I. Einführung (ca. 10 Min.)
Ziel: Sensibilisierung für die symbolische und spirituelle Macht des Geldes.
Ablauf:
Impulsfrage an die Klasse (Tafelanschrift):
„Was würdest du tun, wenn Geld keine Rolle mehr spielen würde?“
Lernende antworten spontan; Lehrkraft notiert Stichworte.
Visualisierung: Lehrkraft zeigt zwei Bilder:
Eine Hostie
Eine glänzende Euromünze
„Was verbindet ihr damit?“
Überleitung: Vorstellung des Textes von Christoph Schulte und der These:
„Geld ist zum Gott geworden.“
II. Diskussion (ca. 20 Min.)
Ziel: Erarbeitung zentraler Gedanken des Textes.
Arbeitsphase (Gruppenarbeit):
Die Klasse wird in 4 Gruppen eingeteilt, jede erhält einen Abschnitt mit Leitfrage:
Abschnitt 1 – „Hostie und Münze“
Welche Parallelen zwischen Religion und Wirtschaft nennt der Text?
Abschnitt 2 – „Opfertiere kaufen – für Heil“
Wie entstand Geld laut Baudet aus religiösen Opferritualen?
Abschnitt 3 – „Obolus für Gefälligkeiten“
Wie hängt Geld historisch mit Opferkult und Wertmessung zusammen?
Abschnitt 4 – „Sakrileg Marktkritik“
Warum ist Marktkritik heute ein „Sakrileg“ – und was sagt das über unsere Gesellschaft aus?
Gruppen notieren Ergebnisse auf Plakat oder Tablet.
Jede Gruppe markiert im Text 2–3 zentrale Zitate.
Abschnitt 1 – „Hostie und Münze“
Frage: Welche Parallelen zwischen Religion und Wirtschaft nennt der Text?
Antwort: Der Text zeigt, dass Religion und Wirtschaft eng miteinander verbunden sind. Viele Begriffe stammen aus beiden Bereichen (z. B. Erlös, Kredit, Schuld, Offenbarungseid). Beide Systeme haben Rituale, Priesterfiguren und ein Glaubensbekenntnis. Während Religion Erlösung im Jenseits sucht, verspricht die Wirtschaft „Erlös“ im Diesseits. Geld wird so zu einer Art Ersatz-Gott, dem Menschen Vertrauen, Hoffnung und Opfer schenken.
Abschnitt 2 – „Opfertiere kaufen – für Heil“
Frage: Wie entstand Geld laut Baudet aus religiösen Opferritualen?
Antwort: Baudet erklärt, dass Geld seinen Ursprung im religiösen Opferkult hat. Früher mussten für Opfer Tiere oder Güter gekauft werden – „Materie für Heil“. So entstand eine Art heiliger Tauschhandel zwischen Mensch und Gott. Das Opfern war die erste Form von Verhandlung, Wertbestimmung und Schuldenausgleich. Diese Praxis wurde später zur Grundlage des ökonomischen Denkens und zum Vorläufer des Geldsystems.
Abschnitt 3 – „Obolus für Gefälligkeiten“
Frage: Wie hängt Geld historisch mit Opferkult und Wertmessung zusammen?
Antwort: Laut Bernhard Laum entwickelte sich Geld aus der Auswahl und Bewertung von Opfertieren. Im Kult lernte der Mensch, Dinge zu vergleichen und zu bewerten – der Anfang wirtschaftlichen Denkens. Der Begriff „Obolus“ (kleine Münze) stammt vom „Obelos“ (Spieß für das Opferfleisch). So wurde das Opfergut zum Maßstab für Wert. Geld war ursprünglich ein „heiliges Gut“ – eine staatlich und religiös garantierte Tauschform zwischen Menschen und Göttern.
Abschnitt 4 – „Sakrileg Marktkritik“
Frage: Warum ist Marktkritik heute ein „Sakrileg“ – und was sagt das über unsere Gesellschaft aus?
Antwort: In der modernen Gesellschaft gilt der Markt fast als unantastbar – wer ihn kritisiert, begeht eine Art „Gotteslästerung“. Zweifel an der „unsichtbaren Hand des Marktes“ werden seltener geduldet als Zweifel an Gott. Das zeigt: Der Kapitalismus hat religiöse Züge angenommen – mit Glaubenssätzen, Priestern (Ökonomen) und Dogmen. Schulte fordert daher eine „ökonomische Aufklärung“, um den Geldglauben zu entzaubern und echte Werte neu zu entdecken.
III. Praktische Anwendung (ca. 25 Min.)
Ziel: Übertragung der Thematik auf heutige Lebenswelt.
Aufgabe (Partnerarbeit):
Jeder Schüler überlegt: „Wo erlebe ich in meinem Alltag Geld als etwas ‚Heiliges‘ oder ‚Allmächtiges‘?“
Danach erarbeiten die Paare eine symbolische Darstellung:
Eine kurze Szene, Collage, Symbolfigur oder Mini-Gottesdienst für den „Gott Mammon“.
