Das Medium eignet sich für den Religionsunterricht der Primarstufe und der Sekundarstufe sowie für die kirchliche Bildungsarbeit. Die Bibelarbeiten können vollständig oder in einzelnen Abschnitten als Grundlage für Unterrichtseinheiten verwendet werden. Sie ermöglichen Lernenden einen anschaulichen Zugang zur Person des Paulus und zur Entstehung der frühen Kirche. Die Erzählungen regen dazu an, über Glaubensentscheidungen, Mut, Verantwortung, Berufung, Vergebung, Gemeinschaft und die Ausbreitung des Christentums nachzudenken. Die zahlreichen Gesprächsimpulse und Fragen zur Weiterarbeit fördern die eigenständige Erschließung der biblischen Texte sowie die Entwicklung religiöser Urteilskompetenz. Besonders gewinnbringend ist der Einsatz dialogischer und handlungsorientierter Methoden wie Rollenspiel, Bibliolog, Standbild, Perspektivwechsel, kreatives Schreiben, Figureninterview oder Lerntagebuch. Auch Kartenarbeit zu den Missionsreisen des Paulus, Gruppenarbeit zur Analyse der Konflikte der frühen Gemeinden oder Vergleiche zwischen den verschiedenen Stationen seines Lebens bieten sich an. Die im Medium enthaltenen Anregungen für Anspiele und szenische Darstellungen unterstützen einen erfahrungsbezogenen Religionsunterricht und ermöglichen eine aktive Auseinandersetzung mit den biblischen Inhalten. Da die Bibelarbeiten aus einer bekenntnisorientierten Perspektive entstanden sind, empfiehlt sich im schulischen Religionsunterricht eine didaktische Einordnung, die unterschiedliche theologische Positionen berücksichtigt und Lernenden Raum für eigene Fragen, Deutungen und kritische Reflexion eröffnet. Auf diese Weise trägt das Medium zur Förderung von Bibelkompetenz, historischer Orientierung, ethischer Urteilsfähigkeit und religiöser Sprachfähigkeit bei.
Im Vorwort betont Hoffarth, dass die Bibelarbeiten bewusst unterschiedlich gestaltet sind, da sie in verschiedenen Situationen entstanden: Kinderfest, altersgetrennte Gruppen, Lagergottesdienste u. a. Das Material arbeitet stark mit Rollenspielen, Impulsen, Gesprächsanlässen, Beobachtungsaufgaben, Vergleichen zwischen Bibelübersetzungen, Deutungen von Visionen sowie Bezügen zur Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen. Wiederkehrendes Ziel ist es, die biblischen Texte existenziell erfahrbar zu machen und zum Nachdenken über eigene Entscheidungen, Prägungen und Glaubenswege anzuregen.
Die Bibelarbeiten folgen dem Weg des Paulus vom Verfolger zum Apostel. Ausgehend von den Erzählungen über Stephanus (Apg 7–8) wird Saulus zuerst als Gegner der jungen Gemeinde charakterisiert. Die Steinigung des Stephanus wird genutzt, um Lernende mit der Frage zu konfrontieren, wozu Menschen fähig sind, was sie in Rage versetzt und welche Konsequenzen „Zeugen sein“ haben kann. Die Rollen von Saulus („Aufpasser“) und Stephanus („erster Märtyrer“) werden kontrastiert – einschließlich der jüdischen Praxis der Steinigung, der Rolle der Zeugen und der starken theologischen Aussage „Das Blut der Märtyrer ist der Same der Kirche“.
Es folgt die große Wende des Paulus (Apg 9): Die Bekehrung wird als dramatischer Umbruch dargestellt, der den Lernenden die Themen Gehorsam, Vertrauen, göttliche Führung, Visionen und die Bedeutung von Glaubenswagnissen nahebringt. Besonders stark hervortritt der Gedanke, dass Glaube immer auch ein praktisches Wagnis ist („Glaube als Vollzug“). Die Begegnung mit Hananias zeigt, wie Gott auch „einfache Christen“ in seinen Dienst nimmt, und lädt zum Nachdenken über Mut, Berufung und Vergebung ein.
