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Kirche in Not

Kirche in Not

Die katholische Kirche und der Nationalsozialismus

Teil 2

Veröffentlichung:26.4.2021

Das Video behandelt die Rolle der katholischen Kirche während der Zeit des Nationalsozialismus. Im Mittelpunkt stehen die Bedeutung der Weltkirche für den Widerstand gegen das NS Regime, das Reichskonkordat von 1933 sowie die Haltung der Päpste Pius XI. und Pius XII. gegenüber dem Nationalsozialismus und der Verfolgung der jüdischen Bevölkerung. Darüber hinaus werden unterschiedliche historische Bewertungen des Handelns des Vatikans vorgestellt und kritisch eingeordnet. Das Gespräch zeigt, dass historische Urteile häufig von neuen Forschungsergebnissen und unterschiedlichen Perspektiven geprägt werden und regt zu einer differenzierten Auseinandersetzung mit der Geschichte an.

Die katholische Kirche, insbesondere in Person von Papst Pius XII. – habe nichts gegen die Nazionalsozialisten unternommen, vielmehr mit diesen „paktiert“ und trage daher Mitschuld an der Judenverfolgung des Dritten Reiches. Diese Vorwürfe hört man auch heute immer noch und immer wieder. Was dran ist erläutert uns der katholische Philosoph und Buchautor Josef Bordat im Gespräch mit Volker Niggewöhner.


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Das Video eignet sich besonders für den Religionsunterricht der Sekundarstufe und kann im Themenfeld Kirche und Nationalsozialismus, Kirche und Verantwortung oder Christliches Handeln in Diktaturen eingesetzt werden. Es ermöglicht Lernenden, sich mit der schwierigen Frage auseinanderzusetzen, wie die Kirche auf politische Unterdrückung, Menschenrechtsverletzungen und staatliche Gewalt reagiert hat. Dabei wird deutlich, dass historische Entscheidungen häufig unter großem Druck getroffen wurden und nicht ausschließlich aus heutiger Sicht bewertet werden können.

Zu Beginn der Unterrichtseinheit bietet sich eine Aktivierung des Vorwissens an. Lernende können zusammentragen, welche Vorstellungen sie von der Rolle der Kirchen im Nationalsozialismus haben und welche Erwartungen sie an das Video stellen. Während des Sehens können Leitfragen bearbeitet werden, die sich auf das Reichskonkordat, die Bedeutung der Weltkirche, die Enzyklika Mit brennender Sorge sowie die historische Bewertung von Papst Pius XII. beziehen.

Im Anschluss eignet sich eine arbeitsteilige Gruppenarbeit, in der einzelne Aspekte des Videos vertieft werden. Eine Gruppe kann die Bedeutung des Reichskonkordats untersuchen, eine weitere die Enzyklika Mit brennender Sorge analysieren und eine dritte Gruppe unterschiedliche historische Bewertungen von Papst Pius XII. vergleichen. Die Ergebnisse können anschließend präsentiert und gemeinsam diskutiert werden.

Besonders geeignet ist das Medium für eine multiperspektivische Quellenarbeit. Lernende können Aussagen aus dem Video mit historischen Dokumenten, Auszügen aus der Enzyklika, zeitgenössischen Berichten oder aktuellen Forschungsergebnissen vergleichen. Dadurch wird deutlich, dass historische Urteile auf unterschiedlichen Quellen beruhen und wissenschaftlicher Diskussion unterliegen.

Im Unterricht sollte außerdem Raum für eine ethische Reflexion geschaffen werden. Dabei können Fragen nach persönlicher Verantwortung, nach Zivilcourage sowie nach den Möglichkeiten und Grenzen von Widerstand in einer Diktatur diskutiert werden. Die Lernenden entwickeln dabei die Fähigkeit, historische Ereignisse kritisch zu analysieren und Bezüge zu aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen herzustellen.

Kirche im Nationalsozialismus

In diesem Gespräch analysiert Dr. Josef Bordat die Rolle der katholischen Kirche im Nationalsozialismus und bewertet zentrale Entwicklungen differenziert:

Widerstand aus dem Glauben:

Es gab katholischen Widerstand gegen das NS-Regime – sowohl von Bischöfen und Priestern als auch von Laien. Ein wesentlicher Grund war das Selbstverständnis als Teil einer Weltkirche, die nicht vollständig vom deutschen Nationalsozialismus vereinnahmt werden konnte – im Gegensatz zu Teilen der evangelischen Kirche („Deutsche Christen“).

Reichskonkordat von 1933:

Das Konkordat zwischen dem Vatikan und dem NS-Staat sollte die katholische Kirche institutionell schützen. Es beruhte auf dem Prinzip: „Ihr lasst uns in Ruhe, wir lassen euch in Ruhe“. Die Kirche verpflichtete sich zur politischen Neutralität, was unter anderem das Ende der Zentrumspartei bedeutete. Im Gegenzug wurde ihr die Ausübung des Glaubens zugesichert. Ob dies ein Fehler war, wird kontrovers diskutiert; Ziel war vor allem Schutz und Überleben der Kirche in Deutschland.

