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SRF Kultur | Sternstunde Religion

SRF Kultur | Sternstunde Religion

Kirchenrebell Eugen Drewermann: 80 Jahre lang radikal

Veröffentlichung:4.12.2025

Die SRF-Sendung Sternstunde Religion stellt den Theologen, Psychotherapeuten und Kirchenkritiker Eugen Drewermann vor – einen der bekanntesten und zugleich umstrittensten religiösen Intellektuellen im deutschsprachigen Raum. Im ausführlichen Gespräch blickt Drewermann auf seine Kindheit im Krieg, seine Gottes- und Menschenbilder, seine theologische Entwicklung sowie den Konflikt mit der römisch-katholischen Kirche zurück. Themen wie Angst, Freiheit, Schuld, Mitgefühl, die Bedeutung der Psychoanalyse für das Verstehen biblischer Texte und die lebenslange Hinwendung zu den „Verlorenen“ prägen das Interview. Die Sendung ermöglicht einen sehr persönlichen Einblick in Drewermanns Denken und seine spirituelle Biografie.

Das etwa 57 Minuten lange Video aus der Sendung „Sternstunde Religion“ zeigt ein ausführliches Gespräch mit dem Theologen, Schriftsteller und Seelsorger Eugen Drewermann anlässlich seines achtzigsten Lebensjahres. Drewermann berichtet von seinen Kindheitserfahrungen während des Zweiten Weltkriegs und erklärt, wie Bombenangriffe, Todesnähe und die Angst der Erwachsenen sein Gottesbild geprägt haben. Weitere Themen sind Sterblichkeit, Leben nach dem Tod, Freiheit, Angst, Sinn, Mitgefühl, Gewalt, Schuld, Vergebung und die Bedeutung Jesu. Drewermann schildert außerdem seinen Zugang zur Psychoanalyse und zur Literatur Dostojewskis sowie seine Konflikte mit der römisch katholischen Kirche, den Entzug seiner kirchlichen Lehrerlaubnis, seine Suspendierung vom Priesteramt und seinen späteren Kirchenaustritt. Das Gespräch vermittelt einen biografischen Zugang zu theologischen und philosophischen Grundfragen und macht zugleich deutlich, dass Drewermann persönliche, teilweise umstrittene Positionen vertritt.

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Das Video eignet sich vor allem für den Religionsunterricht in höheren Jahrgangsstufen. Aufgrund seiner Länge, der anspruchsvollen Sprache und der Vielzahl theologischer, psychologischer und philosophischer Bezüge sollte es nicht ohne Vorbereitung vollständig gezeigt werden. Sinnvoller ist die Auswahl einzelner Abschnitte zu Themen wie Gottesbild, Krieg und Frieden, Angst und Freiheit, Tod und Hoffnung, Jesusverständnis, Schuld und Vergebung oder Kirche und Kritik. Die ausgewählten Ausschnitte können zunächst ohne umfangreiche Vorinformationen betrachtet werden. Die Lernenden halten dabei zentrale Aussagen, unbekannte Begriffe und spontane Rückfragen fest. Anschließend werden die Aussagen im Unterricht geordnet und in ihren biografischen, theologischen und historischen Zusammenhang eingeordnet.

Vor der Betrachtung sollte eine kurze Einführung in Leben und Werk Eugen Drewermanns erfolgen. Dabei ist zu erklären, dass er katholischer Priester und Theologe war, psychoanalytische Zugänge zur Bibel entwickelte und durch seine Kritik an kirchlichen Lehren und Strukturen in einen schweren Konflikt mit der Kirchenleitung geriet. Wichtig ist der Hinweis, dass das Video keine neutrale Darstellung christlicher Theologie bietet. Es dokumentiert die persönliche Sicht eines streitbaren Theologen. Seine Aussagen sollten deshalb weder als allgemeingültige christliche Lehre übernommen noch vorschnell zurückgewiesen werden. Die Lernenden sollen zwischen biografischer Erfahrung, theologischer Deutung, philosophischer Argumentation, historischer Aussage und persönlicher Wertung unterscheiden.

Für die Erschließung eignet sich ein Beobachtungsbogen mit den Kategorien Lebensereignis, Gefühl, Gottesvorstellung, ethische Folgerung und mögliche Gegenposition. In Kleingruppen können die Lernenden jeweils einen Ausschnitt untersuchen und die Argumentation Drewermanns in eigenen Worten zusammenfassen. Eine Gruppe kann seine Aussagen zu Krieg und Gehorsam bearbeiten, eine weitere sein Verständnis von Angst und Freiheit, eine dritte seine Vorstellung vom Leben nach dem Tod und eine vierte seine Kritik an der Kirche. Danach werden die Ergebnisse vorgestellt und miteinander verglichen. Eine Übersicht an der Tafel kann sichtbar machen, wie Drewermann persönliche Erfahrungen mit theologischen Überzeugungen verbindet.