Leitfrage: „Wie beten wir heute unbewusst das Geld an?“
Kreative Formen sind ausdrücklich erlaubt: Theater, Symbolbild, Meme, Raptext, Gebet, Spot etc.
Frage 1: „Wo erlebe ich in meinem Alltag Geld als etwas ‚Heiliges‘ oder ‚Allmächtiges‘?“
Mögliche Beispiele:
Wenn Menschen Reichtum mit Erfolg oder Glück gleichsetzen.
Wenn man sich schämt, wenig Geld zu haben.
Wenn der Wert eines Menschen an seinem Einkommen oder Besitz gemessen wird.
Wenn Markennamen oder Statussymbole über Selbstwert entscheiden.
Wenn in den Medien Reiche wie Stars verehrt werden.
Wenn Menschen ihre Gesundheit, Freizeit oder Beziehungen für mehr Geld opfern.
Wenn Konsum (Shopping, Technik, Mode) wie eine Ersatzreligion funktioniert.
Wenn Spenden oder Geschenke nur noch „Marketing“ sind, kein echtes Geben.
Wenn Wirtschaftswachstum wichtiger ist als Umwelt oder Mitmenschlichkeit.
Wenn Geld Sicherheit, Macht und Kontrolle verspricht – wie ein moderner Gott.
Frage 2: „Wie beten wir heute unbewusst das Geld an?“
Mögliche symbolische oder sprachliche Beispiele:
Wir sagen: „Zeit ist Geld“, als wäre Geld das höchste Gut.
Wir pilgern zu Einkaufszentren oder Online-Shops wie zu Tempeln.
Wir zahlen mit Kreditkarten – wie mit Opfergaben.
Wir opfern Lebenszeit, Gesundheit und Gemeinschaft dem „Geldgott“.
Werbung verspricht „Erlösung“ durch Kauf: „Dieses Produkt macht dich glücklich!“
Banken und Marken erscheinen wie „Kirchen des Wohlstands“.
Wir beten nicht mit Worten, sondern mit Klicks, Likes und Käufen.
Wir feiern „Black Friday“ als heiligen Feiertag des Konsums.
Reichtum wird mit göttlichem Segen verwechselt („Wer viel hat, muss etwas richtig gemacht haben“).
Wir vertrauen auf den „Markt“, als wäre er eine unsichtbare, weise Macht.
IV. Präsentation der praktischen Anwendung (ca. 15 Min.)
Ziel: Sichtbarmachen der Ergebnisse und kritische Deutung.
Jede Gruppe präsentiert in 2–3 Minuten ihr Symbol oder ihre Szene.
Danach kurze Rückfrage:
„Was hat euch beim Gestalten irritiert oder nachdenklich gemacht?“
V. Reflexion und Zusammenfassung (ca. 10 Min.)
Ziel: Bewusstmachen der religiösen Dimension von Geldglauben.
Plenumsdiskussion:
Ist Geld unser moderner Götze?
Was wäre eine „christliche“ Haltung zum Geld?
Wie kann man „ökonomische Aufklärung“ im Sinne Schultes betreiben?
Schlussgedanke an der Tafel:
„Man kann nicht Gott dienen und dem Mammon.“ (Mt 6,24)
VI. Hausaufgabe
Wahlaufgabe (differenziert):
Kreativ: Verfasse ein „Gebet an den Gott Mammon“ – als Satire oder Kritik.
Analytisch: Schreibe eine halbe Seite darüber, ob Kapitalismus eine Religion ist.
Spirituell: Finde eine Bibelstelle, die deine Haltung zum Geld beschreibt, und erläutere sie.
VII. Abschließende Worte (5 Min.)
Die Lehrkraft schließt mit einem Zitat aus Schultes Text:
„Da lohnt es vielleicht doch, eher wieder einem aufgeklärten Gottesglauben treu zu sein statt einem heillosen Geldglauben.“
Kurzer Impuls: Was bedeutet „aufgeklärter Gottesglaube“ heute?
VIII. Zusätzliche kreative Ideen
Kunstverbindung: Schüler gestalten eine moderne Ikone des „Mammon“ (Goldfolie, Karton, Symbole von Banken/Marken).
Ethik-Workshop: „Meine Werte – was hat für mich wirklich Wert?“
Musikalische Reflexion: Songanalyse z. B. „Money“ (Pink Floyd) oder „Preis“ (Judith Holofernes).
Projektidee: „Markt der Werte“ – Schüler gestalten symbolische Stände mit „Werten statt Waren“.
IX. Bibelzitate zur Vertiefung
Matthäus 6,24: „Niemand kann zwei Herren dienen … Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.“
Lukas 12,15: „Hütet euch vor aller Habgier; denn niemand lebt davon, dass er viele Güter hat.“
1. Timotheus 6,10: „Denn die Wurzel aller Übel ist die Geldgier.“
Apostelgeschichte 8,20: „Dein Geld fahre mit dir ins Verderben, weil du meinst, Gottes Gabe lasse sich für Geld kaufen.“
Sprüche 11,28: „Wer auf seinen Reichtum vertraut, wird fallen.“