Der moderne Fortschrittsglaube erklärte die Theologie für überholt und stellte die Naturwissenschaft als Zukunftsträger dar. Heute besteht laut Moltmann kein offener Konflikt mehr, sondern eine Art spannungsfreie Koexistenz, in der sich Theologie und Naturwissenschaft gegenseitig nicht mehr als erkenntnisfördernd betrachten. Während Theologen ihre Wahrheitssuche auf die Auslegung überlieferter Texte stützen, richtet sich die Erkenntnisarbeit der Naturwissenschaftler auf die empirische Untersuchung und das Experiment. Moltmann verweist auf Kants Definition der modernen Vernunft, die nur das einsieht, was sie selbst hervorbringt, indem sie die Natur zu Antworten zwingt. Damit stellt sich die Frage, ob das Verhältnis von Theologie und Naturwissenschaft lediglich als Gegenüber von Tradition und Experiment, von Erinnerung und Labor zu verstehen ist, oder ob ein neuer Dialog möglich ist, der beide Perspektiven – Natur und Schöpfung – miteinander ins Gespräch bringt.