Die Kirche in Ruanda ist vergleichsweise jung. Erst im 20. Jahrhundert kamen die „Weißen Väter“ als Missionare ins Land, doch es dauerte Jahrzehnte, bis das Christentum von den Menschen angenommen wurde. 1973 kamen schließlich polnische Missionare mit viel Idealismus, um den Glauben weiter zu festigen. Sie standen vor großen Herausforderungen: Die Seelsorge und Leitung von Schulen in weitläufigen, gebirgigen Regionen war ohne Infrastruktur und Fahrzeuge kaum möglich. Hinzu kamen kulturelle Hürden, etwa beim Besuch von Kranken in ihren Häusern, da viele Menschen aus Scham zunächst den Zugang verwehrten.
Der Genozid von 1994 stellte eine Zäsur dar. Ausgelöst durch den Abschuss des Präsidentenflugzeugs wurden in nur drei Monaten rund 800.000 Menschen getötet – sowohl Tutsi als auch Hutu. Die Missionare erlebten diese Gewalt unmittelbar: Sie blieben bei den Menschen, feierten Messen, gaben Hoffnung und wurden selbst Opfer von Angriffen. Einige retteten unzähligen Menschen das Leben durch die Versorgung mit Nahrung und Medikamenten, viele bezahlten ihren Einsatz jedoch mit dem eigenen Leben.
Nach dem Genozid war die Rückkehr weniger Missionare ein starkes Zeichen der Hoffnung. Die Kirche initiierte Programme zur Versöhnung, wie die „Katechese der Versöhnung“ (Inyigisho y’Ubwiyunge). Doch Dialogprozesse waren schwierig, weil die Menschen von Hass, Schuld und tiefen Traumata geprägt waren.
Eine besondere Rolle spielten die Marienerscheinungen in Kibeho, die seit 1981 offiziell anerkannt sind. Die „Mutter der Schmerzen“ rief damals zu Umkehr, Buße, Gebet und Versöhnung auf. Nach dem Völkermord erhielten diese Botschaften eine noch tiefere Bedeutung.
Zudem entstand in Kabuga das Zentrum der göttlichen Barmherzigkeit – ein Heiligtum der Anbetung und Heilung. Dort berichteten Opfer von bewegenden Erfahrungen der Vergebung, etwa ein Mädchen, das dem Mörder ihres Vaters nicht nur verzieh, sondern ihn im Gefängnis regelmäßig besuchte und versorgte. Die Kirche wurde so zu einem Ort, an dem seelische Wunden bearbeitet und Heilung möglich wurden.
Am Ende bleibt die zentrale Botschaft der Gläubigen in Ruanda: „Gott lebte einmal in Ruanda, ging weg – aber er ist zurückgekehrt.“ Mission und Glaube wurden zu Quellen von Versöhnung, Heilung und Hoffnung für ein ganzes Land.