Um diesem geistlichen Vakuum zu begegnen, entstand die Idee eines „Kapellenschiffes“, das über die Flüsse Wolga und Don fahren und den Glauben direkt zu den Menschen bringen sollte. Dieses schwimmende Gotteshaus war in Russland eine völlige Neuheit. Als es anlegte, läuteten die Glocken, die Bewohner kamen zahlreich, schöpften neuen Lebensmut, ließen sich taufen und baten um Segnungen. Für viele war es das erste Mal überhaupt, Sakramente zu empfangen, da in ihrer Lebenszeit Kirchen zerstört und religiöse Rituale verboten gewesen waren.
Die Priester berichten vom harten Alltag auf dem Schiff: Wasser holen, kochen, ununterbrochene Gottesdienste, Taufen und Gespräche mit den Menschen. Trotz großer materieller Not empfanden viele Dorfbewohner das Schiff als Wunder: nicht sie gingen zur Kirche, sondern die Kirche kam zu ihnen. Dies führte bei manchen zu einer ersten bewussten Hinwendung zum Glauben.
Der Text verdeutlicht, dass ohne geistliche und moralische Grundlage auch soziale und wirtschaftliche Stabilität fehlt. Das Kapellenschiff brachte Hoffnung in eine Region, die von Verfall, Armut und Glaubensverlust geprägt war, und wird als Symbol einer möglichen geistigen und gesellschaftlichen Erneuerung Russlands verstanden.