Das etwa 20 Minuten lange Video „König Herodes: Brutaler Mörder oder Friedensstifter?“ stellt Herodes den Großen als widersprüchliche historische Persönlichkeit vor. Ausgangspunkt ist das Bild des Kindermörders von Bethlehem im Matthäusevangelium. Das Video fragt, ob dieses Ereignis historisch belegt werden kann, und verweist darauf, dass weder andere biblische Texte noch der jüdische Geschichtsschreiber Flavius Josephus davon berichten.
Anschließend zeichnet das Video den politischen Aufstieg des Herodes nach. Thematisiert werden seine familiäre Herkunft, die römische Eroberung Jerusalems, seine Ernennung zum König, seine Abhängigkeit von Rom und sein geschickter Umgang mit wechselnden römischen Machthabern. Weitere Schwerpunkte sind seine religiöse Diplomatie, die Ermordung tatsächlicher oder vermeintlicher Gegner sowie seine großen Bauprojekte. Dazu gehören das Herodeion, Masada, Caesarea Maritima und der Ausbau des Jerusalemer Tempels.
Das Video zeigt Herodes zugleich als machtbewussten und gewalttätigen Herrscher, politisch klugen Vermittler, bedeutenden Baumeister und Garanten einer längeren Zeit ohne Bürgerkrieg. Es endet mit der offenen Frage, wie Herodes angesichts dieser widersprüchlichen Aspekte beurteilt werden soll.
Für den Religionsunterricht eignet sich das Video besonders für die Sekundarstufe I und die gymnasiale Oberstufe. Es kann im Zusammenhang mit der Weihnachtsgeschichte, der politischen Welt zur Zeit Jesu, dem Verhältnis von Religion und Herrschaft, der Auslegung biblischer Texte oder der historischen Jesusforschung eingesetzt werden.
Vor dem Ansehen können die Lernenden notieren, was sie mit dem Namen Herodes verbinden. Vermutlich wird dabei vor allem der Kindermord von Bethlehem genannt. Diese ersten Vorstellungen werden nach dem Video erneut betrachtet und gegebenenfalls verändert. Als vorbereitende Bibelarbeit bietet sich Matthäus 2 an. Die Lernenden untersuchen, wie Herodes, die Sterndeuter, Josef, Maria und Jesus dargestellt werden. Sie markieren Aussagen über Angst, Macht, Gewalt, Träume, Flucht und Rettung.
Dabei sollte geklärt werden, dass Herodes der Große nicht mit Herodes Antipas verwechselt werden darf, der in späteren neutestamentlichen Erzählungen auftritt. Außerdem ist zu beachten, dass das Matthäusevangelium von Sterndeutern spricht und weder ihre Zahl noch ihre spätere Bezeichnung als Könige nennt.
Während des Ansehens können die Lernenden eine Tabelle mit den Bereichen biblische Darstellung, historische Quelle, archäologischer Befund und Bewertung anlegen. Dadurch erkennen sie, dass das Video unterschiedliche Arten von Aussagen miteinander verbindet. Ebenso sinnvoll ist ein Beobachtungsauftrag zu den Rollen des Herodes als König, Gewaltherrscher, Vermittler, Baumeister und Vertreter römischer Interessen.
Nach jedem Kapitel kann das Video angehalten werden, damit die Lernenden zentrale Informationen sichern und offene Fragen formulieren. Für eine vertiefende Quellenkritik werden die Darstellung des Matthäusevangeliums, die im Video genannten Berichte des Flavius Josephus und archäologische Zeugnisse miteinander verglichen.
Die Lernenden sollen verstehen, dass das Fehlen eines außerbiblischen Beleges nicht automatisch beweist, dass ein Ereignis niemals stattgefunden hat. Es begrenzt jedoch die Möglichkeit, den Kindermord als historisch gesicherte Tatsache zu bezeichnen. Zugleich kann die theologische Funktion der Erzählung erschlossen werden. Matthäus stellt Herodes als bedrohten Herrscher dar, der dem von Gott gesandten Jesus mit Gewalt begegnet. Jesus erscheint ähnlich wie Mose als gefährdetes Kind, das vor einem gewalttätigen Herrscher gerettet wird. Ein Vergleich mit Exodus 1 und Exodus 2 macht diese Verbindung sichtbar.