Methodisch bietet sich auch eine Positionslinie an. Die Lehrkraft liest einzelne Aussagen aus dem Gespräch sinngemäß vor. Die Lernenden positionieren sich zwischen Zustimmung, Unentschiedenheit und Ablehnung und begründen ihre Entscheidung. Geeignete Aussagen betreffen die Pflicht zum Widerspruch gegen unmenschliche Befehle, die Bedeutung von Besitz, die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod, den Umgang mit Schuld oder die Frage, ob Menschen wirklich das Böse wollen. Dabei sollte deutlich werden, dass eine begründete Gegenposition ausdrücklich erwünscht ist.

Drewermanns Deutung kann mit biblischen Texten verglichen werden. Geeignet sind Erzählungen über Jesus und ausgegrenzte Menschen, die Seligpreisungen, das Gleichnis vom verlorenen Sohn, Aussagen zur Feindesliebe, das Verbot des Richtens sowie Texte über Tod und Auferstehung. Die Lernenden prüfen, welche Aspekte der biblischen Texte Drewermann besonders hervorhebt und welche anderen Deutungen möglich sind. Auch ein Vergleich mit kirchlichen Stellungnahmen oder theologischen Positionen bietet sich an. So lernen die Lernenden, dass religiöse Überzeugungen innerhalb des Christentums unterschiedlich begründet und ausgelegt werden.

Die Passagen über Kriegserfahrungen, Bombenangriffe, Tod, psychische Belastungen, Abtreibung, Straftaten und sexualisierte Gefährdung erfordern besondere Sensibilität. Vor dem Zeigen sollte angekündigt werden, dass belastende Themen vorkommen. Lernende müssen die Möglichkeit erhalten, sich zurückzuziehen oder eine alternative Aufgabe zu bearbeiten. Besonders die im Gespräch geschilderte Situation, in der ein Erwachsener eine sexuelle Anziehung zu einem minderjährigen Menschen äußert, darf nicht unkommentiert bleiben. Hier ist klarzustellen, dass der Schutz von Kindern und Jugendlichen Vorrang besitzt und dass verantwortliches pädagogisches Handeln eindeutige Schutzmaßnahmen sowie die Einbeziehung fachlich zuständiger Stellen verlangt.

Einzelne politische und historische Behauptungen Drewermanns sollten nicht als gesicherte Tatsachen behandelt werden. Sie können vielmehr zum Anlass genommen werden, zwischen überprüfbaren Informationen, persönlicher Deutung und zugespitzter Kritik zu unterscheiden. Die Lernenden können ausgewählte Aussagen anhand verlässlicher Quellen prüfen. Dadurch verbindet sich religiöse Urteilsbildung mit Medienbildung und Quellenkritik.

Als kreative Vertiefung können die Lernenden einen fiktiven Brief an Eugen Drewermann verfassen, in dem sie eine seiner Aussagen aufgreifen, eine Rückfrage stellen und eine eigene Position begründen. Ebenso möglich sind ein Streitgespräch zwischen Drewermann und einer kirchlichen Vertretung, ein Podcast über Angst und Vertrauen oder eine Collage zu der Frage, was Menschen im Leben Halt gibt. Zur Sicherung formulieren die Lernenden am Ende einen Gedanken, dem sie zustimmen, einen Gedanken, dem sie widersprechen, und eine Frage, die für sie offenbleibt.

Frage: Welche Kindheitserfahrung hat Eugen Drewermanns Denken besonders geprägt? Antwort: Drewermann berichtet von Bombenangriffen auf seinen Heimatort am Ende des Zweiten Weltkriegs. Besonders prägend war für ihn, dass die Erwachsenen, die ihm Sicherheit geben sollten, selbst große Angst hatten. Daraus entstand seine lebenslange Beschäftigung mit Angst, Vertrauen und menschlicher Gewalt.

Frage: Wie veränderte die Kriegserfahrung Drewermanns Gottesbild? Antwort: Er erkannte bereits als Kind, dass Gebete nicht automatisch vor Leid und Tod schützen. Deshalb versteht er Gott nicht als Macht, die jedes Unglück verhindert. Für ihn stärkt der Glaube Menschen vielmehr darin, Unmenschlichkeit zu widerstehen und verantwortungsvoll zu handeln.

