In diesem Gespräch erklärt Ilias Yanc, Vorsitzender des Landesverbands der Êzîden in Niedersachsen, die Rolle der Wandermystiker im Êzîdentum: die Qewwale. Diese religiösen Sänger und Prediger reisen traditionell von Dorf zu Dorf, um heilige Hymnen (Qewl) und sakrale Lieder vorzutragen, Riten zu begleiten und das religiöse Wissen in der Gemeinschaft zu bewahren. Ihre Musik dient nicht nur der Verehrung, sondern ist integraler Bestandteil der religiösen Identitätsvermittlung. Sie sind selbst nicht Priester, sondern kulturelle Bewahrer, die in besonderen Anlässen wie Festen, Gebeten oder Gedenktagen auftreten.
Das Medium beschäftigt sich mit der religiösen Tradition der jesidischen Wanderprediger und ihrer Bedeutung für den Erhalt des Glaubens in der Diaspora. Es wird erläutert, dass diese religiösen Würdenträger früher zwischen den verschiedenen jesidischen Siedlungsgebieten reisten, religiöse Feiern gestalteten, Glaubenswissen weitergaben und Spenden für das Hauptheiligtum sammelten. Durch Flucht, Vertreibung und die Auflösung der traditionellen Siedlungsgebiete hat sich ihr Aufgabenfeld verändert. Heute gewinnen die jesidischen Gemeinden in Deutschland zunehmend an Bedeutung, da die Wanderprediger auch hier religiöse Rituale begleiten, Trauerfeiern gestalten und die mündlich überlieferte Glaubenstradition bewahren. Das Medium macht deutlich, dass die Weitergabe des jesidischen Glaubens in besonderem Maße von diesen religiösen Würdenträgern abhängt und ihr Fortbestand eine wichtige Voraussetzung für den Erhalt der religiösen und kulturellen Identität der jesidischen Gemeinschaft ist.