Im Zentrum steht ein mehrphasiges Konzept, das mit einer unterrichtlichen Vorbereitung beginnt. Die Jugendlichen setzen sich im Religions- und Ethikunterricht mit dem Thema „Behindert-sein“ auseinander. Ausgangspunkt bildet das Gleichnis vom Festmahl (Lk 14,16–24), das im Unterricht zunächst durch kreative Methoden wie Einladungskarten oder Bildinterpretationen eingeführt wird. Dabei erkennen die Lernenden die Kernaussage des Gleichnisses: Alle Menschen – unabhängig von Fähigkeiten, Gesundheit oder gesellschaftlichem Status – sind zur Gemeinschaft mit Gott eingeladen. Diese Botschaft wird durch das Projekt praktisch erlebbar gemacht.
In der zweiten Phase finden außerschulische Begegnungen mit Menschen mit Behinderung statt. Die Schülerinnen und Schüler nehmen an drei gemeinsamen Nachmittagen teil, bei denen sie in Kleingruppen mit Gleichaltrigen mit Handicap aktiv werden – etwa beim Rollstuhlsport, Tanzen, Judo oder Malen. Ergänzt werden diese Begegnungen durch einen zentralen Projekttag, an dem intensivere Erlebnisse und Exkursionen (z. B. Besuch im Dunkelrestaurant, gemeinsame sportliche Aktivitäten, Besuch von Werkstätten der Lebenshilfe) ermöglicht werden. Diese Begegnungen werden auf Augenhöhe vorbereitet und durch thematisch angeleitete Selbsterfahrungen wie „Malen ohne Hände“, „Kommunikation ohne Sprache“ oder eine Blindenführung flankiert. Ziel dieser Übungen ist es, Verständnis und Empathie zu fördern und mögliche Unsicherheiten abzubauen.
Nach Abschluss der Begegnungsphase folgt die Reflexion im Unterricht. In Kleingruppen besprechen die Lernenden ihre Erlebnisse, tauschen Erfahrungen aus, gestalten ein Plakat und präsentieren dieses in der Klasse. Dadurch wird das Erlebte gefestigt und im Sinne des sozialen Lernens aufgearbeitet. Parallel dazu werden auch Rückmeldungen von den Kooperationspartnern eingeholt und in einer Fachkonferenz ausgewertet, um das Projekt weiterzuentwickeln.
Didaktisch ist das Projekt eng mit dem Bildungsplan für das Gymnasium verknüpft. Es fördert personale Kompetenzen wie die Auseinandersetzung mit Sinnfragen und die Entwicklung eines verantwortungsvollen Selbstbildes. Soziale Kompetenzen werden durch Perspektivwechsel, Begegnung und Empathie geschult. Darüber hinaus setzen sich die Lernenden theologisch mit dem Evangelium auseinander und erkennen die Relevanz des Glaubens für das eigene Leben und die Gesellschaft.
Die Organisation des Projekts umfasst unter anderem die Terminplanung der Begegnungen, die Zuteilung zu Projektgruppen nach Interessen sowie einen Informationsabend für Eltern. Kooperationspartner sind Förderschulen, kirchliche Einrichtungen und soziale Träger in der Region. Das Unterrichtsmaterial enthält umfangreiche Bausteine, Arbeitsblätter und Anregungen zur Gestaltung.
Insgesamt bietet das Projekt eine nachhaltige und lebensnahe Möglichkeit, Inklusion im schulischen Kontext zu thematisieren und zentrale Aussagen des christlichen Glaubens erfahrbar zu machen. Es verbindet religiös-theologische Bildung mit sozialem Lernen und leistet so einen wichtigen Beitrag zur ganzheitlichen Entwicklung der Schülerinnen und Schüler.