Im Zentrum steht ein interaktives Rollenspiel: Jede:r Teilnehmende erhält – ohne es selbst zu wissen – eine Rollenbeschreibung (z. B. Flüchtling, Rockstar, Obdachloser, Professor:in), die auf der Stirn befestigt wird. Die anderen begegnen dieser Person entsprechend der zugeschriebenen Rolle – durch Begrüßung, Gespräch, Körpersprache oder Distanzverhalten. In aufeinanderfolgenden Aufgabenbegegnungen (z. B. Small Talk, Bushaltestellenszene, nonverbale Kommunikation) entsteht ein Erfahrungsraum, in dem soziale Stereotype sichtbar und spürbar werden.
Die anschließende Reflexion thematisiert Eindrücke, Gefühle und Beobachtungen: Wie wurde ich behandelt? Wie habe ich mich gefühlt? Was habe ich über die anderen gedacht? Ziel ist es, die Wirkung von Vorurteilen und gesellschaftlichen Zuschreibungen bewusst zu machen und Raum für Empathie und Perspektivwechsel zu schaffen. Die Jugendlichen lernen, wie leicht Rollenverhalten übernommen wird – und wie verletzend, entmündigend oder privilegierend dies wirken kann.
Im katholischen Religionsunterricht eignet sich dieser Impuls ideal zur Vertiefung von Themen wie Menschenwürde, Gerechtigkeit, Nächstenliebe, Identität oder Diskriminierung. Biblische Bezüge (z. B. zur Gleichheit aller Menschen vor Gott – Gal 3,28 – oder zur Achtsamkeit gegenüber Ausgegrenzten – Mt 25,40) können ergänzend eingebunden werden. Auch im Kontext der katholischen Soziallehre (Option für die Armen, Solidarität, personale Würde) leistet das Modul einen praxisnahen Beitrag zur Wertebildung.
Besonderes Augenmerk liegt auf der sensiblen Rollenzuweisung durch die Lehrkraft sowie der klaren Trennung zwischen Spiel und Realität – um die emotionale Sicherheit aller Beteiligten zu gewährleisten. Das Material eignet sich für Unterrichtseinheiten, Projekttage oder Workshops im Kontext von Vielfalt, Demokratiebildung und Sozialkompetenz.