Der Einstieg gelingt durch einem Bildimpuls, der die sogenannten „Madgermanes“ bei einer Demonstration in Maputo zeigt. Das Bild dient als Ausgangspunkt für eine Diskussion über deutsch-mosambikanische Beziehungen. Anschließend erhalten die Lernenden einen Einführungstext zur Vertragsarbeit und bearbeiten in Gruppen ein Arbeitsblatt, das die strukturellen Bedingungen des Abkommens zwischen DDR und Mosambik aufgreift.
Die zweite Stunde rückt die Lebenswirklichkeit der Vertragsarbeiterinnen in den Mittelpunkt. Auf der Grundlage ausgewählter Interviewauszüge, etwa mit José Chirindza, Serafim Manhice oder José Reis, arbeiten die Schülerinnen die sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ihres Aufenthalts in der DDR heraus. Dabei geht es um Arbeitsbedingungen, Freizeitgestaltung, Unterbringung und Kontakte zur deutschen Bevölkerung. Die persönliche Perspektive der Zeitzeug*innen eröffnet den Lernenden einen empathischen Zugang zu historischen Lebenswelten.
In der dritten Stunde präsentieren die Schüler*innen ihre Arbeitsergebnisse und diskutieren im Plenum Gemeinsamkeiten und Unterschiede der geschilderten Erfahrungen. Dabei wird der Bogen zur Gegenwart geschlagen: Welche Erfahrungen von Migration und Fremdheit sind heute ähnlich? Wie wirken sich strukturelle Rahmenbedingungen auf individuelle Lebensläufe aus? Die Stunde zielt auf eine vertiefte Urteilsbildung und den Transfer historischer Einsichten auf gegenwärtige gesellschaftliche Herausforderungen.
Die vierte und abschließende Stunde widmet sich den Folgen der Arbeitsmigration – sowohl in Mosambik als auch in Deutschland. Anhand eines Interviews mit Rückkehrerinnen und einer Fallstudie zu einer deutsch-mosambikanischen Familie (Familie Maungue) reflektieren die Schülerinnen über Themen wie Integration, Identitätsbildung und transnationale Biografien. Dabei werden Fragen der Gerechtigkeit, der Anerkennung und der interkulturellen Kommunikation diskutiert.
Die Einheit stützt sich auf vielfältige Materialien: Bildquellen, Sachtexte, Interviews, Auswertungsschablonen und Fallstudien. Methodisch wechseln sich kooperative Leseverfahren, Gruppenarbeiten, Präsentationen und Plenumsdiskussionen ab. Die Arbeit mit persönlichen Geschichten fördert die Empathiefähigkeit, die multiperspektivische Betrachtung schult Analyse- und Urteilskompetenz. Darüber hinaus schafft die Unterrichtsreihe einen Raum für Gegenwartsbezüge, indem sie historisches Lernen mit aktuellen Fragen von Migration, Zugehörigkeit und postkolonialer Erinnerungskultur verknüpft.
Insgesamt ermöglicht die Einheit eine fundierte und differenzierte Auseinandersetzung mit einem wenig bekannten Kapitel deutsch-afrikanischer Geschichte und macht deutlich, wie sehr persönliche Biografien durch politische Entscheidungen geprägt sind – damals wie heute.