Ursprünglich lebten die Müllsammler in Imbaba, doch als die Stadt wuchs, wurden ihre Baracken über Nacht zerstört und sie zwangsweise umgesiedelt. Im neuen Stadtteil entstand eine auf den ersten Blick hoffnungslose Umgebung: Armut, Schmutz, Gewalt, Alkohol und Drogen prägten das Leben. Zugleich entwickelte sich aus der Mülltrennung eine wichtige Existenzgrundlage – über 60.000 Menschen leben bis heute davon, und etwa 80 % des Abfalls Kairos werden dort recycelt.
Die Müllsammler sind fast ausschließlich Christen, eine Minderheit in Ägypten, die häufig Diskriminierung erfährt. Sichtbares Glaubenszeichen ist das Kreuz, das bereits Kindern als Tätowierung in den Arm gestochen wird. Da Muslime nicht mit Müll handeln dürfen, fiel diese Tätigkeit den Kopten zu. In der Müllstadt lebten sie jedoch lange ohne geistliche Begleitung, verloren in Perspektivlosigkeit und Hoffnungslosigkeit.
Dies änderte sich 1974, als Ibrahim Farag, ein Mann aus Schubra, die Dringlichkeit erkannte, den Menschen Glauben und Würde zu bringen. Nach einem Schlüsselerlebnis mit einem zufällig herabgewehten Bibelvers wurde er vom Patriarchen Shenuda zum Priester geweiht und erhielt den Namen Pater Samaan. Er begann seine Seelsorge in einer kleinen Höhle, die bald zu einer riesigen Felsenkirche ausgebaut wurde, in der Tausende Menschen Platz finden.
Seitdem hat sich das Leben in der Müllstadt spürbar verändert: Aus Kartonhütten wurden gemauerte Häuser, Abwasserkanäle wichen befestigten Straßen, Schulen und Krankenhäuser entstanden. Trotz des weiterhin prägenden Gestanks und der Armut gibt es sichtbare Zeichen der Hoffnung und Verbesserung. Pater Samaan ist bis heute der geistliche Vater und Führer dieser Gemeinschaft und begleitet die Menschen in ein besseres Leben.