Das Gespräch mit Peter Maffay eignet sich besonders für den Einsatz im Religionsunterricht ab Klasse 8/9, in der Oberstufe und in berufsbildenden Schulformen, da es zahlreiche lebensweltliche Anknüpfungspunkte bietet: Migration und Heimat, Scheitern und Neuanfang, Sucht und Heilung, Spiritualität und kirchliche Distanz, Engagement für verletzliche Kinder und die Frage nach persönlicher Verantwortung. Zugleich ist Maffay vielen Schülerinnen und Schülern zumindest dem Namen nach bekannt, was den Zugang erleichtert. Seine biografische Erzählweise und seine reflektierte, aber undogmatische Sprache öffnen religiöse Themen ohne „frommen Druck“ und ermöglichen differenzierte Gespräche über Glauben jenseits enger kirchlicher Milieus.
Didaktisch lässt sich das Medium gut in Reihen zu „Heimat, Identität und Migration“, zu „Glaube und Spiritualität“, zu „Musik und Religion“ oder zu „Verantwortung – vom Ich zum Wir“ einbetten. Maffays Verständnis von Heimat als Ort der Selbstbestimmung, Freiheit und Entfaltung kann als Impuls dienen, eigene Heimatbilder zu sammeln und mit biblischen Motiven von „Fremdsein und Ankommen“ (z. B. Exodus, Exil, Abraham) zu verknüpfen. Seine Erlebnisse von Ausgrenzung nach der Ankunft in Deutschland ermöglichen einen sensiblen Zugang zu aktuellen Debatten über Migration und Vorurteile, ohne jemanden im Klassenraum direkt zu exponieren. Hier bietet sich biografisches Lernen an: Schülerinnen und Schüler vergleichen ihre eigenen Erfahrungen mit Zugehörigkeit, Anderssein und Anerkennung mit Maffays Erzählungen.
Ein weiterer didaktischer Schwerpunkt liegt auf der Rolle von Musik: Maffay versteht Musik als universelle Sprache, als „Fingerabdruck“ einer Person, aber auch als Trost, als Medizinschrank und als Möglichkeit, miteinander in Resonanz zu kommen. Die Lernenden können eigene „Lebenslieder“ benennen, kleine Hörproben (auch aus Maffays Repertoire) reflektieren und der Frage nachgehen, wie Musik Emotionen, Hoffnungen und spirituelle Erfahrungen ausdrückt – bis hin zur Parallele von Bühne und Gebet: Auf der Bühne „macht man sich nackig“, öffnet sich, zeigt Verletzlichkeit; im Gebet geschieht etwas Ähnliches vor Gott. So werden Begriffe wie „Spiritualität“, „Gebet“ oder „Gottesbeziehung“ über Erfahrungssprache erschlossen, nicht nur über Definitionen. Maffays Bild vom Glauben als „Leuchtturm“ kann mit biblischen Lichtmotiven (z. B. „Licht der Welt“, „Dein Wort ist meines Fußes Leuchte“) ins Gespräch gebracht werden.
Für den katholischen Religionsunterricht ist zudem seine Beziehung zur Kirche spannend: Maffay ist aus der Kirche ausgetreten, hält aber am „lieben Gott“ fest und pflegt eine persönliche Spiritualität in Kapellen und Kirchen. Das ermöglicht eine ehrliche Auseinandersetzung mit den Ambivalenzen institutioneller Religion: Wo erleben Jugendliche die Kirche als hilfreich oder glaubwürdig? Wo als weltfremd oder widersprüchlich? Maffays differenzierte Haltung – Kritik am „Bodenpersonal“, aber Wertschätzung vieler kirchlicher Leistungen und Respekt vor Seelsorgerinnen und Seelsorgern – kann helfen, pauschale Ablehnung ebenso wie unkritische Idealisierung zu vermeiden. Gleichzeitig lädt sein Bild von der selbstgebauten Kapelle, an der Menschen unterschiedlicher Herkunft beteiligt sind, dazu ein, über interreligiöse und interkulturelle Koexistenz und über Kirche als möglichen Ort für Toleranz und Frieden zu sprechen.
Schließlich eröffnet sein Engagement für traumatisierte Kinder eine ethische und diakonische Perspektive: Maffay versteht seine Stiftung und sein „Hinschauen“ als Schritt vom Ich zum Wir und beschreibt das als Geschenk auch für ihn selbst. Im Unterricht kann daraus die Frage erwachsen, welche Verantwortung jede und jeder – auch ohne Prominentenstatus – für Benachteiligte übernehmen kann. In Verbindung mit biblischen Texten (z. B. Mt 25, „Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt…“, oder Jesu Zuwendung zu Kindern) wird sichtbar, wie gelebter Glaube sich in konkretem Handeln zeigt. Die Schülerinnen und Schüler können eigene kleine Projekte oder Ideen des sozialen Engagements entwickeln und reflektieren, welche „neuen Töne“ sie in ihrer Umwelt hörbar machen möchten. Insgesamt stärkt das Medium personale, soziale und spirituelle Kompetenzen: Es lädt dazu ein, die eigene Lebensgeschichte, die eigene Verwundbarkeit und die eigenen Ressourcen ernst zu nehmen und Glaube als Ermutigung zu einem verantwortlichen, hoffnungsvollen Leben zu entdecken.