Das Video eignet sich für den Religionsunterricht ab den höheren Jahrgangsstufen der Sekundarstufe eins und für die Sekundarstufe zwei. Es kann in Unterrichtseinheiten zu Religion und Musik, Heimat und Migration, Sinnsuche, Spiritualität, Gebet, Kirche, sozialer Verantwortung oder gelebter Nächstenliebe eingesetzt werden. Da das Gespräch fast eine Stunde dauert und viele verschiedene Themen behandelt, empfiehlt sich eine Arbeit mit ausgewählten Ausschnitten. Die Abschnitte können einzelnen Unterrichtsstunden oder Arbeitsgruppen zugeordnet werden. Auf diese Weise bleibt genügend Zeit, Aussagen zu verstehen, persönlich zu reflektieren und kritisch zu beurteilen.
Als Einstieg kann ein Musikstück verwendet werden, das den Lernenden persönlich wichtig ist. Die Lernenden beschreiben, welche Erinnerungen, Gefühle oder Hoffnungen sie mit diesem Stück verbinden. Persönliche Beiträge sollten freiwillig bleiben, da Musik auch mit belastenden Erfahrungen verbunden sein kann. Alternativ können die Lernenden allgemein sammeln, welche Aufgaben Musik erfüllen kann. Mögliche Begriffe sind Trost, Freude, Gemeinschaft, Protest, Erinnerung, Gebet, Motivation und Hoffnung. Die Ergebnisse können nach der Betrachtung des Videos mit den Aussagen Maffays verglichen werden.
Für die erste Sichtung erhalten die Lernenden einen Beobachtungsauftrag. Sie notieren eine Aussage, die sie anspricht, eine Aussage, die sie überrascht, und eine Aussage, zu der sie eine Rückfrage haben. In einer zweiten Arbeitsphase können verschiedene Gruppen thematische Ausschnitte untersuchen. Eine Gruppe beschäftigt sich mit Heimat und Migration, eine weitere mit der persönlichen Bedeutung von Musik, eine dritte mit Glaube und Kirche, eine vierte mit dem sozialen Engagement für Kinder und eine fünfte mit dem Bild des neunten Tons. Jede Gruppe fasst die Kernaussagen zusammen, wählt eine wichtige Textstelle aus und formuliert eine eigene Bewertung.
Der Abschnitt über Heimat eignet sich für biografisches und interreligiöses Lernen. Maffay versteht Heimat nicht ausschließlich als Herkunftsort, sondern als einen Ort, an dem ein Mensch frei und selbstbestimmt leben kann. Die Lernenden können verschiedene Vorstellungen von Heimat sammeln und miteinander vergleichen. Dabei ist darauf zu achten, dass niemand zu persönlichen Aussagen über Flucht, Migration oder Diskriminierung gedrängt wird. Als kreative Aufgabe können die Lernenden ein Bild, einen kurzen Text oder eine Klangcollage zu ihrer Vorstellung von Heimat gestalten.
Die Aussagen über Musik als universelle Sprache können mit eigenen Hörerfahrungen überprüft werden. Die Lehrkraft spielt kurze instrumentale Ausschnitte mit unterschiedlichen Stimmungen vor. Die Lernenden beschreiben, welche Gefühle oder Bilder entstehen und durch welche musikalischen Merkmale diese Wahrnehmung hervorgerufen wird. Anschließend wird diskutiert, ob Musik tatsächlich ohne gemeinsame Sprache verstanden werden kann oder ob ihre Deutung von Kultur, Erfahrung und persönlichem Geschmack abhängt. So wird Maffays Aussage nicht nur übernommen, sondern differenziert untersucht.
Die Passagen über Alkohol, Rauchen, gesundheitliche Angst und persönliche Veränderung sollten sensibel behandelt werden. Sie können Ausgangspunkt für ein Gespräch über Krisen, Selbstwahrnehmung, Verantwortung und die Bedeutung unterstützender Beziehungen sein. Das Video zeigt eine persönliche Erfahrung und ersetzt keine fachliche Aufklärung über Abhängigkeit. Lernende sollten erfahren, dass Menschen mit einem problematischen Konsum professionelle Unterstützung benötigen können und dass eine Veränderung nicht bei allen Menschen plötzlich und ohne Begleitung gelingt. Persönliche Erfahrungen aus dem Umfeld der Lernenden dürfen nicht eingefordert werden.
