In Teil I führen die Schüler:innen das Ultimatumspiel durch: Eine Gruppe entscheidet, wie viel eines Geldbetrags sie abgibt, während die andere Gruppe dieses Angebot annehmen oder ablehnen kann. Diese dynamische, interaktive Übung führt zu lebhaften Diskussionen über Fairness, Machtverhältnisse und moralische Intuition. Die Reflexion schärft das Bewusstsein für subjektive Gerechtigkeitsvorstellungen und deren Einfluss auf Entscheidungen.
Teil II erweitert das Gerechtigkeitsthema um den Zeitfaktor: Beim Spiel zu öffentlichen Gütern entscheiden die Lernenden wiederholt, ob sie ihr fiktives Geld für das Gemeinwohl einsetzen oder für sich behalten. In weiteren Runden kommt eine „Strafmöglichkeit“ hinzu – Teilnehmer:innen können andere sanktionieren, allerdings auf eigene Kosten. Diese Erfahrung wird durch die Reflexion vertieft: Wann ist Strafe sinnvoll? Fördert sie Gerechtigkeit oder untergräbt sie Vertrauen? Dabei werden gesellschaftspolitische Fragestellungen (z. B. Steuerverteilung, Flüchtlingspolitik, Umweltgerechtigkeit) bearbeitet und in Gruppen Lösungsmodelle erarbeitet.
Für den katholischen Religionsunterricht bieten beide Module zahlreiche Anknüpfungspunkte: Fragen nach Gerechtigkeit, Verantwortung, sozialer Teilhabe und gegenseitigem Respekt stehen im Zentrum – ebenso wie die Auseinandersetzung mit christlichen Werten wie Solidarität, Barmherzigkeit und Menschenwürde. Die Verbindung zu Prinzipien der katholischen Soziallehre ist klar erkennbar. Das Material eignet sich für ethische Urteilsbildung, Werteerziehung und projektorientierten Unterricht, auch im interdisziplinären Kontext mit Ethik oder Sozialwissenschaften.