Enzyklika „Mit brennender Sorge“ (1937):

Papst Pius XI. kritisierte darin den Rassismus des NS-Regimes scharf. Inhaltlich bedeutend, politisch aber zu spät (nach den Nürnberger Gesetzen 1935), blieb die Wirkung begrenzt.

Papst Pius XII. („Hitlers Papst“?):

Diese polemische Bezeichnung, u.a. von Daniel Goldhagen, sei historisch unhaltbar. Pius XII. habe im Stillen Tausenden Juden geholfen, etwa durch Unterbringung im Vatikan und kirchlichen Einrichtungen. Sein öffentliches Schweigen wird oft kritisiert, war aber aus damaliger Sicht (z. B. wegen Repressalien wie in Holland) als Schutzmaßnahme gedacht. Zeitgenossen lobten ihn – etwa der Oberrabbiner Roms 1945 – für seine humanitäre Hilfe.

Ursachen des negativen Papstbildes:

Vor allem das Theaterstück „Der Stellvertreter“ (Rolf Hochhuth, 1963) und populärwissenschaftliche Literatur wie die von Goldhagen prägten ein kritisches Bild. Die moderne historische Forschung zeichnet hingegen ein differenzierteres Bild von Pius XII.

Schmutzkampagnen gegen die Kirche:

Dr. Bordat verweist auf heutige Tendenzen, die Kirche pauschal negativ darzustellen – etwa im Zusammenhang mit Missbrauchsskandalen – und warnt vor einer ungerechten Verallgemeinerung.

Fazit:

Die katholische Kirche war in der NS-Zeit eine komplexe Akteurin: institutionell vorsichtig, mit teilweise mutigen Einzelpersonen im Widerstand. Die Beurteilung von Papst Pius XII. und des Konkordats bleibt bis heute umstritten, sollte aber differenziert und historisch fundiert erfolgen.


Fragestellungen zum Video mit Antworten


Warum konnte die katholische Kirche nach Aussage des Videos nicht vollständig vom Nationalsozialismus vereinnahmt werden?

Die katholische Kirche verstand sich als Teil einer weltweiten Kirche mit dem Papst in Rom als geistlichem Oberhaupt. Dadurch war sie nicht ausschließlich an den deutschen Staat gebunden und konnte sich einer vollständigen Gleichschaltung entziehen.


Welches Ziel verfolgte das Reichskonkordat von 1933?

Das Reichskonkordat sollte die Rechte und das Fortbestehen der katholischen Kirche sichern. Im Gegenzug verpflichtete sich die Kirche zu politischer Zurückhaltung.


Warum wird das Reichskonkordat bis heute unterschiedlich bewertet?

Einige sehen darin eine notwendige Schutzmaßnahme für die Kirche und ihre Gläubigen. Andere kritisieren, dass der Vertrag dem nationalsozialistischen Regime internationale Anerkennung verschafft habe.


Welche Bedeutung hatte die Enzyklika Mit brennender Sorge?

Die Enzyklika verurteilte rassistische Ideologien und wandte sich gegen zentrale Elemente der nationalsozialistischen Weltanschauung. Sie gilt als ein bedeutendes kirchliches Dokument gegen den Nationalsozialismus, auch wenn ihre politische Wirkung begrenzt blieb.


Warum wird Papst Pius XII. unterschiedlich beurteilt?

Kritiker werfen ihm vor, nicht öffentlich genug gegen die Verbrechen des Nationalsozialismus protestiert zu haben. Andere Historiker betonen seine Hilfe für verfolgte Jüdinnen und Juden sowie die schwierigen politischen Bedingungen, unter denen er handeln musste.


Welche Form von Hilfe für die jüdische Bevölkerung wird im Video genannt?

Nach den Aussagen im Video unterstützte Papst Pius XII. die Unterbringung und den Schutz verfolgter jüdischer Menschen in kirchlichen Einrichtungen und im päpstlichen Sommersitz.


Welche Kompetenzen können Lernende durch die Arbeit mit dem Video erwerben?

Die Lernenden entwickeln historische Urteilskompetenz, lernen unterschiedliche Perspektiven zu vergleichen, setzen sich kritisch mit Quellen auseinander und reflektieren Fragen von Verantwortung, Zivilcourage und christlicher Ethik.


Welche Bedeutung hat das Thema für die Gegenwart?

Das Video macht deutlich, dass die Auseinandersetzung mit der Geschichte dazu beiträgt, demokratische Werte, Menschenrechte und den Einsatz gegen Ausgrenzung, Rassismus und Antisemitismus in der Gegenwart zu stärken.

Hessen

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Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 10

10.3. Juden und Christen – eine leidvolle Geschichte. Geschwister im Glauben.

Rheinland-Pfalz

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Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 10

10.2 Dem Zeitgeist widerstehen: Kirche und Diktatur.

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30.6.2025

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