Doch schon 1950 wurde das Kloster von den kommunistischen Machthabern enteignet und aufgelöst. Die deutschen Schwestern wurden ausgewiesen, die Novizinnen nach Hause geschickt. Bernadette musste zurück in ihr Dorf, wo sie trotz widriger Umstände ein Leben im Glauben führte. Sie ging täglich in die Kirche, arbeitete in verschiedenen Berufen und unterstützte Priester, indem sie Kirchen pflegte, Hostien backte und Beerdigungen begleitete. Manche hielten sie für eigensinnig oder gar verrückt, doch sie verstand sich selbst immer als Nonne, auch wenn sie ihre ewigen Gelübde nie ablegen konnte.
In den Jahren der Verfolgung zeigte sich ihre Standhaftigkeit: Sie organisierte Wallfahrten, kümmerte sich um das kirchliche Leben und bewahrte große Treue zur Kirche. Eine besondere Episode war 1964 die heimliche Exhumierung und Überführung der Gebeine des Bischofs Angelo Roncalli nach dessen Tod im Gefängnis – eine gefährliche Aufgabe, die sie aus Glauben und Loyalität übernahm.
Trotz jahrzehntelanger Unterdrückung verlor Bernadette die Hoffnung nie, eines Tages ins Kloster zurückzukehren. Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus wurde das Kloster Tsarev Brod 1992 wieder eröffnet, und zwei Jahre später konnte auch sie dorthin zurückkehren. Im hohen Alter blickte sie voller Dankbarkeit auf ihr Leben: geprägt von harter Arbeit, unerschütterlichem Glauben, Gehorsam gegenüber Gottes Ruf und tiefer Freude an der Schönheit der Schöpfung.
Das Material verdeutlicht an ihrem Beispiel zentrale Themen wie Berufung, Standhaftigkeit im Glauben, das Spannungsverhältnis zwischen Kirche und Politik in kommunistischen Regimen sowie die spirituelle Kraft, die Menschen in widrigsten Umständen trägt. Es bietet Lehrkräften einen eindrücklichen biografischen Zugang, um Fragen nach religiöser Berufung, Widerstandskraft und der Bedeutung von Hoffnung und Treue im Glauben im Unterricht zu behandeln.