Das Video erzählt zunächst von der persönlichen Erinnerung eines Kindes an Gewalt im Bürgerkrieg: Straßenkontrollen, Schüsse und Hinrichtungen prägen seine frühe Erfahrung. Daran anschließend wird die dramatische Geschichte des Sudan seit der Unabhängigkeit 1956 dargestellt. Politische und wirtschaftliche Dominanz des muslimisch-arabischen Nordens über den nicht-arabischen, christlich geprägten Süden führte zu zwei blutigen Bürgerkriegen, die Millionen Menschen das Leben kosteten oder sie in die Flucht trieben. In den provisorischen Lagern rund um Khartum lebten ganze Familien unter katastrophalen Bedingungen ohne Arbeit, Privatsphäre, Wasser, Nahrung oder Bildung.
Da der Staat für die Kinder keine Schulen einrichtete und auch die Sprache Arabisch für viele Flüchtlinge fremd war, übernahm die Kirche die Verantwortung. Ab 1986 eröffnete sie Kindergärten, Grundschulen und Ernährungszentren, zunächst finanziert durch internationale Hilfswerke wie Kirche in Not. Der Unterricht war kostenlos, es gab Essen, Kleidung und Lernmaterialien. Kirchliche Schulen galten bald als qualitativ besser als staatliche, nicht zuletzt, weil sie Englisch unterrichteten und eine christliche Erziehung boten. Damit bewahrten sie viele Kinder vor einer Islamisierung durch staatliche Schulen, die gezielt religiöse Indoktrination betrieben.
Doch die Regierung reagierte repressiv: Viele Schulen wurden in den 1990er Jahren geschlossen oder zerstört, offiziell mit dem Vorwand, es handle sich um „illegale Kirchen“. Trotzdem baute die Kirche immer wieder neu auf. Mit der Machtübernahme einer islamistischen Militärregierung 1989 wurde die Situation noch schwieriger: Kirchliche Schulen mussten den staatlichen Lehrplan übernehmen, in den zunehmend islamische Inhalte integriert wurden. Selbst in Mathematik oder Geografie tauchten Koranverse auf. Zwar herrschte an den katholischen Schulen weiterhin eine christliche Atmosphäre mit Gebet und Religionsunterricht, doch der staatliche Druck auf ihre Identität blieb.
Das Friedensabkommen von 2005 brachte zwar offizielle Erleichterungen, doch gleichzeitig versiegte viel internationale Hilfe. Dadurch musste die Kirche Schulen schließen, zusammenlegen oder neu strukturieren. Heute gibt es im Sudan rund 200 katholische Schulen, vor allem Vorschulen und Grundschulen, getragen von etwa 1200 Lehrkräften. Viele Familien können sich das Schulgeld nicht leisten, weshalb die Kirche versucht, flexibel zu unterstützen. Trotz dieser Schwierigkeiten genießen die katholischen Schulen weiterhin hohen Ruf, sodass auch muslimische Eltern ihre Kinder dorthin schicken.
Über Jahrzehnte profitierten nach Schätzungen rund eine Million Kinder von diesem Schulprojekt. Es ermöglichte nicht nur Schulabschlüsse, sondern auch Erwachsenenbildung, sodass auch junge Frauen und Männer ohne regulären Schulzugang noch lernen konnten. Für viele Christen im Norden des Sudan sind diese Schulen entscheidend, um ihre Identität zu bewahren und Perspektiven für die Zukunft zu entwickeln. Ohne das Programm, so heißt es am Ende, hätten die Flüchtlingskinder keine Chance auf Bildung gehabt – heute sind sie diejenigen, die als ausgebildete Fachkräfte im Südsudan oder in Hilfsorganisationen Verantwortung übernehmen können.
Die Botschaft des Materials: Bildung im Sudan war und ist ein Schauplatz von Macht, Religion und Identität. Kirchliche Schulen haben entscheidend dazu beigetragen, dass Hunderttausende Kinder nicht in Vergessenheit und Hoffnungslosigkeit geraten, sondern ihre Würde und Zukunft bewahren konnten.