirche St. Felizitas ein, die – wie viele katholische Kirchen – nach einer Heiligen benannt ist. Lernende werden angeregt, sich mit der Biografie der Heiligen Felizitas zu beschäftigen. Am Kircheneingang entdecken sie das Weihwasserbecken, dessen Nutzung an die Taufe erinnert. Im Innenraum wird die Bedeutung der zwölf Apostelfiguren erläutert, die an den Wänden angebracht sind und als wichtigste Jünger Jesu vorgestellt werden. Weitere zentrale Elemente sind die Osterkerze als Symbol für das Licht der Auferstehung sowie der Tabernakel, der als „Schatzkammer“ der Kirche beschrieben wird, weil dort die Hostien als Zeichen der Nähe Jesu aufbewahrt werden. Auch hier folgt eine Einladung, Fragen zu stellen oder Kirchenräume digital zu erkunden.
Zum Abschluss erhalten die Schülerinnen und Schüler den kreativen Arbeitsauftrag, eine eigene „Wunschkirche“ zu entwerfen. Sie sollen überlegen, welche Elemente ihnen in einer Kirche wichtig wären und wie ein Kirchenraum gestaltet sein müsste, damit sie sich darin wohlfühlen. Die Werke können eingereicht werden und sollen Teil einer kleinen Ausstellung werden. Damit verbindet das Material Sachlernen über Konfessionen mit persönlicher Reflexion und kreativer Gestaltung.