Der Wiederaufbau ist mühsam: mit Spenden aus dem Ausland werden Klassenräume, Toiletten und Kapellen errichtet, doch das Geld reicht selten für stabile Bauten. Korruption und Pfusch am Bau verschärfen die Probleme. Neben seelsorglichen Aufgaben kümmern sich die Priester um Vorratshaltung und Nahrungsmittelhilfe, um Gemeinden unabhängiger von externer Hilfe zu machen. Auch die Verantwortung der Laien ist groß: sie leiten Gottesdienste, Schulen und Wohltätigkeitsarbeit.
In der Seelsorge stoßen die Missionare auf kulturelle Hürden: Viele Menschen erklären Schuld mit Einflüssen von außen – Teufel, Zauberer oder Verfluchung – und tun sich schwer, Eigenverantwortung zu übernehmen. Traditionelle Religionen bestehen parallel zum Christentum fort. Dennoch wächst die Kirche: jährlich kommen rund 1000 Mitglieder hinzu, es gibt zahlreiche Taufen und Hochzeiten, oft verbunden mit traditionellen Bräuchen wie der Mitgift.
Das Leben ist von Armut geprägt – 90 % der Gemeindemitglieder sind arbeitslos, nur wenige besitzen Land. Besonders wichtig wäre deshalb Bildung, doch geplante Projekte wie eine technische Schule scheitern an fehlender Finanzierung. Trotz aller Rückschläge bleibt der Glaube ein tragender Halt. Die Menschen sind tief religiös, Atheismus ist kaum bekannt. In Gottesdiensten kommen oft Tausende zusammen, auch in provisorischen Kapellen.
Der Priester vergleicht sein Leben zwischen Europa und Afrika: Während er die europäische Kirche als kalt und distanziert empfindet, erlebt er in Ruanda die Gemeinschaft als lebendig und warm, trotz aller materiellen Not. Die Mission ist für ihn eine Schule der Geduld und der Beständigkeit. Christsein bedeute hier, Verantwortung zu übernehmen, Rückschläge auszuhalten und im Glauben standhaft zu bleiben – auch wenn es Nachteile oder Gefahren bringt. Seine wichtigste Erfahrung: Die Begegnung mit den Menschen in ihrer Verschiedenheit zeigt, dass er nicht Mittelpunkt der Welt ist, sondern lediglich Vermittler – Christus ist es, von dem alles ausgeht.