Für den religionspädagogischen Schwerpunkt ist besonders Maffays Unterscheidung zwischen persönlichem Glauben und kirchlicher Institution ergiebig. Er berichtet, dass er aus der Kirche ausgetreten ist, aber weiterhin betet, Kirchen und Kapellen besucht und sein Verhältnis zu Gott als intakt beschreibt. Die Lernenden können prüfen, ob religiöser Glaube ohne institutionelle Zugehörigkeit möglich ist und welche Aufgaben eine Kirche dennoch erfüllen kann. Hier bietet sich eine Gegenüberstellung von persönlicher Spiritualität, gemeinschaftlich gelebter Religion und kirchlicher Organisation an. Ergänzend können aktuelle Formen individueller Religiosität untersucht werden.
Maffays Beschreibung einer Kapelle als Ort der Ruhe, Dankbarkeit und Selbstprüfung kann mit biblischen Texten über Gebet und Stille verbunden werden. Geeignet sind Texte über Jesu Rückzug zum Gebet, Psalmen des Dankes und Vertrauens oder die Erzählung von Elija, der Gott in einem leisen Geschehen begegnet. Die Lernenden vergleichen Maffays Erfahrungen mit den Aussagen der biblischen Texte. Sie können danach einen eigenen Raum der Stille entwerfen und erläutern, welche Farben, Klänge, Symbole und Gegenstände dort eine Rolle spielen sollen.
Der gemeinsame Bau einer Kapelle durch Menschen verschiedener religiöser und kultureller Herkunft bietet einen Zugang zum interreligiösen Lernen. Die Lernenden untersuchen, warum Maffay dieses Projekt als Beispiel gelingender Koexistenz betrachtet. Anschließend können sie Ideen für ein gemeinsames Projekt entwickeln, an dem Menschen mit unterschiedlichen religiösen und weltanschaulichen Überzeugungen teilnehmen können. Denkbar sind ein Raum der Stille, eine musikalische Feier, eine Hilfsaktion oder ein gemeinsames Kunstwerk.
Die Deutung der Bühne als spiritueller Ort lädt zu einer weiterführenden Diskussion ein. Maffay beschreibt das musikalische Auftreten als Öffnung gegenüber dem Publikum und vergleicht die entstehende Begegnung mit einer Form des Gebets. Die Lernenden können klären, was einen Ort spirituell macht. Dabei können Konzert, Gottesdienst, Naturerfahrung, Stille und gemeinsames Singen miteinander verglichen werden. Wichtig ist eine offene Gesprächsführung, die religiöse und nicht religiöse Deutungen gleichermaßen berücksichtigt.
Das Bild des neunten Tons eignet sich zur ethischen Vertiefung. Maffay versteht darunter keinen zusätzlichen Ton im musikalischen Sinn, sondern den guten Ton im gesellschaftlichen Zusammenleben. Die Lernenden können Regeln für einen guten Ton in der Klasse, in sozialen Medien und in gesellschaftlichen Debatten formulieren. Anschließend prüfen sie, wie Harmonie entstehen kann, ohne Konflikte oder Unterschiede zu verschweigen. So wird deutlich, dass ein respektvoller Umgang nicht immer Einigkeit bedeutet, sondern auch faire Auseinandersetzungen ermöglicht.
Das Engagement der Peter Maffay Stiftung kann mit den Begriffen Nächstenliebe, Verantwortung und Kinderrechte verbunden werden. Die Lernenden untersuchen, welche Bedürfnisse belastete Kinder haben und warum Schutzräume wichtig sind. Dabei sollten traumatische Erfahrungen nicht im Detail behandelt werden. Im Mittelpunkt stehen Ressourcen, Unterstützung, Würde und Teilhabe. Als Transfer können die Lernenden eine realistische schulische Aktion planen, die Kindern oder Jugendlichen zugutekommt. Dabei ist zu reflektieren, ob die Hilfe den tatsächlichen Bedürfnissen entspricht und die betroffenen Menschen nicht auf ihre Hilfsbedürftigkeit reduziert.
Zur Ergebnissicherung kann ein Lernprodukt entstehen. Möglich sind ein Podcast über Musik und Spiritualität, eine Ausstellung zu persönlichen Kraftquellen, ein Plakat zum neunten Ton, ein fiktives Interview mit Peter Maffay oder eine schriftliche Stellungnahme zur Frage, ob Musik die Welt verändern kann. Für eine abschließende Reflexion formulieren die Lernenden einen Gedanken aus dem Video, dem sie zustimmen, eine Aussage, die sie kritisch sehen, und einen persönlichen oder gesellschaftlichen Handlungsimpuls.