Methodisch eignen sich ein Schreibgespräch, eine Urteilswaage, eine Quellenkonferenz, ein fiktives Streitgespräch oder eine Gerichtsverhandlung über die Bezeichnung des Herodes als Friedensfürst. Dabei ist zwischen Sachurteil und Werturteil zu unterscheiden. Ein Sachurteil berücksichtigt Quellen, politische Bedingungen und historische Folgen. Ein Werturteil fragt nach Menschenwürde, Gewalt, Gerechtigkeit und Verantwortung.
Der im Video verwendete Friedensbegriff sollte kritisch geprüft werden. Vierzig Jahre ohne Bürgerkrieg bedeuten nicht automatisch gerechten Frieden. Politische Stabilität kann auch durch Abhängigkeit, Überwachung und Gewalt hergestellt werden. Religionspädagogisch lässt sich daran die Unterscheidung zwischen einem Frieden als bloßer Abwesenheit von Krieg und einem Frieden als Zustand von Gerechtigkeit, Freiheit und Teilhabe erarbeiten.
Ebenso sollte die Bezeichnung Herodes als jüdischer König differenziert behandelt werden. Seine Herrschaft stand unter römischem Einfluss, seine familiäre Herkunft wurde angezweifelt und seine religiöse Politik war von unterschiedlichen Erwartungen geprägt. Die Darstellung darf nicht zu pauschalen Aussagen über das Judentum führen. Stattdessen bietet das Video die Möglichkeit, die religiöse Vielfalt und die politischen Spannungen im antiken Judäa wahrzunehmen.
Für den Religionsunterricht bietet dieses Video eine hervorragende Basis, um historische, politische und theologische Perspektiven auf die Gestalt Herodes miteinander zu verbinden und die Weihnachtsgeschichte kritisch-aufgeschlossen zu vertiefen. Lernende können nachvollziehen, wie biblische Texte, insbesondere das Matthäusevangelium, mit starken Bildern arbeiten, um theologische Aussagen zuzuspitzen – etwa indem Herodes als radikaler Gegenspieler des „Königs der Juden“ inszeniert wird – und wie diese Erzählweise das Herodesbild bis heute prägt. Zugleich lädt die Dokumentation dazu ein, Herodes als realen historischen Herrscher wahrzunehmen, der einerseits hart, brutal und machterhaltend agierte, andererseits aber auch als „Friedenskönig“ im Schatten Roms über Jahrzehnte Stabilität und Wohlstand ermöglichte. Diese Spannung eignet sich besonders gut für Urteilsbildung, Perspektivwechsel und für die Frage, wie Geschichte erzählt und gedeutet wird: Welche Rolle spielen Interessen, Machtverhältnisse und religiöse Deutungsmuster? Im Unterricht kann das Video mit der biblischen Herodes-Darstellung in Mt 2 verglichen, mit Josephus-Texten ergänzt oder mit anderen Medien (Podcast zur Kindermord-Erzählung, historische Karten, Tempel- und Stadtrekonstruktionen) verknüpft werden. Denkbar sind Arbeitsaufträge, in denen die Schüler:innen Herodes einmal aus Sicht des Evangelisten Matthäus, dann aus Sicht eines römischen Statthalters oder eines jüdischen Pilgers beurteilen, oder in denen sie die Begriffe „brutaler Tyrann“, „Friedensstifter“, „Baumeister“ und „Klientelkönig“ diskutieren und gegeneinander abwägen. So wird das Video zu einem Lernanlass, um historische Kritik, Quellenarbeit und theologische Reflexion in der Advents- und Weihnachtszeit miteinander zu verbinden.