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Hubertus Holschbach | ru-digitalChristoph ThomaSchulamt Innsbruck

Hubertus Holschbach | ru-digital,

Christoph Thoma,

Schulamt Innsbruck

Wann sind wir zu dem geworden, was wir haben? MB 1187

Veröffentlichung:1.1.1970

Die Unterrichtsstunde „Wann sind wir zu dem geworden, was wir haben?“ mit zehn Seiten reflektiert kritisch unsere konsumgetriebene Gesellschaft. Hein beschreibt, wie Menschen aus Unsicherheit, Vergleich und Selbstzweifel heraus kaufen – nicht aus Bedarf, sondern um sich kurzfristig besser zu fühlen. Historisch zeigt sich seit der Neuzeit ein Wandel: Neu gilt als wertvoller als alt, Besitz wird zum Zeichen von Identität. Doch das „Mehr-Haben“ macht nicht freier, sondern belastet – „Was man hat, das hat einen.“ In Anlehnung an Tolstois Parabel „Wie viel Erde braucht der Mensch?“ stellt der Text die zentrale Frage: Wie viel ist genug? Er ruft zu einem bewussteren Leben auf, das innere Fülle statt äußeren Überfluss sucht – und erinnert daran, dass echter Wert nicht im Besitz, sondern in Beziehung, Dankbarkeit und Maß liegt.

Der Beitrag „Wann sind wir zu dem geworden, was wir haben?“ von Theresa Hein setzt sich kritisch mit Konsumverhalten, Besitz und der Frage nach dem Zusammenhang von Selbstwert und materiellen Gütern auseinander. Ausgehend von persönlichen Erfahrungen reflektiert die Autorin, warum Menschen häufig Dinge kaufen, die sie eigentlich nicht benötigen, und welche psychologischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Mechanismen dahinterstehen. Expertinnen und Experten aus Psychologie, Soziologie und Geschichtswissenschaft erläutern die Entstehung moderner Konsumkulturen, die Rolle von Werbung sowie die Verknüpfung von Identität und Besitz. Der Text hinterfragt die Logik ständigen Neukaufens und eröffnet Perspektiven auf Nachhaltigkeit, Reparaturkultur, Genügsamkeit und die Suche nach einem erfüllten Leben jenseits materieller Anhäufung.

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I. Einführung (ca. 10 Minuten)

Ziel: Einstieg über persönliche Betroffenheit und Neugier.

Methode: Impuls, Selbsterfahrung, Austausch.

Impulsfrage an der Tafel:

„Wann bist du zuletzt schwach geworden und hast etwas gekauft, das du nicht wirklich brauchtest?“

Kurze Einzelreflexion (1–2 Minuten) – Schüler notieren spontan drei Dinge, die sie „eigentlich nicht gebraucht hätten“.

Austausch in Kleingruppen (3–4 Schüler):

Was löst Konsum bei euch aus? Freude, Reue, Statusgefühl, Ablenkung?

Lehrkraft: Verknüpft mit Textthema – „Theresa Hein beschreibt, dass Konsum ein Spiegel unserer Unsicherheiten ist. Heute fragen wir: Wann sind wir zu dem geworden, was wir haben – und was bedeutet das im Licht biblischer Werte?“


II. Diskussion (ca. 20 Minuten)

Ziel: Den zentralen Konflikt verstehen – Besitz, Identität und Leere.

Material: Textauszüge (S. 2–7, 9–10), evtl. aufgeteilt.

Gruppenarbeit (3er-Teams): Jede Gruppe erhält einen markierten Textabschnitt:

A: Psychologische Mechanismen des Konsums

B: Historische Entwicklung („Neu ist besser“)

C: Gesellschaftliche Folgen („Was man hat, das hat einen“)

D: Die Tolstoi-Parabel (Pachom – „Wie viel Erde braucht der Mensch?“)

Leitfragen:

Welches Menschenbild steckt in diesem Abschnitt?

Welche Ängste oder Sehnsüchte werden sichtbar?

Wie könnte Religion darauf antworten?

Kurze Gruppenzusammenfassung im Plenum (je 2 Minuten).



Psychologische Mechanismen des Konsums

Textstellen: S. 2–4

Zentrale Idee: Menschen konsumieren, um innere Unsicherheiten zu kompensieren.

1. Welches Menschenbild steckt hier?

Der Mensch erscheint als verletzlich, verführbar und suchend.

Identität wird durch äußere Dinge gestützt („Ich bin, was ich trage“).

Werbung nutzt emotionale Schwächen – der Mensch ist nicht autonom, sondern leicht manipulierbar.