Frage: Was bedeutet Heimat für Peter Maffay? Antwort: Heimat ist für ihn nicht nur der Ort der Herkunft. Heimat kann überall dort entstehen, wo ein Mensch selbstbestimmt leben, sich entfalten und eine positive Lebensperspektive entwickeln kann. Deutschland wurde für ihn zu einer neuen Heimat, ohne dass seine Herkunft aus Rumänien bedeutungslos wurde.
Frage: Welche Erfahrungen machte Maffay nach seiner Ankunft in Deutschland? Antwort: Er erlebte neben vielen positiven Erfahrungen auch Vorurteile, verletzende Bezeichnungen und Ausgrenzung. Diese Erfahrungen führt er vor allem auf Unwissenheit und die Angst vor dem Fremden zurück. Musik, Schule und Begegnungen halfen ihm dabei, in der neuen Gesellschaft anzukommen.
Frage: Welche Bedeutung besitzt Musik in seinem Leben? Antwort: Musik ist für Maffay Ausdruck seiner Persönlichkeit, ein persönlicher Fingerabdruck und eine Quelle von Lebensqualität. Sie hilft ihm, Gefühle auszudrücken, Erfahrungen zu verarbeiten und mit anderen Menschen in Beziehung zu treten.
Frage: Warum bezeichnet Maffay Musik als universelle Sprache? Antwort: Musik kann nach seiner Auffassung Menschen auch dann erreichen, wenn sie nicht dieselbe Sprache sprechen. Tonfolgen, Harmonien und Rhythmen können Gefühle vermitteln, ohne dass jedes Wort verstanden werden muss. Allerdings kann die Bedeutung von Musik je nach Kultur und persönlicher Erfahrung unterschiedlich wahrgenommen werden.
Frage: Wie begann Maffays musikalischer Weg? Antwort: Auf Wunsch seiner Mutter lernte er zunächst Geige. Obwohl ihm das Instrument wenig Freude bereitete, öffnete ihm der Unterricht den Zugang zur Musik. Später entdeckte er die Gitarre und erkannte darin das Instrument, mit dem er sich stärker ausdrücken konnte.
Frage: Was führte zu seiner Veränderung im Umgang mit Alkohol und Zigaretten? Antwort: Eine zunächst bedrohlich wirkende medizinische Diagnose löste große Angst aus. Obwohl sie sich als Fehldiagnose erwies, nahm Maffay sie als Warnung ernst. Er hörte mit dem Rauchen und Trinken auf und erkannte, dass sein früherer Konsum ihn selbst und sein Umfeld belastet hatte.
Frage: Welche Verbindung sieht Maffay zwischen Musik und Religion? Antwort: Musik ist für ihn mehr als Unterhaltung. Sie kann Trost geben, Menschen öffnen, Gemeinschaft stiften und in bestimmten Situationen selbst zu einer Form des Gebets werden. Singen verbindet für ihn Atmung, Konzentration, Meditation, Ausdruck und innere Stärkung.
Frage: Wie beschreibt Maffay sein Verhältnis zu Kirche und Gott? Antwort: Er ist aus der Kirche ausgetreten, weil er bestimmte kirchliche Entwicklungen, historische Belastungen, Missbrauch und eine von ihm wahrgenommene Weltfremdheit kritisch beurteilt. Gleichzeitig hält er an seinem Glauben, am Gebet und an der Suche nach einer übergeordneten Wirklichkeit fest. Er unterscheidet somit zwischen seiner Beziehung zu Gott und seiner Beziehung zur kirchlichen Institution.
Frage: Warum besucht Maffay gerne Kirchen und Kapellen? Antwort: Kirchen und Kapellen sind für ihn Orte der Ruhe, Dankbarkeit und Selbstprüfung. Dort kann er Ängste bearbeiten, über sein Leben nachdenken und sich für eine größere Wirklichkeit öffnen. Zugleich interessiert ihn, wie und warum Menschen solche Räume gestaltet haben
Frage: Welche Bedeutung hat die von verschiedenen Menschen errichtete Kapelle? Antwort: Die Kapelle wurde nach Maffays Darstellung gemeinsam von Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religion gebaut. Sie steht deshalb für Zusammenarbeit, friedliche Koexistenz und die Möglichkeit, kulturelle sowie religiöse Unterschiede durch ein gemeinsames Vorhaben zu verbinden.
