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Fritz Bauer Institut

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Novemberpogrome 1938 - »Was unfassbar schien, ist Wirklichkeit«

Veröffentlichung:23.9.2025

Das pädagogische Material „Novemberpogrome 1938. Was unfassbar schien, ist Wirklichkeit“ (PM 03) gibt einen Überblick über die Entwicklung von der Entrechtung der deutschen Juden seit 1933 bis hin zu den Ereignissen im November 1938. Es schildert den Terror der SA, die Nürnberger Gesetze, zunehmende Entrechtung und Emigration, den „Anschluss“ Österreichs und schließlich das Attentat von Herschel Grynszpan als Vorwand für die Pogrome. Dokumentiert werden Zerstörungen von Synagogen und Geschäften, Gewalt gegen jüdische Mitbürger, Massenverhaftungen sowie die Gleichgültigkeit oder Zustimmung vieler nichtjüdischer Deutscher. Die Materialien zeigen: Die Novemberpogrome markieren die „Katastrophe vor der Katastrophe“ – den Übergang von Diskriminierung und Entrechtung zur akuten Lebensbedrohung.

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Didaktisch und methodisch bietet das Heft eine klare Struktur, die für den Unterricht direkt nutzbar ist. Ausgangspunkt ist eine chronologische Annäherung: Zunächst wird der Alltag der Juden zwischen 1933 und 1937 dargestellt – mit Themen wie Boykottaktionen, Arierparagraph, Nürnberger Gesetze, Jugendorganisationen und ersten Emigrationen. Dies eignet sich gut, um den schrittweisen Charakter der Entrechtung herauszuarbeiten. Im zweiten Abschnitt (1938) wird die Eskalation sichtbar: „Anschluss“ Österreichs, erste Massenverhaftungen, die Konferenz von Évian und die Abschiebungen polnischer Juden bilden die unmittelbare Vorgeschichte der Pogrome. Diese Zwischenkapitel bieten Lehrkräften die Möglichkeit, Ursachen und Dynamiken der Eskalation im Unterricht zu rekonstruieren.

Das dritte Kapitel behandelt den Anschlag von Herschel Grynszpan in Paris und zeigt, wie er von den Nationalsozialisten instrumentalisiert wurde. Schülerinnen und Schüler können hier methodisch an der Frage nach Propaganda und Vorwand arbeiten: Wie wird ein Einzelfall zur Legitimierung massiver Gewalt umgedeutet? Im vierten Abschnitt werden die eigentlichen Pogrome vom 7.–10. November 1938 anhand zahlreicher Quellen geschildert – Augenzeugenberichte, Fotos, Dokumente. Hier liegt der Schwerpunkt auf Quellenkritik und Perspektivübernahme: Wie haben jüdische Zeitzeugen die Gewalt erlebt? Wie verhielten sich Nachbarn, Polizei oder Feuerwehr? Die Materialien laden dazu ein, Täter, Mitläufer und Zuschauer differenziert zu betrachten. Das fünfte Kapitel thematisiert schließlich die Folgen: die panikartige Fluchtwelle, Kindertransporte, Auswanderung – ein Anknüpfungspunkt, um die Pogrome als „Katastrophe vor der Katastrophe“ zu deuten und den Übergang zum Holocaust aufzuzeigen.

Methodisch bietet das Heft viele Ansatzpunkte: Gruppenarbeit zu unterschiedlichen Quellengattungen (Briefe, Zeitungsartikel, Fotos), Plenumsdiskussionen zu Fragen wie „Spontaneität oder Befehl?“, biografische Annäherung durch Tagebucheinträge, oder auch kreative Verfahren wie das Erstellen von Gedenktafeln und Collagen mit Originalzitaten. Besonders hervorzuheben ist der interdisziplinäre Zugang: Geschichtsunterricht vermittelt den politischen Rahmen, während der Religionsunterricht Fragen nach Schuld, Verantwortung, Mitmenschlichkeit und Erinnerungskultur aufgreifen kann. Durch diese Verbindung von historisch-politischer Analyse und ethisch-religiöser Reflexion werden die Materialien zu einem besonders wertvollen Baustein im Lernprozess.

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23.9.2025

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