Nach dem Ende der Sowjetunion begann ein Prozess der Aufarbeitung. Ab 1989 wirkte der katholische Priester Pater Michael in Magadan, nachdem er von der Kirche dorthin gesandt wurde. Trotz anfänglicher Angst folgte er seiner Berufung und gründete eine lebendige Gemeinde, die von „Kirche in Not“ unterstützt wurde. Er kümmerte sich besonders um die letzten Überlebenden der Gulags, die lange Zeit geschwiegen hatten – oft sogar vor ihren eigenen Familien. Durch regelmäßige Treffen konnten sie ihre Erfahrungen teilen, sich wiedererkennen und beginnen, ihr Leben aufzuarbeiten.
Zeitzeugen berichten von grausamen Erfahrungen: Transporten durch die Taiga bei minus 50 Grad, Zwangsarbeit beim Holzfällen unter Hunger und Misshandlungen, nächtlichen Schikanen durch Wärter und Lagerleiter, die gezielt Leiden verursachten. Trotz dieser unmenschlichen Bedingungen hielten viele Gefangene am Gebet fest, oft still, um nicht entdeckt zu werden. Es half ihnen, Hoffnung zu bewahren und nicht in Bitterkeit zu verharren. Am Ende überlebten viele nur durch ihre Fähigkeit zu beten, zu vergeben und auf Gott zu vertrauen.
Magadan steht symbolisch für das Leid der Gulag-Opfer – aber auch für deren spirituelle Widerstandskraft und die heutige Arbeit der Kirche, dieses Erinnern und Heilen möglich zu machen.