Frage: Warum nennt Maffay die Bühne einen spirituellen Ort? Antwort: Auf der Bühne öffnet sich ein Musiker gegenüber dem Publikum und zeigt etwas von seiner Person. Auch das Publikum reagiert und öffnet sich. In dieser wechselseitigen Begegnung können Impulse entstehen, die über den Augenblick hinauswirken. Diese Erfahrung vergleicht Maffay mit der Offenheit eines Gebets.
Frage: Kann Musik nach Maffays Auffassung die Welt verändern? Antwort: Er bejaht diese Möglichkeit. Musik kann Gedanken und Gefühle anstoßen, Menschen verbinden und Haltungen verändern. Sie löst gesellschaftliche Probleme nicht unmittelbar, kann aber Aufmerksamkeit wecken, Hoffnung stärken und Menschen zum Handeln bewegen.
Frage: Was meint Maffay mit dem neunten Ton? Antwort: Der neunte Ton ist ein symbolischer Ausdruck für den guten Ton. Gemeint sind Respekt, Harmonie, Empfindsamkeit und verantwortliches Verhalten. Wie Musiker aufeinander hören müssen, damit aus einzelnen Tönen Musik entsteht, sollen Menschen aufeinander achten, damit gesellschaftliches Zusammenleben gelingt.
Frage: Welche Verantwortung haben Kunstschaffende nach Maffays Auffassung? Antwort: Künstlerisches Handeln entwickelt nach seiner Ansicht immer auch eine Aussage und eine Haltung. Kunstschaffende können mit ihrem Medium Impulse geben, Werte sichtbar machen und gesellschaftliche Verantwortung übernehmen. Diese Verantwortung bleibt eine persönliche Entscheidung und kann unterschiedlich gestaltet werden
Frage: Warum sollte Singen zur Bildung von Kindern gehören? Antwort: Singen ist ohne kostspieliges Instrument möglich und ermöglicht einen unmittelbaren Zugang zur Musik. Es fördert Atmung, Konzentration, Ausdruck, Gemeinschaft und Selbstwahrnehmung. Maffay sieht darin eine Möglichkeit, sich zu öffnen und zugleich innerlich zu stärken.
Frage: Welche Ziele verfolgt Maffay mit seinem Engagement für Kinder? Antwort: Er möchte belasteten und traumatisierten Kindern Schutzräume, Erholung und neue Kraft ermöglichen. Sein Engagement versteht er als Verantwortung gegenüber der nächsten Generation und als einen Weg vom persönlichen Ich zum gemeinschaftlichen Wir.
Frage: Was ist für Maffay am Ende des Gesprächs besonders wichtig? Antwort: Er nennt vor allem Familie, verlässliche Beziehungen, Frieden, Hoffnung und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Menschen sollen ihre Zuversicht bewahren, Gleichgesinnte suchen und anderen helfen, eine gute Lebensperspektive zu entwickeln.
Frage: Welche zentrale Botschaft vermittelt das Video? Antwort: Musik kann Menschen verbinden, trösten, öffnen und zu verantwortlichem Handeln ermutigen. Ein erfülltes Leben zeigt sich nach Maffays Auffassung nicht allein im beruflichen Erfolg, sondern auch in Beziehungen, Mitgefühl, Glauben, gesellschaftlichem Engagement und der Bereitschaft, sich selbst zu verändern.
Das Gespräch mit Peter Maffay eignet sich besonders für den Einsatz im Religionsunterricht ab Klasse 8/9, in der Oberstufe und in berufsbildenden Schulformen, da es zahlreiche lebensweltliche Anknüpfungspunkte bietet: Migration und Heimat, Scheitern und Neuanfang, Sucht und Heilung, Spiritualität und kirchliche Distanz, Engagement für verletzliche Kinder und die Frage nach persönlicher Verantwortung. Zugleich ist Maffay vielen Schülerinnen und Schülern zumindest dem Namen nach bekannt, was den Zugang erleichtert. Seine biografische Erzählweise und seine reflektierte, aber undogmatische Sprache öffnen religiöse Themen ohne „frommen Druck“ und ermöglichen differenzierte Gespräche über Glauben jenseits enger kirchlicher Milieus.