2. Welche Ängste oder Sehnsüchte werden sichtbar?

Angst, nicht schön, nicht genug, nicht wertvoll zu sein.

Sehnsucht nach Selbstbestätigung, Zugehörigkeit, Einzigartigkeit.

Konsum wird zum Ersatz für Beziehung, Sinn oder Geborgenheit.

3. Wie könnte Religion darauf antworten?

Christliche Botschaft: Der Mensch ist schon wertvoll, ohne Leistung oder Besitz.

Biblisch: „Du bist wunderbar gemacht“ (Ps 139,14).

Religion bietet Identität durch Beziehung zu Gott, nicht durch äußeren Besitz: → „Du bist, was du liebst – nicht, was du hast.“


Historische Entwicklung („Neu ist besser“)

Textstellen: S. 8–9

Zentrale Idee: In der frühen Neuzeit verändert sich der Wertmaßstab – neu wird besser als alt.

1. Welches Menschenbild steckt hier?

Der Mensch wird zum Eroberer und Gestalter der Welt.

Fortschritt, Macht und Kontrolle über Natur und Dinge werden zum Ideal.

Identität entsteht durch Verfügbarkeit und Erneuerung – „Ich zeige, dass ich modern bin.“

2. Welche Ängste oder Sehnsüchte werden sichtbar?

Angst, zurückzubleiben, nicht „up to date“ zu sein.

Sehnsucht nach Wachstum, Einfluss, Unsterblichkeit durch Besitz.

Wunsch, das Alte zu überwinden, Neues zu schaffen – fast wie eine religiöse Verheißung des „Fortschritts“.

3. Wie könnte Religion darauf antworten?

Biblische Schöpfungstheologie: Der Mensch soll verwalten, nicht beherrschen.

Religiöse Zeitperspektive: Ewigkeit ≠ immer Neues, sondern Beständigkeit in Beziehung.

„Siehe, ich mache alles neu“ (Offb 21,5) – aber anders: als Erneuerung des Herzens, nicht des Besitzes.


Gesellschaftliche Folgen („Was man hat, das hat einen“)

Textstellen: S. 6–8

Zentrale Idee: Besitz wird zur Last – Menschen sind gefangen in Dingen, nicht frei.

1. Welches Menschenbild steckt hier?

Der Mensch ist gefangen im selbst geschaffenen System aus Haben, Status, Vergleich.

Er wird zum Knecht seiner Dinge, verliert Freiheit und Einfachheit.

Beziehung zu anderen Menschen wird durch Besitz ersetzt oder überlagert.

2. Welche Ängste oder Sehnsüchte werden sichtbar?

Angst vor Leere, Bedeutungslosigkeit, Tod.

Sehnsucht nach Sicherheit, Dauer, Identität – die im Besitz gesucht, aber nie gefunden wird.

Besitz soll „das Nichts“ vertreiben, wie im Filmzitat von Agnès Varda.

3. Wie könnte Religion darauf antworten?

Biblisch: „Niemand kann zwei Herren dienen: Gott und dem Mammon“ (Mt 6,24).

Christliche Ethik: Freiheit entsteht durch Loslassen und Vertrauen.

Spiritualität der Genügsamkeit: „Was man hat, hat einen – es sei denn, man teilt es.“

Christliches Ideal: Teilen, Dankbarkeit, Schlichtheit.


Die Tolstoi-Parabel (Pachom – „Wie viel Erde braucht der Mensch?“)

Textstellen: S. 9–10

Zentrale Idee: Die Gier nach mehr führt in den Tod – am Ende bleibt das Maß des Grabes.

1. Welches Menschenbild steckt hier?

Der Mensch ist maßlos, getrieben von immer neuen Zielen.

Er verliert Maß und Mitte, erkennt das „Genug“ nicht.

Tragische Figur: glaubt, Leben durch Besitz zu gewinnen – und verliert es.

2. Welche Ängste oder Sehnsüchte werden sichtbar?

Angst, zu kurz zu kommen, zu wenig zu haben.

Sehnsucht nach Vollkommenheit, Kontrolle, Unsterblichkeit durch Besitz.

Gleichzeitig tiefe Angst vor dem Tod – Besitz soll Ewigkeit vortäuschen.

3. Wie könnte Religion darauf antworten?

Tolstois Erzählung hat fast biblischen Charakter: „Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber seine Seele verliert?“ (Mk 8,36).

Christliche Antwort: Maß finden in der Liebe, nicht im Haben.

Memento mori – Erinnerung an die Endlichkeit als Weg zur Weisheit.

Ziel: Freiheit durch Genügsamkeit, Vertrauen, Gemeinschaft.