Frage: Welche ethische Folgerung zieht Drewermann aus seinen Kriegserfahrungen? Antwort: Er betont, dass Menschen unmenschlichen Befehlen widersprechen müssen. Die Berufung auf eine staatliche oder militärische Autorität entlastet nach seiner Auffassung nicht von der persönlichen Verantwortung.

Frage: Was bedeutet Überleben für Drewermann? Antwort: Überleben ist für ihn kein persönlicher Verdienst und kein Anspruch. Wer Glück gehabt hat, trägt nach seiner Auffassung eine besondere Verantwortung für Menschen, denen es schlechter ergangen ist. Daraus leitet er die Bedeutung des Teilens und der Solidarität ab.

Frage: Wie beschreibt Drewermann den Tod? Antwort: Er versteht den Tod nicht nur als Ende, sondern als Übergang in ein Licht, in dem ein Mensch sein Leben erkennt und versteht. Dabei können Versäumnisse und Fehler sichtbar werden. Zugleich verbindet Drewermann mit dem Tod die Hoffnung auf Versöhnung und erneute Begegnung.

Frage: Worauf gründet Drewermann seinen Glauben? Antwort: Sein Glaube gründet weniger auf einer naturwissenschaftlichen Erklärung der Welt als auf der Erfahrung von Liebe und Angenommensein. Entscheidend ist für ihn die Botschaft Jesu, die sich besonders den Armen, Kranken, Verlorenen und Ausgegrenzten zuwendet.

Frage: Warum ist Angst ein zentrales Thema des Gesprächs? Antwort: Drewermann sieht Angst als grundlegende menschliche Erfahrung. In Anlehnung an Søren Kierkegaard verbindet er Angst mit Freiheit, weil Menschen Entscheidungen treffen können und dabei das Risiko eingehen, Fehler zu machen. Vertrauen und ein verständnisvolles Gegenüber können helfen, diese Freiheit auszuhalten.

Frage: Welche Bedeutung hat die Psychoanalyse für Drewermanns Theologie? Antwort: Die Psychoanalyse hilft ihm, menschliches Verhalten nicht allein moralisch zu beurteilen. Er möchte verstehen, welche Ängste, Verletzungen und unbewussten Konflikte hinter einem Verhalten stehen. Biblische Texte sollen nach seiner Auffassung nicht nur belehren, sondern Menschen innerlich erreichen und heilsam wirken.

Frage: Warum ist Dostojewski für Drewermann wichtig? Antwort: Drewermann sieht in Dostojewskis Romanen eine besonders tiefe Verbindung von Psychologie, Literatur und christlichem Glauben. Die Figuren werden trotz Schuld, Verzweiflung und Scheitern nicht aufgegeben. Darin erkennt Drewermann die Botschaft Jesu von Annahme, Barmherzigkeit und Hoffnung.

Frage: Was führte zum Konflikt mit der römisch katholischen Kirche? Antwort: Drewermann kritisierte eine starre Auslegung von Glaubenslehren, moralische Urteile ohne ausreichende Berücksichtigung individueller Lebenssituationen und den Machtanspruch kirchlicher Ämter. Seine Bibelauslegung und seine Verbindung von Theologie und Psychoanalyse stießen bei kirchlichen Autoritäten auf deutlichen Widerspruch.

Frage: Wie versteht Drewermann die Aufgabe der Kirche? Antwort: Die Kirche soll nach seiner Auffassung für Menschen da sein, besonders für Verzweifelte, Ausgegrenzte und Gescheiterte. Er kritisiert kirchliche Strukturen, wenn sie Menschen verurteilen, ihre Freiheit einschränken oder den Zugang zu Gott von institutioneller Zustimmung abhängig machen.

Frage: Was ist nach Drewermann die wichtigste Einsicht seines Lebens? Antwort: Er hält es für notwendig, Menschen grundsätzlich Glauben zu schenken und verstehen zu wollen, was in ihnen vorgeht. Auch wenn menschliche Handlungen großen Schaden verursachen können, möchte er den Menschen nicht auf diese Taten reduzieren.