Der Zwischenbericht zu Apg 9–11 zeichnet nach, wie Paulus’ Empfang in der Gemeinde zunächst von Angst begleitet ist und wie Barnabas als vermittelnde Figur seine Aufnahme ermöglicht – ein Beispiel für die Bedeutung von Fürsprache und Vertrauen. Die Entwicklung der Gemeinde von Antiochia wird als frühe Missionszentrale und als Ort betont, an dem zum ersten Mal der Name „Christen“ auftaucht.
Das Jerusalemer Apostelkonzil (Apg 15) wird als klassisches Beispiel für Konfliktlösung und Gemeindeleitung dargestellt: Die Frage, ob Heiden Christen werden dürfen, ohne Juden zu werden, wird anhand der Argumentation von Petrus und Jakobus entfaltet. Für heutige Lernende eignet sich diese Szene, um Kompromissfähigkeit, theologisches Urteilsvermögen und den Umgang mit Meinungsverschiedenheiten zu thematisieren.
Mit Apg 16 beginnt die Darstellung der zweiten Missionsreise und damit der Übertritt nach Europa. Die Vision des mazedonischen Mannes wird als Beispiel gedeutet, wie Gott Wege durchkreuzen und neu öffnen kann. Die Bekehrung Lydias zeigt die Bedeutung von Frauen in den frühen Gemeinden sowie die sozialen Dynamiken von Hausgemeinschaften.
Die darauffolgenden Ereignisse in Philippi (Apg 16,16–40) verbinden konfliktgeladene Alltagssituationen – Ausnutzung und Missbrauch, wirtschaftliche Interessen, ungerechte Verfolgung – mit dem kraftvollen Handeln Gottes. Die Gefangenschaft von Paulus und Silas, ihr Singen im Gefängnis und das Erdbeben werden genutzt, um über Gottes Beistand in Krisen, über Lobpreis trotz Leid und über Zivilcourage nachzudenken. Die Bekehrung des Gefängniswärters veranschaulicht, wie existenziell die Frage nach Rettung erlebt werden kann.
Weitere Bibelarbeiten (Apg 22–23; 23; 27–28) beleuchten das Zeugnis des Paulus vor politischen Instanzen, die List seiner Gegner, seine Rettung und schließlich seine Reise nach Rom. Dabei werden Fragen der Verantwortung, der Standhaftigkeit im Glauben und der Bedeutung von Gottes Schutz in Bedrängnissen behandelt.
Enthaltene Materialien und ihr Einsatz im Unterricht
1. Die Bombe mit Zeitzünder (Apostelgeschichte 7,59 bis 8,1)
Die Lernenden beschäftigen sich mit der Rolle des Saulus bei der Steinigung des Stephanus. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie prägende Erlebnisse Menschen verändern können und wie Gottes Wirken oft bereits beginnt, bevor Menschen selbst Veränderungen wahrnehmen. Die Einheit regt zur Reflexion über persönliche Erfahrungen, Entscheidungen und Lebensveränderungen an.
2. Der erste Märtyrer (Apostelgeschichte 7,54 bis 8,3)
Die Lernenden setzen sich mit dem Tod des Stephanus auseinander und lernen den Begriff Märtyrer kennen. Sie analysieren die Ursachen des Konflikts, sprechen über Glaubenszeugnis und Verfolgung sowie über die ersten Schritte des Saulus als Christenverfolger. Gespräch, Textvergleich und Diskussion bilden den Schwerpunkt der Einheit.
3. Vom Verfolger zum Nachfolger (Apostelgeschichte 9,1 bis 9)
Die Bekehrung des Saulus wird als Wendepunkt seines Lebens erschlossen. Die Lernenden untersuchen die Bedeutung von Umkehr, Vertrauen und Berufung und reflektieren persönliche Veränderungen. Die Einheit eignet sich besonders für Rollenspiele, Standbilder und biografische Zugänge.
4. Saulus in Damaskus (Apostelgeschichte 9,10 bis 19)
Die Begegnung zwischen Hananias und Saulus verdeutlicht Vertrauen, Mut und Versöhnung. Im Unterricht wird erarbeitet, wie Hananias trotz seiner Angst Gottes Auftrag annimmt. Die Lernenden sprechen über Vergebung, Vertrauen und christliche Gemeinschaft sowie über die Bedeutung von Taufe und Neuanfang.
