Die katholische Kirche macht nur rund zwei Prozent der Bevölkerung aus, ist aber durch Schulen, soziale Arbeit und Caritas stark präsent. In den 1960er Jahren gab es einen Aufschwung, später jedoch Stagnation: Mit wachsendem Wohlstand nahm das Bedürfnis nach kirchlicher Unterstützung ab. Heute bemühen sich Gemeinden, Laien stärker einzubeziehen, Bibelkreise aufzubauen und eine spirituelle Vertiefung zu fördern. Besonders unter den Ureinwohnern ist das Christentum stark verwurzelt, etwa ein Drittel der Katholiken Taiwans stammt aus indigenen Gruppen.
Im Vergleich dazu zeigt sich die Kirche in Hongkong oft aktiver und reifer, wenngleich sie durch politische Einschränkungen bedroht ist. Der Freiheitsverlust durch Pekings Eingriffe, etwa durch Sicherheitsgesetze, stellt eine besondere Gefahr dar. In Taiwan hingegen ist die Kirche frei, wächst aber nicht mehr so stark. Seelsorgeaufgaben liegen heute in der Verantwortung einheimischer Priester, mit Schwerpunkten auf Gemeindebildung, Familienarbeit, Gefängnisseelsorge und Betreuung von Behinderten.
Politisch steht die Kirche vor der Herausforderung, dass der Vatikan mögliche diplomatische Beziehungen zu China anstrebt, was eine Schwächung der offiziellen Präsenz in Taiwan zur Folge hätte. Dennoch bleibt das kirchliche Leben vor Ort entscheidend, nicht die diplomatische Repräsentanz.
Für die Zukunft sieht Pater Weber Potenzial: Die Kirche in Taiwan müsse spirituelle Tiefe entwickeln und Laien stärker einbinden. Zugleich könne sie von den Erfahrungen der Kirche in Deutschland lernen – etwa in Familienpastoral – und umgekehrt. Wichtig sei, die Verbindung zu den Christen in Taiwan nicht zu verlieren, sie kulturell und geistlich zu unterstützen und ihre Freiheitserfahrungen ernst zu nehmen. Abschließend wird betont, dass „Kirche in Not“ weiterhin Hilfe leistet und die Christen im Fernen Osten im Blick behalten werden müssen.