Das Medium eignet sich besonders für den Religionsunterricht, da es zentrale ethische Fragestellungen wie Gerechtigkeit, Verantwortung, Menschenwürde, Solidarität und Vorurteile aufgreift. Die handlungsorientierte Methode ermöglicht den Lernenden einen emotionalen Zugang zum Thema und fördert die Fähigkeit zum Perspektivwechsel. Bereits während des Spiels wird deutlich, dass gesellschaftliche Probleme selten auf eine einzelne Ursache zurückgeführt werden können. In der Auswertung sollte ausreichend Zeit für die Reflexion der eigenen Gefühle, der verwendeten Argumente und der unterschiedlichen Rollen eingeplant werden. Die Lehrkraft übernimmt dabei eine moderierende Rolle und achtet darauf, dass zwischen Spielrolle und persönlicher Meinung klar unterschieden wird. Besonders wichtig ist ein sensibler Umgang mit der Lerngruppe, damit sich keine Lernenden persönlich angesprochen oder ausgegrenzt fühlen. Das Medium bietet zahlreiche Anknüpfungspunkte zu biblischen Themen wie Nächstenliebe, Barmherzigkeit, Gerechtigkeit und dem Einsatz für benachteiligte Menschen. Ebenso können Bezüge zur katholischen Soziallehre oder zur evangelischen Sozialethik hergestellt werden. Ergänzend können aktuelle Statistiken zur Arbeitslosigkeit, Zeitungsberichte oder Fallbeispiele einbezogen werden, um die Ergebnisse des Rollenspiels mit der gesellschaftlichen Wirklichkeit zu vergleichen. Als Abschluss bietet sich eine Diskussion darüber an, welche Verantwortung Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und jede einzelne Person für soziale Gerechtigkeit tragen und wie christliche Werte zu einem solidarischen Umgang mit Menschen ohne Arbeit beitragen können.
Im Zentrum steht ein szenisches Rollenspiel, das an das bekannte Kartenspiel „Schwarzer Peter“ angelehnt ist. Die Lernenden übernehmen verschiedene gesellschaftliche Rollen – etwa Politiker:in, Arbeitslose:r, Arbeitgeber:in, Gewerkschafter:in oder EU – und versuchen in der Spielsituation, Verantwortung für Arbeitslosigkeit weiterzugeben oder sich zu verteidigen. Der „Schwarze Peter“ symbolisiert dabei die Schuld, die es rhetorisch abzuwehren oder weiterzureichen gilt. Das Spiel macht erfahrbar, wie komplex soziale Ursachen sind und wie vorschnell im gesellschaftlichen Diskurs Schuldzuweisungen ausgesprochen werden.
Im anschließenden Reflexionsgespräch setzen sich die Schüler:innen kritisch mit ihren Erfahrungen im Spiel auseinander: Wer wurde besonders häufig zum „Sündenbock“ gemacht? Welche Rolle ließ sich kaum verteidigen? Welche gesellschaftlichen Vorurteile spiegeln sich in diesen Dynamiken wider? Die gemeinsame Auswertung und Diskussion fördert ein vertieftes Verständnis für soziale Zusammenhänge, macht Machtverhältnisse sichtbar und schärft die Urteilsfähigkeit der Jugendlichen.
Didaktisch eignet sich dieser Impuls hervorragend für den katholischen Religionsunterricht, da er Themen wie Menschenwürde, soziale Gerechtigkeit, Solidarität und Verantwortung adressiert – zentrale Leitlinien der katholischen Soziallehre. Darüber hinaus lädt das Szenario zur Diskussion ethischer Fragen im Spannungsfeld von Individuum und Gesellschaft ein. Die Methode ist schülerzentriert, handlungsorientiert und besonders geeignet für eine Unterrichtseinheit zu Armut, sozialem Ausschluss oder gesellschaftlicher Verantwortung.
Eine Erweiterung des Spiels auf andere Themenfelder wie Obdachlosigkeit, Rassismus oder Ausgrenzung ist möglich und wird im Material explizit empfohlen. Dadurch kann die Methode flexibel an unterschiedliche Unterrichtskontexte angepasst werden.