Das Video eignet sich für den Religionsunterricht der Sekundarstufe zwei sowie für den fächerübergreifenden Unterricht in Religion und Geschichte. Es behandelt ein sensibles und historisch bedeutsames Thema, das sowohl historische Kenntnisse als auch die Fähigkeit zur kritischen Quellenanalyse erfordert. Da das Gespräch eine bestimmte Deutung der historischen Ereignisse vertritt, sollte das Medium durch wissenschaftliche Darstellungen, zeitgenössische Quellen sowie Positionen verschiedener Historiker ergänzt werden. Dadurch lernen die Lernenden, historische Kontroversen auf der Grundlage unterschiedlicher Quellen zu beurteilen und zwischen historischen Fakten, Bewertungen und Interpretationen zu unterscheiden.
Vor dem Ansehen des Videos können die Lernenden ihr Vorwissen über die Rolle der Kirchen im Nationalsozialismus zusammentragen und Vermutungen darüber formulieren, welche Handlungsmöglichkeiten religiöse Institutionen in einer Diktatur besitzen. Während des Videos können Aussagen zur Haltung der katholischen Kirche, zu Formen des Widerstandes sowie zu den im Gespräch genannten historischen Persönlichkeiten festgehalten werden. Im Anschluss bietet sich eine Quellenarbeit mit Auszügen aus kirchlichen Stellungnahmen, Predigten von Clemens August Graf von Galen oder Dokumenten zum Priesterblock im Konzentrationslager Dachau an. Ebenso kann untersucht werden, weshalb historische Urteile häufig unterschiedlich ausfallen und welche Bedeutung eine sorgfältige Quellenkritik besitzt. Eine Diskussion über die Verantwortung von Religionsgemeinschaften gegenüber politischen Systemen sowie über Zivilcourage und Gewissensentscheidungen fördert die ethische und historische Urteilskompetenz. Das Medium unterstützt die Lernenden dabei, historische Entwicklungen differenziert zu betrachten, kirchliches Handeln im Spannungsfeld von Anpassung und Widerstand zu analysieren und die Bedeutung von Verantwortung, Menschenwürde und Gewissensfreiheit für demokratische Gesellschaften zu reflektieren.
Zusammenfassung:
In der Sendung Glaubenskompass erläutert der katholische Philosoph Dr. Josef Bordat zentrale Aspekte des Verhältnisses der katholischen Kirche zum Nationalsozialismus. Er widerspricht der pauschalen These, die Kirche habe mit den Nazis kollaboriert und sei mitschuldig an der Judenverfolgung. Stattdessen zeichnet er ein differenziertes Bild:
Vielschichtiges Verhalten: Die Haltung der katholischen Kirche gegenüber dem NS-Regime war ambivalent – sie reichte von stiller Duldung über vorsichtiges Arrangieren bis zu offenem Widerstand.
Keine ideologische Schnittmenge: Grundsätzliche Übereinstimmungen zwischen katholischer Lehre und NS-Ideologie gab es nicht. Anfangs hegten jedoch manche Katholiken gewisse Hoffnungen, etwa aufgrund des NS-Antikommunismus oder der Arbeitsmarktpolitik.
Frühe Ablehnung: Bereits vor 1933 erklärte die Kirche eine Mitgliedschaft in der NSDAP für unvereinbar mit dem katholischen Glauben.
Versuche der Vereinnahmung und Diskreditierung: Die Nationalsozialisten versuchten zunächst, das Christentum gleichzuschalten. Als das bei der katholischen Kirche nicht gelang, starteten sie Schmutzkampagnen – etwa durch Hetzartikel im Stürmer, durch Missbrauchsbehauptungen oder pseudowissenschaftliche Hexenforschung im Auftrag Himmlers.
Widerstand prominenter Kirchenvertreter: Besonders genannt werden Bischof von Galen, der öffentlich gegen das Euthanasieprogramm T4 protestierte, sowie Dompropst Bernhard Lichtenberg, der wegen seines Eintretens für Juden und seine Kritik an der Pogromnacht verhaftet wurde und auf dem Weg ins KZ Dachau starb.
Priesterverfolgung: Im KZ Dachau waren über 2.500 Geistliche inhaftiert, darunter etwa 90 % katholische Priester. Der sogenannte Priesterblock ist ein bedeutendes Zeugnis für religiösen Widerstand im Konzentrationslager.
Didaktischer Hinweis: Der Beitrag ermöglicht eine fundierte Diskussion über kirchliches Handeln in Diktaturen, moralisches Handeln unter Zwang und die Gefahren pauschaler Urteile in der historischen Rückschau. Er eignet sich gut zur Analyse von Ambivalenz und Zivilcourage.
Fragestellungen zum Video mit Antworten
1. Welche zentrale Frage behandelt das Video?
Das Video untersucht die Rolle der katholischen Kirche während der Zeit des Nationalsozialismus und fragt, in welchem Umfang die Kirche Widerstand leistete oder sich dem Regime anpasste.
2. Welche Haltung vertritt das Gespräch zur Rolle der katholischen Kirche?
Das Gespräch betont, dass die Haltung der Kirche differenziert betrachtet werden müsse und verweist sowohl auf Formen der Anpassung als auch auf vielfältige Beispiele kirchlichen Widerstandes.
3. Welche Beispiele für kirchlichen Widerstand werden genannt?
Genannt werden unter anderem Clemens August Graf von Galen, Bernhard Lichtenberg, das Hilfswerk für jüdische Menschen sowie zahlreiche Priester und Laien, die sich gegen das Regime engagierten.
4. Welche Bedeutung hatte das Konzentrationslager Dachau für katholische Geistliche?
Das Video weist darauf hin, dass zahlreiche katholische Priester im Priesterblock des Konzentrationslagers Dachau inhaftiert waren und dort unter schwierigen Bedingungen ihren Glauben lebten.
5. Warum fordert das Thema eine differenzierte Betrachtung?
Historische Entwicklungen sind vielschichtig. Das Handeln einzelner Personen und Institutionen muss im jeweiligen historischen Zusammenhang untersucht und anhand verschiedener Quellen bewertet werden.
6. Welche Kompetenzen können die Lernenden durch die Arbeit mit dem Video erwerben?
Die Lernenden analysieren historische Darstellungen, unterscheiden zwischen Quellen und Deutungen, reflektieren die Verantwortung religiöser Gemeinschaften in politischen Krisenzeiten und entwickeln ihre historische Urteilskompetenz.
7. Warum ist Quellenkritik bei diesem Thema besonders wichtig?
Die Bewertung der Rolle der Kirche im Nationalsozialismus ist bis heute Gegenstand historischer Forschung. Unterschiedliche Quellen und Perspektiven führen zu verschiedenen Interpretationen, die kritisch geprüft werden müssen.
8. Warum sollte das Video durch weitere Materialien ergänzt werden?
Das Medium stellt eine bestimmte historische Interpretation vor. Ein ausgewogener Religionsunterricht sollte zusätzlich wissenschaftliche Forschungsergebnisse, zeitgenössische Dokumente sowie unterschiedliche historische Bewertungen einbeziehen, damit die Lernenden eigenständig begründete Urteile entwickeln können.