Didaktisch lässt sich das Medium gut in Reihen zu „Heimat, Identität und Migration“, zu „Glaube und Spiritualität“, zu „Musik und Religion“ oder zu „Verantwortung – vom Ich zum Wir“ einbetten. Maffays Verständnis von Heimat als Ort der Selbstbestimmung, Freiheit und Entfaltung kann als Impuls dienen, eigene Heimatbilder zu sammeln und mit biblischen Motiven von „Fremdsein und Ankommen“ (z. B. Exodus, Exil, Abraham) zu verknüpfen. Seine Erlebnisse von Ausgrenzung nach der Ankunft in Deutschland ermöglichen einen sensiblen Zugang zu aktuellen Debatten über Migration und Vorurteile, ohne jemanden im Klassenraum direkt zu exponieren. Hier bietet sich biografisches Lernen an: Schülerinnen und Schüler vergleichen ihre eigenen Erfahrungen mit Zugehörigkeit, Anderssein und Anerkennung mit Maffays Erzählungen.
Ein weiterer didaktischer Schwerpunkt liegt auf der Rolle von Musik: Maffay versteht Musik als universelle Sprache, als „Fingerabdruck“ einer Person, aber auch als Trost, als Medizinschrank und als Möglichkeit, miteinander in Resonanz zu kommen. Die Lernenden können eigene „Lebenslieder“ benennen, kleine Hörproben (auch aus Maffays Repertoire) reflektieren und der Frage nachgehen, wie Musik Emotionen, Hoffnungen und spirituelle Erfahrungen ausdrückt – bis hin zur Parallele von Bühne und Gebet: Auf der Bühne „macht man sich nackig“, öffnet sich, zeigt Verletzlichkeit; im Gebet geschieht etwas Ähnliches vor Gott. So werden Begriffe wie „Spiritualität“, „Gebet“ oder „Gottesbeziehung“ über Erfahrungssprache erschlossen, nicht nur über Definitionen. Maffays Bild vom Glauben als „Leuchtturm“ kann mit biblischen Lichtmotiven (z. B. „Licht der Welt“, „Dein Wort ist meines Fußes Leuchte“) ins Gespräch gebracht werden.
Für den katholischen Religionsunterricht ist zudem seine Beziehung zur Kirche spannend: Maffay ist aus der Kirche ausgetreten, hält aber am „lieben Gott“ fest und pflegt eine persönliche Spiritualität in Kapellen und Kirchen. Das ermöglicht eine ehrliche Auseinandersetzung mit den Ambivalenzen institutioneller Religion: Wo erleben Jugendliche die Kirche als hilfreich oder glaubwürdig? Wo als weltfremd oder widersprüchlich? Maffays differenzierte Haltung – Kritik am „Bodenpersonal“, aber Wertschätzung vieler kirchlicher Leistungen und Respekt vor Seelsorgerinnen und Seelsorgern – kann helfen, pauschale Ablehnung ebenso wie unkritische Idealisierung zu vermeiden. Gleichzeitig lädt sein Bild von der selbstgebauten Kapelle, an der Menschen unterschiedlicher Herkunft beteiligt sind, dazu ein, über interreligiöse und interkulturelle Koexistenz und über Kirche als möglichen Ort für Toleranz und Frieden zu sprechen.
Schließlich eröffnet sein Engagement für traumatisierte Kinder eine ethische und diakonische Perspektive: Maffay versteht seine Stiftung und sein „Hinschauen“ als Schritt vom Ich zum Wir und beschreibt das als Geschenk auch für ihn selbst. Im Unterricht kann daraus die Frage erwachsen, welche Verantwortung jede und jeder – auch ohne Prominentenstatus – für Benachteiligte übernehmen kann. In Verbindung mit biblischen Texten (z. B. Mt 25, „Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt…“, oder Jesu Zuwendung zu Kindern) wird sichtbar, wie gelebter Glaube sich in konkretem Handeln zeigt. Die Schülerinnen und Schüler können eigene kleine Projekte oder Ideen des sozialen Engagements entwickeln und reflektieren, welche „neuen Töne“ sie in ihrer Umwelt hörbar machen möchten. Insgesamt stärkt das Medium personale, soziale und spirituelle Kompetenzen: Es lädt dazu ein, die eigene Lebensgeschichte, die eigene Verwundbarkeit und die eigenen Ressourcen ernst zu nehmen und Glaube als Ermutigung zu einem verantwortlichen, hoffnungsvollen Leben zu entdecken.