Didaktisch und methodisch bietet das Heft eine klare Struktur, die für den Unterricht direkt nutzbar ist. Ausgangspunkt ist eine chronologische Annäherung: Zunächst wird der Alltag der Juden zwischen 1933 und 1937 dargestellt – mit Themen wie Boykottaktionen, Arierparagraph, Nürnberger Gesetze, Jugendorganisationen und ersten Emigrationen. Dies eignet sich gut, um den schrittweisen Charakter der Entrechtung herauszuarbeiten. Im zweiten Abschnitt (1938) wird die Eskalation sichtbar: „Anschluss“ Österreichs, erste Massenverhaftungen, die Konferenz von Évian und die Abschiebungen polnischer Juden bilden die unmittelbare Vorgeschichte der Pogrome. Diese Zwischenkapitel bieten Lehrkräften die Möglichkeit, Ursachen und Dynamiken der Eskalation im Unterricht zu rekonstruieren.
Das dritte Kapitel behandelt den Anschlag von Herschel Grynszpan in Paris und zeigt, wie er von den Nationalsozialisten instrumentalisiert wurde. Schülerinnen und Schüler können hier methodisch an der Frage nach Propaganda und Vorwand arbeiten: Wie wird ein Einzelfall zur Legitimierung massiver Gewalt umgedeutet? Im vierten Abschnitt werden die eigentlichen Pogrome vom 7.–10. November 1938 anhand zahlreicher Quellen geschildert – Augenzeugenberichte, Fotos, Dokumente. Hier liegt der Schwerpunkt auf Quellenkritik und Perspektivübernahme: Wie haben jüdische Zeitzeugen die Gewalt erlebt? Wie verhielten sich Nachbarn, Polizei oder Feuerwehr? Die Materialien laden dazu ein, Täter, Mitläufer und Zuschauer differenziert zu betrachten. Das fünfte Kapitel thematisiert schließlich die Folgen: die panikartige Fluchtwelle, Kindertransporte, Auswanderung – ein Anknüpfungspunkt, um die Pogrome als „Katastrophe vor der Katastrophe“ zu deuten und den Übergang zum Holocaust aufzuzeigen.
Methodisch bietet das Heft viele Ansatzpunkte: Gruppenarbeit zu unterschiedlichen Quellengattungen (Briefe, Zeitungsartikel, Fotos), Plenumsdiskussionen zu Fragen wie „Spontaneität oder Befehl?“, biografische Annäherung durch Tagebucheinträge, oder auch kreative Verfahren wie das Erstellen von Gedenktafeln und Collagen mit Originalzitaten. Besonders hervorzuheben ist der interdisziplinäre Zugang: Geschichtsunterricht vermittelt den politischen Rahmen, während der Religionsunterricht Fragen nach Schuld, Verantwortung, Mitmenschlichkeit und Erinnerungskultur aufgreifen kann. Durch diese Verbindung von historisch-politischer Analyse und ethisch-religiöser Reflexion werden die Materialien zu einem besonders wertvollen Baustein im Lernprozess.