Didaktischer Tipp:

Nach den Gruppenpräsentationen kann die Lehrkraft ein zentrales Tafelbild entwickeln:

Dimension Menschbild Angst/Sehnsucht Religiöse Antwort

A Psychologisch verletzlich, suchend Angst, nicht genug zu sein Identität in Gott

B Historisch fortschrittsgläubig Angst, zurückzubleiben Erneuerung des Herzens

C Gesellschaftlich besitzgetrieben Angst vor Leere Freiheit durch Loslassen

D Parabel maßlos Angst vor Tod Maß durch Liebe


III. Praktische Anwendung (ca. 25 Minuten)


Ziel: Selbstreflexion und kreative Übersetzung der Problematik.

Aufgabe:

„Entwerft eine Anti-Konsum-Kampagne, die auf innere Freiheit statt äußeren Besitz setzt.“

In Gruppen gestalten die Schüler ein Plakat, ein Mini-Video-Skript oder eine symbolische Aktion (z. B. Performance, Collage, Werbeslogan).

Leitgedanken:

„Wer will, dass ich das haben will?“ (aus dem Text)

„Was macht mich wirklich reich?“

Material: Papier, Stifte, ggf. Smartphones (Videooption).

Ziel: Eine religiös-ethische Haltung sichtbar machen – z. B. Dankbarkeit, Achtsamkeit, Genügsamkeit, Schöpfungsverantwortung.


IV. Präsentation der praktischen Anwendung (ca. 15 Minuten)

Ziel: Die kreativen Arbeiten stellen alternative Lebenshaltungen dar.

Jede Gruppe präsentiert kurz (2–3 Minuten).

Mitschüler geben Feedback: „Was spricht mich an?“ / „Welche Werte erkenne ich?“

Lehrkraft verbindet Rückmeldungen mit biblischer Perspektive.


V. Reflexion und Zusammenfassung (ca. 10 Minuten)

Ziel: Übertrag auf das eigene Leben und religiöse Dimension.

Leitfragen an die Klasse:

Was bedeutet für mich „reich sein“?

Wie könnte ich „Widerstand“ gegen den Konsumdruck leben?

Gibt es religiöse Vorbilder, die einfach lebten – und trotzdem erfüllt waren?

Schlussgedanke:

„Vielleicht schützt Besitz uns nicht vor dem Nichts – sondern trennt uns vom Wesentlichen.“


VI. Hausaufgabe

Schreibe ein persönliches Tagebuchfragment (½ Seite):

„Ein Tag, an dem ich nichts gekauft habe – und was das mit mir gemacht hat.“

Optional: Verbinde den Eintrag mit einem Bibelzitat deiner Wahl.


VII. Abschließende Worte

Die Lehrkraft schließt mit einem Gedanken von Leo Tolstoi:

„Was man hat, das hat einen.“

Und stellt die Frage:

„Was würdest du loslassen, um frei zu sein?“


VIII. Zusätzliche kreative Ideen

„Konsumfasten-Challenge“: Schüler verzichten eine Woche lang auf Käufe außer Notwendigem und führen Reflexions-Tagebuch.

„Kleiderberg im Klassenzimmer“: Jeder bringt ein überflüssiges Kleidungsstück mit; gemeinsam wird überlegt, was daraus werden kann (Spende, Tauschbörse, Kunstaktion).

Philosophischer Spaziergang: „Was brauche ich wirklich?“ – Schüler sammeln Gedanken in der Natur.


IX. Passende Bibelzitate

Matthäus 6,19–21: „Sammelt euch keine Schätze auf Erden, wo Motten und Rost sie fressen … denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.“

Lukas 12,15: „Gebt Acht! Hütet euch vor jeder Art von Habgier; denn das Leben eines Menschen besteht nicht darin, dass er im Überfluss seiner Güter lebt.“

Prediger 5,9: „Wer Geld liebt, wird des Geldes nicht satt.“

1. Timotheus 6,7–8: „Denn wir haben nichts in die Welt gebracht, und es ist klar, dass wir auch nichts hinausbringen können. Wenn wir Nahrung und Kleidung haben, soll uns das genügen.“

Sprüche 30,8–9: „Gib mir weder Armut noch Reichtum, ernähre mich mit dem Brot, das mir nötig ist.“

Hessen

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Sekundarstufe II | E1 Religion und Mensch in einer pluralen Welt

E1.2 Anthropologie und Religion.

Rheinland-Pfalz

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Sekundarstufe II | 11/2 Der Mensch auf der Suche nach Gott

11.2 / 5. Säkulare Heilsangebote und neue religiöse Bewegungen.

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