Der Übergang von Ethos zu Ethik vollzieht sich in der griechischen Philosophie, insbesondere bei Aristoteles. Ethik wird hier zu einer reflexiven Theorie des Handelns: Sie fragt, ob tradierte Sitten angemessen sind und wie das menschliche Leben richtig gestaltet werden kann. Ethik ist somit praktische Philosophie, die Nachdenken und Praxis miteinander verbindet.
Daneben stehen weitere zentrale Begriffe:
Moral (vom lat. mos, mores): die Gesamtheit an akzeptierten, tradierten Normen einer Gesellschaft. Während Ethik kritisch reflektiert, beschreibt Moral vor allem das Bestehende.
Sitte/Sittlichkeit: bis ins 19. Jh. der gebräuchlichere Begriff für Ethik, heute eher veraltet.
Deskriptive Ethik: beschreibt bestehende moralische Praktiken ohne Wertung.
Präskriptive bzw. normative Ethik: entwickelt Kriterien, wie Menschen handeln sollen.
Metaethik: reflektiert die Grundlagen und Argumentationsweisen ethischer Diskussion.
Sozialethik und Individualethik: Unterscheidung zwischen kollektivem und persönlichem Verhalten, wobei vieles letztlich sozialethisch relevant ist.
Fundamentalethik und materiale Ethik: Fundamentalethik klärt Begriffe und Prinzipien, materiale Ethik wendet diese auf konkrete Lebensbereiche an (z. B. Bio-, Wirtschafts-, Umweltethik).
Zentral sind auch die Begriffe Normen und Werte:
Normen sind Regeln oder Prinzipien, die Verhalten leiten; sie reichen von Gesetzen über Sitten bis hin zu persönlichen Maximen. Diskussionen entzünden sich daran, welche Normen universell gültig und welche kulturgebunden sind. Kriterien wie Universalisierbarkeit, Generalisierbarkeit, Freiheit, Diskursfähigkeit und Idealität helfen, mögliche universale Normen zu prüfen.
Werte sind grundlegende Zielsetzungen menschlichen Handelns (z. B. Vertrauen, Sicherheit). Normen beschreiben die Wege, Werte zu erreichen. Eine Werteethik versucht, zeitlose, kulturübergreifende Ziele zu bestimmen.
Abschließend grenzt der Vortrag Ethos/Moral als innerlich verpflichtetes Handeln vom Recht als äußerlich erzwungener Ordnung ab. Recht kann sittliche Normen aufnehmen, folgt aber oft gesellschaftlichem Wandel und Zeitgeist. In christlicher Perspektive gilt zunächst die Bindung an staatliches Recht, zugleich aber die Vorrangstellung des göttlichen Willens, falls weltliche Gesetze diesem widersprechen.
Zur Vertiefung verweist das Video auf einschlägige Standardwerke von u. a. Wilfried Härle, Helmut Burkhardt, Christopher Frey, Martin Honecker und Horst Afflerbach. Damit wird eine Grundlage gelegt, um in den weiteren Teilen der Serie konkrete Argumentationsmuster und Grundkonzepte ethischer Diskussion kennenzulernen.