Frage: Wie beurteilt Drewermann Vergeltung und Strafe? Antwort: Er versteht Rache als nachvollziehbare Reaktion auf erlittenes Unrecht, hält sie aber nicht für einen Weg zur Heilung. Nach seiner Auffassung müssen Ursachen von Gewalt verstanden und Opfer bei der Verarbeitung ihres Leids unterstützt werden. Seine weitreichende Kritik am Strafrecht kann im Unterricht kontrovers diskutiert und mit den Aufgaben von Recht, Schutz und Verantwortung verglichen werden.

Frage: Welche zentrale Botschaft vermittelt das Video? Antwort: Das Gespräch wirbt für Vertrauen, Mitgefühl, persönliche Freiheit und den Widerstand gegen Unmenschlichkeit. Zugleich fordert es dazu auf, religiöse Autoritäten, moralische Urteile und gesellschaftliche Selbstverständlichkeiten kritisch zu prüfen. Diese Botschaft bleibt eine persönliche Position Drewermanns und muss im Unterricht mit anderen theologischen und ethischen Auffassungen ins Gespräch gebracht werden.


Das Video eignet sich besonders für den Einsatz im kompetenzorientierten Religionsunterricht ab Klasse 9/10, in der gymnasialen Oberstufe sowie in der beruflichen Bildung. Es bietet einen lebensnahen Zugang zu grundlegenden Fragen des Glaubens, der Kirche und der persönlichen Sinnsuche, weil Drewermann nicht abstrakt-dogmatisch, sondern existenziell, biografisch und psychologisch spricht. Schülerinnen und Schüler können an seinen Kriegserfahrungen, seinen frühen Gottesbildern und den späteren Brüchen mit der Institution Kirche exemplarisch nachvollziehen, wie sich Glaube im Laufe eines Lebens verändern, reifen und konflikthaft werden kann. So wird biografisches Lernen im religiösen Kontext ermöglicht: Die Lernenden vergleichen eigene Vorstellungen von Gott, Freiheit, Angst und Schuld mit den Erfahrungen und Deutungen Drewermanns und setzen diese in Beziehung zu biblischen Texten und kirchlicher Tradition.

Methodisch empfiehlt es sich, ausgewählte Ausschnitte der Sendung zu zeigen und mit klaren Beobachtungsaufträgen zu verbinden, etwa: „Woran erkennt man, was Drewermann für den Kern der Botschaft Jesu hält?“ oder „Wo erlebt ihr Spannungen zwischen Drewermann und der offiziellen Kirche?“. Im Anschluss können die Schülerinnen und Schüler zentrale Aussagen herausgreifen, paraphrasieren und kommentieren, entweder in Stillarbeit (z. B. als Lerntagebuch-Eintrag oder Kurzstatement) oder in Kleingruppen (Gesprächskarten, Placemat, Think-Pair-Share). Besonders fruchtbar ist es, einzelne thematische Linien, die im Interview deutlich werden – etwa Angst und Freiheit, Schuld und Strafe, die Rolle der Institution Kirche oder die Bedeutung von Mitgefühl – in Form von Arbeitsaufträgen zu vertiefen und mit passenden Bibelstellen zu verknüpfen, z. B. Heilungs- und Streitgespräche Jesu, Gleichnisse von Barmherzigkeit und Gericht oder Berufungsgeschichten. Auf diese Weise wird auch Drewermanns psychologischer Zugang zur Bibel nachvollziehbar und für Jugendliche anschlussfähig.

Das Medium eignet sich zudem sehr gut für Diskussionsformen wie Fishbowl, Pro-und-Contra-Runde oder ein „philosophisches Gespräch“ zu Leitfragen wie: „Braucht der Glaube die Kirche?“, „Gibt es wirklich böse Menschen?“ oder „Darf man Täter bemitleiden?“. Gerade Drewermanns deutliche Kirchenkritik kann im Unterricht dazu genutzt werden, differenziert über Chancen und Grenzen institutioneller Religion zu sprechen, ohne in pauschale Ablehnung oder naive Verteidigung zu verfallen. Unterrichtlich bietet das Video die Chance, Schülerinnen und Schüler zur eigenen Positionierung zu ermutigen und gleichzeitig eine Haltung des empathischen Verstehens zu fördern: Die Lernenden erleben einen Theologen, der Menschen in ihrer Zerbrechlichkeit ernst nimmt, Schuld nicht vorschnell moralisiert und die Botschaft Jesu konsequent von Barmherzigkeit und Heilung her deutet. Damit unterstützt das Medium zentrale Ziele des katholischen Religionsunterrichts: die Entwicklung eines reflektierten Glaubens, die Fähigkeit zum Dialog und zur Kritik sowie die Sensibilität für Leid, Unrecht und Versöhnung.

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