Zwischenbericht (Apostelgeschichte 9,20 bis 31 und 11,25 bis 26)
Die Lernenden verfolgen den weiteren Lebensweg des Paulus nach seiner Bekehrung. Sie lernen Barnabas als wichtigen Begleiter kennen und erschließen die Entstehung der ersten christlichen Gemeinden. Kartenarbeit und Zeitleisten bieten sich zur Sicherung an.
5. Konferenz in Jerusalem (Apostelgeschichte 15,1 bis 20)
Im Mittelpunkt steht der erste große Konflikt der frühen Kirche. Die Lernenden setzen sich mit unterschiedlichen Positionen auseinander und erleben, wie Konflikte durch Beratung und gemeinsames Entscheiden gelöst werden können. Rollenspiele und Debatten eignen sich besonders zur Umsetzung.
6. Das Evangelium kommt nach Europa (Apostelgeschichte 16,9 bis 15)
Die Missionsreise des Paulus nach Philippi wird erschlossen. Die Lernenden untersuchen Gottes Führung sowie die Begegnung mit Lydia und lernen die Entstehung der ersten christlichen Gemeinde Europas kennen. Kartenarbeit und die Analyse der Missionsreisen vertiefen das Verständnis.
6. Nehmen wir die Zeichen ernst (Apostelgeschichte 16,9 bis 15)
Diese Ansprache vertieft das Thema der göttlichen Führung. Die Lernenden reflektieren, wie Menschen Entscheidungen treffen und welche Bedeutung Zeichen, Vertrauen und Orientierung im Glauben besitzen. Die Einheit eignet sich besonders für Gesprächsrunden und persönliche Reflexionen.
7. Eine Befreiung und ihre Folgen (Apostelgeschichte 16,16 bis 40)
Die Befreiung einer Wahrsagerin, die Gefangenschaft des Paulus und die Bekehrung des Gefängnisaufsehers bilden den Schwerpunkt. Im Unterricht werden Freiheit, Hoffnung, Vertrauen, Gebet und Gottes Wirken in schwierigen Lebenssituationen thematisiert. Rollenspiele und Textarbeit fördern die Auseinandersetzung mit den Ereignissen.
8. Den Glauben verantworten (Apostelgeschichte 22,30 bis 23,11)
Die Lernenden analysieren die Verteidigungsrede des Paulus vor dem Hohen Rat. Im Mittelpunkt stehen das Einstehen für den eigenen Glauben, Zivilcourage und der respektvolle Umgang mit unterschiedlichen Überzeugungen. Diskussionsformen und Argumentationstraining eignen sich besonders für diese Einheit.
9. Rettung in letzter Minute (Apostelgeschichte 23,12 bis 33)
Die geplante Ermordung des Paulus und seine Rettung zeigen Gottes Bewahrung und menschliche Verantwortung. Die Lernenden untersuchen die Handlung der beteiligten Personen und reflektieren über Mut, Loyalität und Vertrauen. Die Einheit eignet sich für Perspektivwechsel und Gruppenarbeit.
10. Weltreisender für Gott (Apostelgeschichte 27 und 28)
Die letzte Bibelarbeit behandelt die Schiffsreise nach Rom, den Schiffbruch und die Ankunft des Paulus. Die Lernenden beschäftigen sich mit Vertrauen in Krisenzeiten, Hoffnung und Standhaftigkeit. Kartenarbeit, Erzählmethoden und kreative Aufgaben ermöglichen eine anschauliche Erarbeitung der Ereignisse.
Anhang: Gott kann (Apostelgeschichte 9,1 bis 19 und 18,9 bis 10)
Die Ansprache eignet sich als Impuls für Andachten, Gottesdienste oder den Unterricht. Im Mittelpunkt stehen Gottes Handeln, Ermutigung und Vertrauen. Die Inhalte können als Gesprächsanlass oder als Abschluss einer Unterrichtsreihe verwendet werden.
Karten zu den Missionsreisen des Paulus
Die Karten veranschaulichen die Wege des Paulus durch Kleinasien und Europa. Im Unterricht dienen sie der geografischen Orientierung, der Rekonstruktion der Missionsreisen sowie der historischen Einordnung der Ausbreitung des frühen Christentums.