Die Unterrichtseinheit ist in fünf aufeinander aufbauende Bausteine gegliedert. In der ersten Einzelstunde stehen die Bausteine 1 bis 3 im Mittelpunkt. Zunächst setzen sich die Schüler*innen mit dem Begriff „Migrationshintergrund“ auseinander. Mithilfe der Placemat-Methode werden persönliche Assoziationen und Erfahrungen gesammelt, diskutiert und auf einem Plakat visualisiert. Dies ermöglicht einen Einstieg in das Thema auf einer emotionalen und lebensweltbezogenen Ebene.
Im Anschluss daran führen die Schülerinnen in Zweiergruppen Interviews mit Personen aus der eigenen Klasse oder aus sogenannten Migrantenklassen, die über Migrationserfahrungen verfügen. Diese Gespräche werden anhand eines vorbereiteten Leitfadens strukturiert. Ziel ist es, Migrationserfahrungen aus erster Hand zu hören und daraus Verständnis sowie Mitgefühl zu entwickeln. In Baustein 3 werden die Interviews ausgewertet. Die Schülerinnen verfassen dazu einen zusammenhängenden Text, der Motive für die Migration, den Migrationsweg und die Erfahrungen in Deutschland beschreibt. Zusätzlich reflektieren sie, welche Aussagen des Interviews sie persönlich besonders berührt haben.
Die zweite Einzelstunde beginnt im nächsten Schritt mit der Präsentation der Interviewergebnisse im Sitzkreis. Dabei soll nicht der gesamte Text vorgelesen, sondern die wesentlichen Inhalte mit eigenen Worten wiedergegeben werden. Anschließend folgt Baustein 4, in dem die Schülerinnen mit biblischen Impulsen zum Umgang mit Fremden konfrontiert werden. Bibelstellen wie „Denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen“ (Dtn 10,19) oder „Gleiches Recht gilt für euch und die Fremden“ (Num 15,16) regen zur Auseinandersetzung mit ethischen und religiösen Haltungen gegenüber Migration an. Die Schülerinnen wählen Zitate aus, die sie besonders ansprechen, und überlegen, welche Konsequenzen sich daraus für den Umgang mit Migrant*innen ergeben.
Im abschließenden Baustein 5 planen und realisieren die Schüler*innen in Kleingruppen einen sogenannten Smart Mob. Dabei handelt es sich um eine kreative Aktionsform im öffentlichen Raum, die – anders als der spaßorientierte Flash Mob – eine politische oder weltanschauliche Botschaft vermittelt. Der Smart Mob soll die Erfahrungen und Einsichten aus der Unterrichtseinheit aufgreifen und einen positiven Impuls zum Thema Migration setzen. Die Gruppen entwickeln eigene Konzepte, etwa durch Musik, Choreografien oder pantomimische Darstellungen, und führen diese idealerweise in der Schule oder an einem öffentlichen Ort auf. Dabei werden Aspekte wie Scham, Öffentlichkeit und praktische Umsetzbarkeit berücksichtigt. Eine Aufzeichnung der Aktion kann zur Reflexion im Unterricht genutzt werden.
Die Einheit ist im Rahmen des Bildungsplans verortet und gehört thematisch zum Bereich „Leben in einer pluralen Welt“. Sie verknüpft persönliche Erfahrungen, interreligiöse Perspektiven und gesellschaftliche Verantwortung zu einer ganzheitlichen Auseinandersetzung mit dem Thema Migration. Die Schülerinnen und Schüler lernen dabei, das Eigene zu reflektieren, das Fremde wertzuschätzen und mögliche gemeinsame Werte zu entdecken. Ziel ist es, nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern auch Haltung zu bilden – und dadurch einen Beitrag zum gelingenden Zusammenleben in einer pluralen Gesellschaft zu leisten.