Gleichzeitig nimmt die Diskriminierung im Alltag zu, etwa durch Druck auf christliche Frauen, das Kopftuch zu tragen, oder durch Entführungen von Kindern, die oft mit Zwangskonversionen einhergehen. Ein einschneidendes Ereignis war das Bombenattentat in Alexandria zu Neujahr 2011, bei dem zahlreiche Christen getötet wurden. Kurz darauf schien der Arabische Frühling Hoffnung auf Einheit zu bringen, doch bald folgten neue Übergriffe, etwa beim Massaker am Maspero-Platz 2011. Mit der Machtübernahme der Muslimbrüder unter Mursi verschärfte sich die Lage erneut: Kirchen wurden zerstört, Christen verfolgt, islamisches Recht strenger durchgesetzt. Erst nach dem Sturz Mursis 2013 stabilisierte sich die Lage unter Präsident Sisi etwas, auch wenn Christen weiterhin Bedrohungen, Anschlägen und Diskriminierungen ausgesetzt sind.
Trotz aller Gefahren und der Versuchung zur Emigration halten viele Christen an ihrer Heimat und ihrem Glauben fest. Die Kirche zeigt sich vorsichtig optimistisch, betont aber die bleibende Unsicherheit durch radikale Strömungen und gesellschaftlich tief verwurzelte Intoleranz. Am Ende steht die Mahnung, Menschlichkeit und Versöhnung ins Zentrum zu stellen, statt politischer oder religiöser Machtansprüche. Nur so könne ein friedliches Miteinander von Christen, Muslimen und anderen Glaubensrichtungen in Ägypten und weltweit gelingen.