Die Unterrichtssequenz gliedert sich in vier größere Schritte. Zunächst steht der Einstieg in das Thema über Bilder und Impulse zum „Unterwegssein“ im Vordergrund. Gemeinsam werden Kriterien wie Ziel, Anstrengung, Gefühle oder Freiwilligkeit erarbeitet, bevor durch einen Text von Papst Franziskus verdeutlicht wird, dass Pilgern eine innere Haltung verlangt und mehr bedeutet als eine äußere Reise. In einem zweiten Schritt werden die historischen und religiösen Wurzeln des Pilgerns vertieft. Mit Methoden wie dem Gruppenpuzzle beschäftigen sich die Lernenden mit Begriff, Merkmalen und biblischen Bezügen des Pilgerns, aber auch mit der Entwicklung von Wallfahrten und Pilgerwegen. Ein Gallery-Walk mit Erfahrungsberichten verschiedener Pilger eröffnet einen lebensnahen Zugang und ermöglicht Vergleiche zwischen unterschiedlichen Perspektiven.
Das Herzstück der Einheit bildet ein sechs Wochen dauerndes Langzeitprojekt, in dem die Schülerinnen und Schüler ein eigenes „Pilgertagebuch“ führen. Darin dokumentieren sie ihre alltäglichen Wege, Gedanken, Begegnungen oder Gefühle. Das kann analog, digital oder kreativ in unterschiedlichen Formaten geschehen. Wöchentliche Impulse geben Anregungen zur Reflexion, etwa die Fragen: Wer geht mit? Welche Orte sind mir wichtig? Wofür bin ich dankbar? Rituale im Unterricht – etwa das Vorstellen einzelner Tagebuchseiten – helfen, die Kontinuität zu sichern und das Projekt in den Unterrichtsalltag einzubinden.
Zum Abschluss folgt eine Phase der Reflexion und Auswertung. Hier tauschen sich die Lernenden in Partnergesprächen oder im Plenum über ihre Erfahrungen aus, unterstützt durch Impulskarten, die verschiedene Aspekte strukturieren. Eine schriftliche Reflexion rundet den Prozess ab, wobei die Lernenden ihre Herausforderungen, Einsichten und möglichen Konsequenzen für ihr weiteres Leben benennen. Symbolisch kann ein „Pilgerstempel“ als Erinnerung an das Projekt vergeben werden.
Didaktisch wichtig sind Sensibilität im Umgang mit persönlichen Erfahrungen und die Freiwilligkeit beim Teilen von Tagebuchinhalten. Zugleich stellen Motivation und Durchhaltevermögen eine Herausforderung dar, weshalb feste Rituale und Impulse hilfreich sind. Auch die Wahl zwischen analoger oder digitaler Umsetzung bietet unterschiedliche Chancen: Während das handschriftliche Arbeiten eine sinnliche Erfahrung ermöglicht, eröffnen digitale Formen multimediale Gestaltungsmöglichkeiten. Insgesamt versteht sich die Einheit als Einladung, den Religionsunterricht nicht nur kognitiv, sondern auch existenziell erfahrungsorientiert zu gestalten und den Schülerinnen und Schülern eine Form von „spirituellem Unterwegssein“ im Alltag zu eröffnen.