Für den Religionsunterricht bietet das Medium vielfältige Möglichkeiten, lebensweltliche Erfahrungen der Lernenden mit grundlegenden religiösen und anthropologischen Fragestellungen zu verbinden. Besonders geeignet ist es für die Sekundarstufen I und II und für Unterrichtsreihen zu Tod und Sterben, Auferstehung, ewigem Leben, Menschenbild, Identität, Erinnerung, Trauer, Medienethik oder künstlicher Intelligenz. Als Einstieg kann die Frage „Was bleibt von einem Menschen, wenn er stirbt?“ zunächst unabhängig von digitalen Medien bearbeitet werden. Die Antworten können anschließend um die Frage erweitert werden, was konkret im Internet von einem Menschen zurückbleibt. Dadurch lässt sich zwischen Erinnerungen anderer Menschen, materiellen Hinterlassenschaften, digitalen Spuren und religiösen Vorstellungen unterscheiden. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die Lernenden untersuchen zu lassen, was mit Konten und persönlichen Daten nach dem Tod geschieht. Das Medium schlägt hierzu unter anderem Rechercheaufträge, den Vergleich von Regelungen verschiedener Plattformen und die Erstellung eines fiktiven digitalen Testaments vor. Für eine stärker ethisch ausgerichtete Unterrichtsphase können die Lernenden diskutieren, wem digitale Daten nach dem Tod gehören und wer darüber entscheiden darf. Besonders ergiebig für den Religionsunterricht ist die Gegenüberstellung von christlicher Auferstehungshoffnung und digitaler Unsterblichkeit. Die vom Medium aufgeworfene Frage, ob eine durch künstliche Intelligenz erzeugte Version eines verstorbenen Menschen lediglich eine Simulation darstellt oder als eine Form des Weiterlebens verstanden werden kann, eröffnet einen Zugang zur Klärung theologischer Begriffe. Lernende können herausarbeiten, dass digitales Fortbestehen, Erinnerung und christliche Auferstehungsvorstellungen unterschiedliche Konzepte darstellen und anschließend begründet Stellung dazu beziehen. Methodisch eignet sich hierfür eine Gegenüberstellung von Aussagen aus biblischen Texten zur Auferstehung mit Beispielen digitaler Avatare. Ebenso können Fallbeispiele zu künstlicher Intelligenz analysiert und hinsichtlich ihrer Bedeutung für Trauernde beurteilt werden. Das Medium regt ausdrücklich zur Diskussion darüber an, ob eine digitale Repräsentation Verstorbener bei der Trauer helfen oder Trauerprozesse erschweren kann. Eine weitere Vertiefung ermöglicht das Thema Abschiedskultur. Letzte Beiträge in sozialen Medien können mit biblischen Abschiedstexten oder Abschiedsworten verglichen werden. Dabei sollte auf reale letzte Beiträge Verstorbener sensibel und zurückhaltend zurückgegriffen werden. Alternativ können fiktive Beispiele verwendet werden. Als kreative Sicherung können Lernende einen Psalm, einen letzten digitalen Satz oder ein Gedenkprofil für eine fiktive Person gestalten. Das Medium selbst schlägt entsprechende Schreibaufgaben und die Gestaltung eines digitalen Gedenkprofils vor. Aufgrund der sensiblen Themen Tod, Trauer und Suizid ist eine behutsame didaktische Rahmung besonders wichtig. Persönliche Erfahrungen mit Tod und Verlust sollten niemals eingefordert werden. Aufgaben können grundsätzlich anhand fiktiver Personen bearbeitet werden und Lernende sollten die Möglichkeit erhalten, sich bei belastenden Fragestellungen zurückzunehmen. Insgesamt eignet sich das Medium besonders für einen problemorientierten und diskursiven Religionsunterricht, da es eine aktuelle technologische Entwicklung mit klassischen Menschheitsfragen verbindet: Was macht einen Menschen aus, was bedeutet Identität, was bleibt nach dem Tod und worin unterscheidet sich die Hoffnung auf Auferstehung von dem Versuch, menschliche Präsenz technisch zu bewahren?